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Präsident Trump während seiner Ansprache an die Nation am Mittwochabend. Bild: AP

Trump kündigt Einreiseverbot für Europäer an – 10 Antworten, die wir bis jetzt kennen

Drastische Massnahmen von Trump: Der US-Präsident verfügt einen Einreisestopp für Passagiere aus Europa. Alles, was wir bis jetzt dazu wissen.

Publiziert: 12.03.20, 04:03 Aktualisiert: 12.03.20, 13:25

Hinweis: Da die Folgen des Einreiseverbots noch nicht vollständig abgeschätzt werden können, wird dieser Artikel laufend ergänzt.

Was ist passiert?

Die USA verhängen wegen der Coronavirus-Pandemie einen Einreisestopp für Ausländer aus Europa. «Wir werden alle Reisen von Europa in die USA für die nächsten 30 Tage aussetzen», sagte Trump am Mittwochabend im Weissen Haus in einer Ansprache an die Nation.

Ab wann gilt das Verbot?

Das Einreiseverbot soll am Freitag um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft treten, sagte Trump. Ausnahmen werde es für Amerikaner geben, die sich entsprechenden Tests unterziehen.

Für wen gilt das Verbot?

Das Einreiseverbot in die USA gilt für den Schengen-Raum. Somit sind 26 europäische Länder davon betroffen, darunter auch die Schweiz, Österreich, Deutschland und Italien. Das gab der amtierende Heimatschutzminister Chad Wolf in einem Statement bekannt. Der Einreisestopp wird für ausländische Reisende verfügt, die in den vergangenen 14 Tagen im Schengen-Raum waren.

Ausgenommen sind britische Staatsbürger.

Nach seiner Rede twitterte der Präsident, Handel und Frachtverkehr seien in keiner Weise betroffen. «Die Restriktionen stoppen Menschen, keine Waren», schrieb Trump. Der frühere leitende Mitarbeiter des US-Handelsministeriums, William Reinsch, warnte, die Reisebeschränkungen seien «enorm disruptiv», auch wenn der Präsident klargestellt habe, dass der Handel nicht betroffen sei.

Wie reagiert die EU?

Bis jetzt kamen noch nicht viele Reaktionen. Ein EU-Diplomat sagte allerdings, es habe keine Hinweise und auch keine Koordinierungen mit der Europäischen Union gegeben.

Wie wird das Verbot begründet?

Trump begründete den Stopp damit, dass die EU nicht dieselben Schutzmassnahmen wie die USA ergriffen und Reisen aus China nach Europa nicht früh genug gestoppt hätten. Trump hatte Ende Januar bereits einen Einreisestopp für ausländische Reisende verfügt, die in den 14 Tagen zuvor in China gewesen waren. Von China aus hatte sich das Coronavirus Sars-CoV-2 ausgebreitet.

Welche Massnahmen wurden bereits getroffen?

Bereits Ende Februar erliess der US-Präsident eine entsprechende Regelung für Ausländer, die sich in den zwei Wochen zuvor im Iran aufgehalten haben. Zugleich wurden die Reisehinweise für betroffene Landesteile in Italien und Südkorea verschärft. Im Iran, in Südkorea und in Italien hat sich das Virus rasant ausgebreitet.

Zum Thema: Grippe und Covid-19 im Vergleich

Bei der Diskussion um den Coronavirus wird oft die Grippe zum Vergleich herangezogen. Die WHO nennt Gemeinsamkeiten und Unterschiede: EPA / ALEX PLAVEVSKI
Ähnlich ist demnach die Ausprägung der Infektionskrankheiten: Beide sind von einem Virus verursachte Atemwegserkrankungen, deren Verlauf sehr unterschiedlich sein kann - von symptomlos oder mild bis hin zu sehr schwer, mitunter gar tödlich. EPA / IGOR KUPLJENIK
Beide Erreger werden vorwiegend über Tröpfchen etwa beim Sprechen oder Husten oder auch direkten Kontakt übertragen. Darum greifen bei beiden auch die gleichen Vorsichtsmassnahmen: gute Handhygiene, in den Ellbogen oder ein Taschentuch husten, Kontakt zu Infizierten vermeiden. KEYSTONE/TI-PRESS / Alessandro Crinari
Unterschiede gibt es laut WHO bei der Ausbreitungsgeschwindigkeit: Influenza habe eine kürzere Inkubationszeit zwischen Ansteckung und der Ausbildung erster Symptome, zudem erfolgten die Ansteckungen in den Infektionsketten rascher aufeinander. Bei Covid-19 liege dieses Intervall bei etwa 5 bis 6 Tagen, bei Influenza bei 3 Tagen. Das bedeute, dass sich Influenza rascher verbreiten kann als Covid-19. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Hinzu komme, dass bei Influenza oft schon vor der Ausprägung von Symptomen weitere Menschen angesteckt würden. Bei Covid-19 seien zwar Übertragungen 24 bis 48 Stunden vor dem Auftreten von Symptomen bekannt, sie seien aber nach derzeitigem Kenntnisstand anders als bei der Grippe selten und spielten für die Weiterverbreitung kaum eine Rolle. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Ein weiteres wichtiges Kennzeichen ist die Ansteckungsrate. Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 wird nach WHO-Daten von einem Infizierten im Mittel an zwei bis zweieinhalb weitere Menschen weitergegeben - und damit an mehr als bei Influenza. Wegen der unsicheren Datenlage und verschiedenen den Wert beeinflussenden Effekten sei ein Vergleich bei diesem Aspekt aber nur eingeschränkt möglich, heisst es von der WHO. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Erhebliche Unterschiede gibt es im Bezug auf Kinder: «Kinder sind bedeutsame Treiber für die Übertragung von Influenzaviren in der Gemeinschaft», so die WHO. Für den Covid-19-Erreger zeigten erste Auswertungen, dass Kinder weniger betroffen sind als Erwachsene und nur selten deutliche Symptome entwickeln. Vorläufige Daten lassen demnach zudem annehmen, dass Kinder sich vor allem bei Erwachsenen anstecken - Erwachsene aber umgekehrt kaum bei Kindern. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Schwere bis lebensbedrohliche Verläufe gibt es nach bisherigen Auswertungen bei Covid-19 häufiger als bei der Grippe. Der WHO zufolge ist der Verlauf bei 15 Prozent der Infizierten so schwer, dass eine zusätzliche Versorgung mit Sauerstoff nötig wird. EPA / JALIL REZAYEE
Bei 5 Prozent der Infizierten ist demnach künstliche Beatmung nötig. Auch die Todesrate liegt wohl höher als bei der normalen saisonalen Grippewelle - exakte Angaben lassen sich dazu aber derzeit kaum machen. AP / Sakchai Lalit
Als besonders von schweren Verläufen betroffene Risikogruppen gelten bei Influenza Kinder, Schwangere, Ältere sowie Menschen mit chronischen Krankheiten oder geschwächtem Immunsystem. Bei Covid-19 gehören Kinder und Schwangere nach derzeitigem Wissensstand nicht zu den Risikogruppen. EPA / NICOLA FOSSELLA
Zu beachten ist auch der Unterschied bei den Möglichkeiten für Behandlung und Vorsorge. «Zwar gibt es bereits eine Reihe klinischer Tests von Medikamenten in China, und es sind mehr als 20 Impfstoffe gegen Covid-19 in der Entwicklung, bisher aber gibt es keine zugelassenen Impfstoffe oder Therapien für Covid-19», so die WHO. Bei Influenza hingegen gebe es sowohl schützende Impfungen als auch zugelassene antivirale Medikamente. EPA / ALEX PLAVEVSKI

Hat sich das Verbot abgezeichnet?

Ja, gewissermassen. Trump hatte am Mittwoch bei einem Treffen mit Chefs von Banken gesagt, in China und Asien flaue die Krise ab. «Wie Sie wissen, haben wir einen anderen Teil der Welt, Europa, der in einer sehr schwierigen Verfassung ist.»

Kurz zuvor hatte der geschäftsführende Vize-Heimatschutzminister Ken Cuccinelli bei einer Anhörung im Kongress gesagt, Reiseeinschränkungen für Europa würden erwogen. «Europa stellt ein einzigartiges Problem dar.» Grund dafür sei, dass es im Schengen-Raum grenzüberschreitende Bewegungsfreiheit gebe. Daher stelle sich die Frage, «wie man Europa als Ganzes behandelt».

Wie ist die Lage in den USA?

Der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten in den USA, Anthony Fauci, sagte bei einer Anhörung im Kongress, das Virus werde sich auch in den USA weiter ausbreiten. «Unterm Strich wird es schlimmer werden.»

Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten in den USA, Anthony Fauci. Bild: AP

Fauci rief die Menschen dazu auf, ihr Verhalten der Krise anzupassen. «Wie viel schlimmer es werden wird, wird von unserer Fähigkeit abhängen, zwei Dinge zu tun: den Zustrom von Menschen, die infiziert sind, von ausserhalb einzudämmen und die Fähigkeit zur Eindämmung und Abschwächung in unserem eigenen Land.»

Bisher sind mindestens 37 Menschen in den Vereinigten Staaten an einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Nach einer Statistik der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore sind inzwischen mehr als 1100 Menschen in den USA mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert.

Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, weil in den USA nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC bislang erst etwas mehr als 11'000 Menschen auf das Virus getestet wurden.

Nach Ausbruch der Krise ausgelieferte Tests in den USA lieferten teils fehlerhafte Ergebnisse, es kam zudem zu Engpässen. Kritiker werfen Trump vor, nicht energisch genug auf die Krise reagiert zu haben.

Welche wirtschaftlichen Massnahmen ergreifen die USA?

Trumps Regierung verhandelt derzeit mit dem Kongress über ein Massnahmenpaket zur Eindämmung der wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus. Die US-Börsen brachen am Mittwoch erneut ein.

Der US-Präsident appellierte an den US-Kongress, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise durch rasche Kürzungen bei der Einkommensteuer einzudämmen. Er kündigte zudem an, dass für bestimmte Unternehmen und Gruppen von Bürgern die Fristen für ihre Steuerzahlungen verlängert werden sollten. Dadurch sollten 200 Millionen Dollar an zusätzlicher Liquidität in die US-Wirtschaft fliessen, sagte Trump.

Angedacht sind demnach auch Hilfen für Menschen, die nach Stundenlohn bezahlt werden und bei einem Krankheitsausfall keinerlei Gehalt bekommen. Auch Gespräche mit Fluggesellschaften, Kreuzfahrtveranstaltern und der Hotelindustrie seien geplant.

Wie reagiert die Wirtschaft?

«Wir mobilisieren die gesamte Kraft der Regierung und des privaten Sektors um die Menschen in Amerika zu schützen», sagte Präsident Trump. «Dies ist der entschiedenste und umfangreichste Einsatz in der modernen Geschichte, um ein ausländisches Virus zu bekämpfen.»

Die Wirtschaft reagierte enttäuscht auf die Ankündigungen. «Der Markt applaudiert der Rede des Präsidenten nicht», sagte der Marktstratege von Prudential Financial, Quincy Krosby.

Der Währungsexperte Junichi Ishikawa von IG Securities in Tokio erklärte: «Trump hat das betont, was er für durchschlagende Massnahmen hält, aber Bewegungen bei Aktien, Aktien-Futures und Währungen zeigen, dass dies nicht genug ist, um Investoren zu beruhigen.» Ähnlich äusserten sich Analysten in Australien und Singapur. (sda/dpa/afp/reu/apa)

Mit Material der Nachrichtenagenturen SDA, DPA, AFP und Reuters.

Schweiz riegelt Grenze zu Italien ab

Beamte des Grenzwachkorps schliessen den Grenzübergang San Pietro di Stabio zwischen der Schweiz und Italien mit Gittern und Ketten. KEYSTONE/Ti-Press / Davide Agosta
Ab Mittwoch, 11. März 2020, wird im Tessin der Grenzverkehr aus Italien auf die grösseren Grenzübergänge kanalisiert, um den Grenzverkehr mit Italien und die Ausbreitung des Coronavirus besser kontrollieren zu können. KEYSTONE/Ti-Press / Davide Agosta
Die grösseren Grenzübergänge wie in Chiasso blieben offen. KEYSTONE/Ti-Press / Davide Agosta
An dieses Bild müssen sich Grenzgänger wohl für eine Weile gewöhnen. KEYSTONE/Ti-Press / Davide Agosta

Was passiert bei einer Ansteckung mit dem Coronavirus?

Video: SRF / SDA SRF

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