Auch wenn du deinen Chef gerne magst und ihn nicht zusätzlich stressen möchtest: Zahlt er dir deinen Lohn nicht, solltest du ihn schriftlich mahnen und selbst vor einer Betreibung nicht zurückschrecken. Denn verschlimmert sich seine finanzielle Schieflage, wirst du beweisen müssen, dass du alles getan hast, um zu deinem Geld zu kommen.
Wartest du schon länger als zwei Monate auf deinen Lohn und wird sich die Lage vermutlich auch nicht bessern, musst du sofort handeln. Mahne deinen Chef schriftlich, am besten mittels eingeschriebenem Brief. Setze ihm eine kurze Frist, innert welcher er dir die ausstehenden Lohnzahlungen inklusive Verzugszinsen überweisen muss. Passiert auch dann nichts, kannst du ihn entweder betreiben oder ein Schlichtungsgesuch stellen.
Bei länger ausbleibenden Lohnzahlungen kannst du zudem die Arbeit niederlegen. Wie das Bundesgericht schreibt, hast du hier nach wie vor Anspruch auf den Lohn, ohne dass du nacharbeiten musst. Du kannst deinen Chef zudem auffordern, die noch nicht fälligen Lohnzahlungen sicherzustellen, etwa über die Einzahlung auf ein Sperrkonto. Kann er dies nicht, darfst du fristlos kündigen. Aber aufgepasst: Damit verlierst du, sollte der Betrieb Konkurs gehen, den Anspruch auf Insolvenzentschädigung für die Zeit ab erfolgter Kündigung.
Geht deine Arbeitgeberin in Konkurs, musst du innerhalb von 60 Tagen nach Konkurseröffnung, Nachlassstundung oder dem richterlichen Konkursaufschub bei der Arbeitslosenkasse den Antrag auf Insolvenzentschädigung stellen. Tust du das nicht, erlischt dein Anspruch. Dasselbe passiert, wenn du nicht nachweisen kannst, dass du die Lohnausstände angemahnt hast.
Das Bundesgericht fährt hier eine harte Linie: Hast du angesichts des drohenden Jobverlustes nicht an Formvorschriften gedacht und deinem Chef Vertrauen geschenkt, wirst du das teuer bezahlen müssen. Das musste ein Schreiner erleben, der seit 30 Jahren im Betrieb angestellt war und seinen Chef nur mündlich an die ausstehenden Lohnzahlungen erinnert hatte: Der Handwerker musste sechs Monatslöhne abschreiben. Seine Forderung, so das Bundesgericht, sei «offensichtlich unbegründet».
Hast du aber alle Fristen und Formvorschriften eingehalten, wird dir die Arbeitslosenkasse den AHV-pflichtigen Lohn der letzten vier Monate vor der Konkurseröffnung in der Form der Insolvenzentschädigung ausbezahlen. Grundsätzlich erhältst du den vollen Lohn, der Maximalbetrag liegt aber bei aktuell CHF 12 350.-. Nicht erschrecken, wenn du vorerst nur 70% deines letzten Lohnes ausbezahlt erhältst: Die restlichen 30% wirst du, nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge, später noch erhalten.
Gehen die Lohnausstände weiter als vier Monate zurück, kannst du sie im Konkursverfahren geltend machen. Die Lohnforderungen der letzten sechs Monate vor Konkurseröffnung sind privilegiert. Von älteren Lohnforderungen wirst du in aller Regel, wenn überhaupt, nur noch einen Teil sehen.
Nach einem Konkurs wird die Konkursverwaltung die Arbeitsverträge in der Regel auflösen. Du hast bis zum Ende deiner Kündigungsfrist Anrecht auf Arbeitslosentaggelder. Diese decken anders als die Insolvenzentschädigung nur 70 bis 80% des Lohnes ab. Auch hier gilt es, schnell zu sein: Du riskierst Einstelltage, wenn du dich nicht sofort an die Arbeitslosenkasse wendest.
Zwei Monate? Wenn am 26. der Lohn nicht überwiesen ist, frag ich mal dezent in der Buchhaltung nach, sofort gehandelt wird dann am 1.