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Darf ich den Baum des Nachbars schneiden? Das sagt das Schweizer Gesetz

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Darf ich den Baum des Nachbars zurückschneiden?

«My home is my castle, my garden is my paradise». In den helvetischen Gärten Eden setzt das Nachbarrecht der Gestaltungsfreiheit jedoch die eine oder andere Grenze.
11.04.2024, 09:4011.04.2024, 09:40
Vera Beutler / lex4you by TCS
Vera Beutler / lex4you by TCS

Während sich in Australien 3.4 Personen einen Quadratkilometer teilen, leben in der Schweiz etwa 212 Personen auf derselben Fläche. Das ist eng und bereits ein Ast, der vom nachbarlichen in den eigenen Garten ragt, kann zu viel des Guten sein. So dürfen denn die Kantone auch Vorschriften erlassen, wie nah an deinem Grundstück der Nachbar Büsche und Bäume pflanzen darf.

Hat der Nachbar diese Abstandsvorschriften nicht eingehalten, darfst du als Eigentümerin einen Rückschnitt verlangen. Je nach kantonalem Recht kannst du dies auch dann fordern, wenn du die üppige Vegetation während Jahrzehnten geduldet hast, wie eine Eigentümerin eines Grundstücks im Kanton Thurgau erfahren musste. Bis vor Bundesgericht kämpfte sie für ihre 30-jährigen Bäume und Sträucher. Vergeblich, auf höchstrichterliches Geheiss musste sie die Bäume auf eigene Kosten zurückschneiden.

Als Mieter kannst du übrigens nichts direkt fordern, sondern du musst dich an deine Vermieterin wenden.

«Halten sich die nachbarlichen Bäume und Sträucher an die Abstandsvorschriften und stören sie nicht übermässig, musst du sie akzeptieren.»

Kappen von Ästen kann strafbar sein

Halten sich die nachbarlichen Bäume und Sträucher an die Abstandsvorschriften und stören sie nicht übermässig, musst du sie akzeptieren. Dies grundsätzlich auch, wenn dein Rasen deswegen voller Blätter und Blüten ist. Allerdings bestimmt das Zivilgesetzbuch, dass dich die Bäume und Sträucher deines Nachbarn nicht in deinem Eigentum schädigen dürfen. Du musst es beispielsweise nicht akzeptieren, wenn dein Garten wegen der nachbarlichen Bepflanzung vollständig im Schatten liegt. Dasselbe gilt, wenn die Bäume deines Nachbarn fleissig Wurzeln bis in deinen Garten schlagen und du deswegen auf deinem Grundstück lauter Stolperfallen hast.

Contentpartnerschaft mit TCS / lex4you.ch
Dieser Blog ist eine Contentpartnerschaft mit TCS Rechtsschutz und seiner interaktiven Rechtsauskunftsplattform lex4you.ch. Die Fragen stammen direkt aus dem Alltag von Rechtsschutzversicherten – kompetent beantwortet von der Juristin und Leiterin von lex4you.ch, Vera Beutler. Es handelt sich nicht um bezahlten Inhalt.

In diesem Fall darfst du deinem Nachbarn eine angemessene Frist setzen, innert welcher er die schädigenden Äste schneiden oder Wurzeln kappen muss. Lässt er diese Frist ungenutzt verstreichen, kannst du vor Gericht verlangen, dass der Nachbar den Rückschnitt auf seine Kosten vornimmt.

Du darfst die Sache nach Ablauf der Frist auch selbst in die Hand nehmen, musst dann die Kosten aber selbst tragen. Bevor du nun die Motorsäge allzu enthusiastisch anwirfst: Wie das Bundesgericht präzisiert, darfst du Bäume und Büsche nicht unverhältnismässig oder zwecklos schädigen oder gar zerstören. Tust du das gleichwohl, riskierst du eine Strafe wegen Sachbeschädigung. Ebenfalls strafbar machen kannst du dich, wenn du einen Ast abschneidest im Wissen, dass du damit ein Vogelnest vernichtest oder sonst das Brutgeschäft störst.

Für Obstbäume gelten Spezialregeln

Bei einem Obstbaum überlegst du dir auch ausserhalb der Brutzeit vielleicht zwei Mal, ob du wirklich nicht mit dem fremden Ast leben kannst. Denn in einigen Kantonen der Rückschnitt von fruchttragenden Bäumen zusätzlich reguliert.

Zudem gehören die Äpfel oder andere Früchte, die an auf dein Grundstück ragenden Ästen hängen, dir. Ausser, du wohnst in den Kantonen Appenzell Innerrhoden oder Neuenburg: Hier verbleibt das Eigentum an den Früchten der Eigentümerin des Baumes, auch wenn sich der Ast über dein Grundstück biegt. In Neuenburg darfst du aber immerhin diejenigen Früchte behalten, die auf dein Grundstück fallen.

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FRAGFRAUFREITAG
Liebe Frau Freitag, ich pflege gewisse Freundschaften, welche jedoch sehr viel meiner Energie in Anspruch nehmen. 
Was kann ich dagegen tun, sodass ich auch etwas von der Freundschaft habe und nach einem Gespräch/Treffen nicht so ausgelaugt bin? Milena, 20

Liebe Milena

Eine Energievampir-Frage! Yes! Danke dafür, liebe Milena. (Auf diese Frage warte ich ja schon länger, drum freue ich mich jetzt sehr, dass sie endlich kommt.)

Was mir an Ihrer Frage besonders auf- und gefällt, ist Folgendes: Sie fragen mich, was SIE tun können, um sich nicht mehr so ausgelaugt zu fühlen. Das ist enorm reif, wissen Sie das eigentlich? Können Sie sich vorstellen, wie oft Menschen zu mir in ein Coaching kommen, die den Partner, Berufskollegen, Eltern oder den Hund ändern wollen? Es dauert dann immer eine Weile, bis ich klar gemacht habe, dass man sein Umfeld nicht ändern kann, sondern nur sich selber. Selbstverständlich hat das dann meistens auch eine Auswirkung auf die Mitmenschen, aber es setzt halt ganz woanders an. Darum erst einmal Chapeau. Aber nun zu Ihrer Frage. (Ich werde im folgenden Text einfachheitshalber mit dem Beispiel «Freundin» arbeiten, aber natürlich ist immer jegliche Art von Freunden gemeint.)

Es ist ein superspannendes Phänomen, das mit der Energiebuchhaltung in einer Freundschaft. Es ist nämlich viel komplexer, als man gemeinhin denken könnte. Es gibt Konstellationen, in der die eine Seite mehr Aufmerksamkeit braucht als die andere und die dennoch nicht zur Energietankstelle verkommt. Und andere, die auf den ersten Blick als ausgeglichen scheinen, und trotzdem nur Leere hinterlassen.

Ich persönlich bin der Meinung, dass eine tiefe Freundschaft eine Phase der Einseitigkeit aushalten sollte. Schön, wenn es beiden Freundinnen immer gut geht und man sich im Friede-Freude-Eierkuchen-Modus immerfort über Fifty Shades of Soft Pink unterhalten kann. Aber das Leben, es hält sich kaum an Gesetze und ist selten fair und so kann es schon mal sein, dass die eine der beiden eine Trennung durchstehen oder sonst eine Krise überwinden muss. Dann ist es Aufgabe der besten Freundin, für sie da zu sein und ein offenes Ohr zu haben.

Die Herausforderung besteht vor allem darin, dass beide innerhalb der Freundschaft ihren Raum haben. Dass man mit seinen Themen zu Wort kommt. Ein «schweres» darf nicht übergross werden und einem «leichten» die Daseinsberechtigung klauen. Die Kunst einer langfristigen und ehrlichen Freundschaft besteht darin, dass die Freundin von ihrer abverreckten Wimperndauerwelle erzählen darf, nachdem man ihr von den schwerwiegenden Eheproblemen vorgeklönt hat. Sobald man sich nicht mehr getraut, über gekräuselte Wimpernspitzen zu reden, weil diese im Vergleich zu «richtigen» Problemen lachhaft sind, ist es gelaufen.

Wenn es aber in die Richtung läuft, dass die beste Freundin sich zum 20. Mal von ihrem Arschloch-Freund trennt, man sie 20 Mal getröstet und aufgepäppelt hat und sie dann zum 21. Mal zu ihm zurückkriechen sieht, dann wird es Zeit, Konsequenzen zu ziehen. Und auch dann, wenn Sie das Gefühl beschleicht, nicht mehr gehört zu werden. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Freundin, währenddessen ich einen Hörsturz erlitten habe. Nachdem ich mehrfach und angsterfüllt gesagt hatte, dass ich auf einem Ohr überhaupt nicht mehr hören kann und diese nicht darauf reagierte, sondern munter weiter über ihre Affären plauderte, war für mich die Freundschaft beendet. Beziehungen sind nicht immer für die Ewigkeit gemacht und es kann durchaus gesund sein, wenn man sich mit Bewusstsein von einer verabschiedet.

Sie werden also über die Bücher gehen müssen. Versuchen Sie Gegensteuer zu geben, indem Sie mehr Raum einnehmen und eigene Themen einbringen, auch wenn das Gegenüber möglicherweise schwerwiegendere hat. Wenn dies nicht funktioniert, würde ich das Thema offen ansprechen. Manchmal fehlt einem im Strudel der eigenen Themen die Reflexion, um dieses Ungleichgewicht überhaupt zu bemerken. Dann kann ein ehrliches Gespräch das Verhältnis wieder ins Lot bringen.

Manchmal muss man sich aber auch eingestehen, dass man nur als Energie-Zapfssäule dient. Dann ist es Zeit, Adieu zu sagen und sich Menschen zu widmen, die einen ebenfalls bereichern und erfüllen.

Mit herzlichem Gruss, Ihre Kafi.
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