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Bin ich in der Badi für mein Kind verantwortlich?

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Bin ich in der Badi für mein Kind verantwortlich?

Auch in der Badi sind in erster Linie die Eltern oder die jeweiligen Begleitpersonen für ihr Kind verantwortlich. Sieht ein Bademeister, dass ein Kind zu ertrinken droht, muss er natürlich eingreifen. Aber selbst der beste Bademeister kann seine Augen nicht überall haben.
23.05.2023, 08:22
Vera Beutler / lex4you by TCS
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Bald ist wieder Hochbetrieb in den Badis: Kleinkinder plantschen fröhlich im Wasser, grössere Kinder machen erste Schwimmversuche. Manchmal unter den wachsamen Augen Erwachsener. Manchmal aber tratscht der Vater mit seinen Freunden, die Mutter erledigt liegen gebliebene Mails, der Götti hängt am Handy. Sie alle strapazieren nicht nur die Nerven des Bademeisters. Passiert den Kleinen etwas, sind meist die Eltern oder die jeweilige Begleitperson verantwortlich. Moralisch, aber auch rechtlich.

«Übersetzt müssen also Vater, Mutter oder Götti dafür sorgen, dass das Kind beim normalen Baden nicht ertrinkt.»

Bademeister ist kein Babysitter

Zwar ist die Betreiberin einer öffentlichen Badeanstalt verpflichtet, die Badegäste und deren Verhalten zu überwachen. Ein Bademeister muss unverzüglich eingreifen, wenn er eine gefährliche Situation oder eine Unregelmässigkeit sieht oder eine andere Person ihn auf eine solche aufmerksam macht. Er hat deswegen jederzeit in der Nähe des Schwimmbeckens zu sein und das Geschehen permanent aufmerksam zu beobachten.

Contentpartnerschaft mit TCS / lex4you.ch
Dieser Blog ist eine Contentpartnerschaft mit TCS Rechtsschutz und seiner interaktiven Rechtsauskunftsplattform lex4you.ch. Die Fragen stammen direkt aus dem Alltag von Rechtsschutzversicherten – kompetent beantwortet von der Juristin und Leiterin von lex4you.ch, Vera Beutler. Es handelt sich nicht um bezahlten Inhalt.

Aber, so das Bundesgericht, diese «Pflicht zur Überwachung kann sich (…) vernünftigerweise nicht auf jegliche Handlung der Benützer erstrecken, selbst wenn sich diese im Wasser befinden. So muss sich der Bademeister nicht versichern, dass jeder Badende an der Wasseroberfläche verbleibt oder, wenn er untertaucht, rechtzeitig wieder aufsteigt». Diesen Ball gibt das Gericht weiter. Es ist der Schwimmer selbst oder eben die verantwortliche erwachsene Begleitperson, die das «mit der üblichen oder scheinbar normalen Benützung des Wassers verbundene Risiko trägt». Übersetzt müssen also Vater, Mutter oder Götti dafür sorgen, dass das Kind beim normalen Baden nicht ertrinkt.

Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich

Die Eltern oder die jeweilige Obhutsperson sind somit auch in der Badi für die Sicherheit des Kindes verantwortlich. Babys und Kleinkinder muss die Begleitperson in Griffnähe beaufsichtigen. Bei grösseren Kindern reicht es, je nach Kind und Schwimmkenntnissen, wenn die verantwortlichen Erwachsenen in Sichtweite sind. Wann Kinder ganz alleine ins Freibad dürfen, hängt von den Regeln der jeweiligen Badi ab. Auf der sicheren Seite ist, wer seinen Nachwuchs erst mit bestandenem Wassersicherheitscheck alleine baden lässt.

Klingt, als könne sich der Bademeister darauf beschränken, untergegangene Kinder rauszufischen, sofern er den Unfall rechtzeitig sieht? Ganz so einfach ist das nicht, wie die Betreiberin eines Strandbades vor Bundesgericht erfahren musste.

Betreiberin trägt Verantwortung für Sicherheit der Anlage

Ein Badegast stiess beim Sprung am Seeboden auf und war seitdem vom fünften Halswirbel abwärts gelähmt. Der Bademeister hatte im Vorfeld geduldet, dass Badegäste wiederholt vom Badesteg in den See sprangen, obwohl die Stelle gefährlich und weder abgesperrt noch sonstwie markiert war. Das Bundesgericht erinnerte daran, dass das Seebad zweifellos auch für Kinder gedacht war. Bei diesen bestehe die Gefahr einer zweckwidrigen Nutzung, die im konkreten Fall offensichtlich zu schweren Schädigungen führen könne.

Die Seegemeinde als Werkeigentümerin haftete entsprechend, wenn sich der verunfallte erwachsene Badegast auch ein erhebliches Selbstverschulden anrechnen lassen und eine Kürzung des Schadenersatzes hinnehmen musste.

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30 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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ruedi62
23.05.2023 08:31registriert Juli 2022
"Bin ich in der Badi für mein Kind verantwortlich?" - Wer sich diese Frage stellt, sollte definitiv keine Kinder haben.
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Madison Pierce
23.05.2023 08:48registriert September 2015
Was ganz wichtig ist: Ertrinkende gehen lautlos unter, sie rufen nicht laut nach Hilfe oder winken mit den Armen wie im Film. Kleinkinder können auch bei Wassertiefen ertrinken, bei denen sie eigentlich stehen könnten. Sichtkontakt ist also unabdingbar. Wenn man nebenbei ein Buch lesen will, geht man auf den Spielplatz, nicht in die Badi.

Schwimmkurse für Kinder sind eine gute Sache. Sie gewöhnen schon Kleinkinder ans Wasser und lernen ihnen, sich selbst zu retten. Aber das Seepferdchen-Abzeichen ersetzt nicht die Aufsicht, genauso wenig wie die Schwimmflügel.
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MediumRare
23.05.2023 09:57registriert Oktober 2020
Natürlich bin ich nicht für mein Kind verantwortlich , wie auch die Erziehung müssen die Lehrer in der Schule übernehmen, wir Eltern haben ja keine Zeit für all das, unsere Karrieren sind viel wichtiger, das Leasing für den fetten SUV, die grosse Hütte, 4x Ferien im Jahr in ferne Länder, all das muss ja bezahlt sein, da liegt sich um die Kinder kümmern nicht auch noch drinn. Ist leider oft so, die Selbstverwirklichung steht vor den Kindern obwohl Kinder doch die Essenz des Lebens sind, ihnen sollte unsere volle Aufmerksam gelten, Erziehung, Liebe und Geborgenheit ist was sie brauchen.
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