«Jede Woche schliesst ein Betrieb», sagte Beat Wüthrich, Geschäftsführer der Wüthrich Metzg aus Münchenbuchsee, letzte Woche gegenüber BärnToday. In seinem Geschäft arbeitet Ariane Aeschlimann, Fleischfachfrau EFZ und diesjährige Gewinnerin der europäischen Berufsmeisterschaften EuroSkills. Das grösste Problem sei der fehlende Nachwuchs, so die 24-Jährige.
Dass Fachkräfte im Gewerbe nicht wie Sand am Meer vorhanden sind, bekamen dieses Jahr mehrere Stadtberner Metzgereien zu spüren.
Ende August beendete die Metzgerei Lehmann in der Berner Länggasse ihren Betrieb. Der Grund: Fachkräftemangel. Der Verkaufsjob habe nicht besetzt werden können und auch der Chefmetzger sei ausgefallen, berichtete die «Berner Zeitung». Die Öffnungszeiten seien verkürzt worden, der 75-jährige Daniel Lehmann habe im Vollpensum weitergearbeitet – bis schliesslich kein Weg mehr um die Schliessung herumgeführt habe.
Eine Nachfolge haben Sonya und Max Grunder gefunden. Ihnen gehörte bis Ende September die Metzgerei Grunder in der Berner Altstadt. Nach 117 Jahren im Familienbesitz wird die einzige Privatmetzgerei der Innenstadt am 31. Oktober von Ruben Strich übernommen. Allerdings nicht als reine Metzgerei, sondern auch mit Teigwaren im Sortiment. «Chez Max comestibles de berne» soll das Geschäft an der Rathausgasse ab Dienstag heissen. Der Name: eine Hommage an den Vorbesitzer.
Wie beurteilt der Fleisch-Fachverband Kanton Bern die Lage? Dass pro Woche schweizweit eine Metzgerei schliesse, ist für Vizepräsident Adrian Gygax plausibel. «Im Schnitt hören 40 bis 50 Schweizer Betriebe pro Jahr auf. Ziehen wir die Festtage ab, kommt diese Aussage in etwa hin», so der Inhaber der Metzgerei Gygax AG aus Lützelflüh.
Der Nachwuchs- und Fachkräftemangel sei in der Tat ein Problem im Gewerbe. «Nicht alle Lernenden bilden sich auf unserem Beruf weiter – nicht alle werden einen Betrieb übernehmen», sagt Gygax. So werde sich der Strukturwandel immer bemerkbarer machen. «Betriebsleitende finden unter Umständen niemanden, der die finanziellen Mittel und das Know-how hat, um die Nachfolge zu übernehmen.»
Dennoch habe die Metzgereibranche nicht nur Schattenseiten, betont Gygax. «Wir haben nach wie vor gute Betriebe, die Lernende ausbilden, selbst schlachten und regional verankert sind.» Wettbewerbe wie die EuroSkills, die Ariane Aeschlimann heuer gewonnen hat, würden dem Beruf Fleischfachmann oder -frau EFZ zu neuem Ansehen verhelfen, betont der Vizepräsident.
«Die SwissSkills und die EuroSkills sind ‹Dampflokomotiven› für unseren Beruf», erklärt Gygax. «Sie werden in den sozialen Medien gut verbreitet und so von den jungen Leuten gesehen.» Aktuell sei dies leider oft nicht der Traumberuf vieler junger Leute. «Obwohl wir einen schönen, interessanten und vielseitigen Beruf ausüben.»