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Zwischen Kunstkritik und Selbstdarstellung – die Banksy-Aktion polarisiert

Banksy prankte am Wochenende die Kunstwelt: Nachdem eines seiner Gemälde für eine eigene Rekordsumme versteigert wurde, zerstörte es sich gleich selbst. Revolutionäre Kunstkritik? Nicht so ganz, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.

Publiziert: 08.10.18, 16:56 Aktualisiert: 08.10.18, 17:41

Die Zerstörung des Bildes «Girl with Balloon» direkt nach seiner Versteigerung sorgte vergangenes Wochenende weltweit für Aufsehen. Banksy liess sein eigenes Kunstwerk wenige Sekunden nach dem letzten Hammerschlag sich selbst schreddern. In Anwesenheit von Kunstexperten, Käufern und Medien. Das Auktionshaus Sotheby's schrieb in einer Medienmitteilung, dass sie von Banksy geprankt wurden, dabei dürften sie sich wohl freuen.

Die Aktion im Video (gepostet von Banksy):

Banksy postete nach der Auktion auf seinem Instagram-Account ein kurzes Video zum Vorfall. Mit einem Zitat von Picasso nahm er Stellung zum Vorfall.

«Der Drang zur Zerstörung ist auch ein kreativer Drang.»

Pablo Picasso

Die Idee der Selbstzerstörung als Form der Kunstkritik ist keinesfalls neu, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt. Im Jahr 1931 schrieb der spanische Maler Joan Miró, dass er seine Werke zerstören wolle. Trotzdem malte er weiter.

«Ich will zerstören, alles zerstören, das in der Malerei existiert.»

Joan Miró

Etwas näher an Banksys Werk kam Gustav Metzger im Jahr 1960. Er gilt als Erfinder der Selbstzerstörenden Kunst. In einem Manifest spricht er von drei zentralen Punkten: Das Kunstwerk solle sich innerhalb von 20 Jahren selbst zerstören. Dazu kommt, dass wenn der Prozess in Gang gesetzt worden ist, der Autor keinen Einfluss mehr hat. Der letzte Punkt betont die Wichtigkeit des Publikums: Die Selbstzerstörung solle in der Öffentlichkeit geschehen und sich nicht auf eine exklusive private Gruppe beschränken. Das erinnert bereits stark an Banksys Aktion vom Wochenende in London.

Im Gegensatz zu Banksy blieb Metzger allerdings Zeit seines Lebens (er starb 2017) einem breiteren Publikum fremd – nicht zuletzt, weil er sich der Kommerzialisierung der Kunst widersetzte.

Kurzporträt über Gustav Metzger

Video: YouTube/Tate

Unserer Zeit am nächsten kommt wohl die Kunstaktion von Michael Landy im Jahr 2001: Er zerstörte im Zentrum von London sein gesamtes Hab und Gut inklusive Auto und Reisepass. Unter den zerstörten Gegenständen waren auch Bilder von berühmten zeitgenössischen Künstlern wie Damien Hirst und Tracey Emin.

Michael Landy zerstört sein Hab und Gut:

Video: YouTube/Artangel

Ganz so radikal machte es Banksy nicht. Er zerstörte sein Bild nicht vollständig, und im Gegensatz zu Landys Fall generierte er dabei noch Geld. Denn laut «Washington Post» könnte sich der Wert von Banksys Werk auf zwei Millionen Pfund verdoppelt haben.

Dabei ist Banksys gesamtes Werk auf Kapitalismus- und Konsumgesellschaftskritik ausgelegt. Vielleicht ist gerade dies das Ironische an Banksys Schaffen: Er kritisiert den Kapitalismus und die Kunstwelt, und die Welt jubelt ihm zu, während seine Bilder ihren Wert in Millionenhöhe steigern. (jaw)

Banksy sprayt in Gaza Katzen auf zerstörte Häuser – und lockt Geschäftemacher an

Der britische Streetart-Künstler Banksy hat heimlich den Gazastreifen besucht. Dort hinterliess er diese Katze, die mit einem rostigen Schrottknäuel «spielt». X90014 / SUHAIB SALEM
Banksys sarkastischer Kommentar: «Ich wollte auf die Zerstörung in Gaza hinweisen, aber im Internet achten die Menschen nur auf Bilder von Katzenbabys.» EPA/EPA / MOHAMMED SABER
Das Bild einer trauernden Frau, eine Anspielung auf die griechische Göttin Niobe, hat Banksy auf die Tür eines zerstörten Hauses gesprayt. EPA/EPA / MOHAMMED SABER
Heute befindet sich dort nur noch der Türrahmen. Ein Künstler hat dem Hausbesitzer das Bild für weniger als 200 Franken abgekauft. AP/AP / Adel Hana
Kunstwerke von Banksy verkaufen sich in der Regel für mehrere hunderttausend Franken. Der Künstler Belal Khaled verteidigt sich: Er habe das Bild legal erworben und wollen keinen Profit daraus schlagen. AP/AP / Adel Hana
Ein weiteres Banksy-Werk in Gaza zeigt einen Wachturm, der zum Kettenkarussell umfunktioniert wurde. Anlass für Banksys Besuch waren die massiven Zerstörungen im letztjährigen Gaza-Krieg. AP/AP / Adel Hana
2008 hatte Banksy bereits Bethlehem besucht und sich dort unter anderem mit einer Friedenstaube mit Schutzweste verewigt. EPA/EPA / JIM HOLLANDER
Das Graffito eines israelischen Soldaten, der von einem Mädchen gefilzt wird, geniesst längst Kultstatus. AP / MUHAMMED MUHEISEN

Kunst im grössten unterirdischen See der Schweiz

Video: srf/SDA SRF

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