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Olympia 2026

Olympia 2026: Deutschland steht vor historischem Debakel

Vinzenz Geiger, of Germany, on the ground, with teammate Johannes Rydzek, reacts after crossing the finish line in fifth place in the nordic combined team sprint at the 2026 Winter Olympics, in Tesero ...
Die jüngste deutsche Enttäuschung: Im Teambewerb der Nordischen Kombination wurden Vinzenz Geiger und Johannes Rydzek (o.) Fünfte.Bild: keystone

Ausser Eiskanal nichts gewesen – Deutschland steht vor Olympia-Debakel

Deutschland hat bei den Olympischen Spielen erst sechs Goldmedaillen geholt und steht damit vor einem historischen Debakel. Ausserhalb des Eiskanals gab es gar kaum etwas zu feiern. Da hat sogar ein ehemaliger Konkurrent Mitleid.
20.02.2026, 11:3820.02.2026, 15:11

In Deutschland ist Fussball natürlich Volkssport Nummer eins. Aber unser nördlicher Nachbar ist auch von Wintersport sehr begeistert: Biathlon, Skispringen, Langlauf, Eisschnelllauf und natürlich alles, was im Eiskanal stattfindet. Überall haben die Deutschen in der Vergangenheit grosse Erfolge gefeiert. Aber das ist es eben: Vergangenheit.

Bei den Olympischen Spielen 2026 in Mailand und Cortina steht Deutschland vor einem Debakel. Im Medaillenspiegel stehen kurz vor Ende der Winterspiele nur sechs Goldmedaillen zu Buche. Dazu kommen je acht Silber- und Bronzemedaillen. Für die stolze Wintersportnation, die den ewigen Medaillenspiegel noch vor Norwegen anführt, ist das eine grosse Enttäuschung.

Zwar gab es vor den Spielen in Norditalien offiziell kein konkretes Medaillenziel. «Eine Zielvorgabe haben wir gar nicht», sagte der deutsche Chef de Mission Olaf Tabor gemäss Welt, fügte aber an: «Wir sind eine Wintersportnation, wir wollen unter die ersten drei Nationen.» Zudem wolle man «von der Gesamtmedaillenanzahl wieder in den Bereich kommen, mit dem wir Peking verlassen haben». Vor vier Jahren holte Deutschland zwölf Mal Gold, zehn Mal Silber und fünf Mal Bronze.

Die fehlenden fünf Medaillen könnten am letzten Olympia-Wochenende zwar noch kommen, doch in Sachen Olympiasiegen dürfte auch am Sonntagabend noch eine Lücke zu den letzten Winterspielen klaffen. Im Zweierbob der Frauen und dem Viererbob der Männer sind die Deutschen zwar die grossen Favoriten, doch ansonsten ist es schwer vorstellbar, dass die Gesamtbilanz noch grossartig aufgehübscht wird. Weniger als neun Goldmedaillen gab es seit Wiedervereinigung noch nie.

«Die deutschen Enttäuschungen wachsen von Tag zu Tag.»
quelle: bild.de

Und Deutschland kann sich beim IOC bedanken, dass die Wettbewerbe im Eiskanal nicht nur unangetastet blieben, sondern mit dem Rodel-Doppelsitzer der Frauen sogar noch ein Wettbewerb hinzugekommen ist. Zieht man den Deutschen die Medaillen im Rodeln, im Bob und im Skeleton ab, wo sie einen deutlichen Materialvorteil haben, bleibt eine Bilanz von 1x Gold, 2x Silber und 3x Bronze übrig. Das wäre im Medaillenspiegel gleichbedeutend mit Platz 18.

epa12732343 Gold medalists Team Germany pose with their medals during the medal ceremony for the Team Relay of the Luge competitions at the Milano Cortina 2026 Winter Olympic Games, in Cortina d' ...
Das deutsche Rodelteam brillierte – und stand damit ziemlich alleine da. Bild: keystone

«Die deutschen Enttäuschungen wachsen von Tag zu Tag», steht deshalb in einer Kolumne bei der Bild. Der Autor schrieb, er erwarte zwar «keine Medaillen-Orgie. Aber bei der Grösse unseres Teams und den Millionen, die in den Spitzensport fliessen, wirkt die Ausbeute erschreckend mager.» Deutschland ist mit 86 Frauen und 99 Männer angereist – es ist die grösste Delegation bei Olympischen Winterspielen in der Geschichte des Landes.

Besonders schmerzen die ausbleibenden Erfolge im Biathlon, im Langlauf, der Nordischen Kombination oder auch im Eisschnelllauf, wo es einst regelmässig Medaillen gab. Im Skispringen gab es zwar überraschend Gold von der Normalschanze durch Philipp Raimund, aber ansonsten gehören die Deutschen auch dort nicht mehr zur Weltspitze. Im Biathlon gab es lediglich eine Bronzemedaille dank der Mixed-Staffel. Dass in den Massenstarts noch etwas hinzukommt, ist angesichts der aktuellen Form von Franziska Preuss und Co. eher unwahrscheinlich.

«Ich bin sehr enttäuscht von den Deutschen.»
Biathlon-Legende Johannes Thingnes Bö

Deshalb gibt es nun sogar Mitleid von der einstigen Konkurrenz. Der im letzten Jahr zurückgetretene Johannes Thingnes Bö sagte zu Sport1: «Es ist traurig zu sehen, dass Deutschland nur eine Bronze-Medaille gewonnen hat, weil es ein wichtiges Land für Biathlon ist.» Nirgends sei die Mischung aus Langlauf und Schiessen so populär wie dort, weshalb es wichtig sei, «Deutschland auf dem Podium zu haben». Sein Fazit nach neun von elf Entscheidungen? «Ich bin sehr enttäuscht von den Deutschen.»

Olympische Winterspiele 2026 in Mailand/Cortina - Italien Entt�uscht kauert Franziska Preu� SC Haag nach dem Zieleinlauf und Platz sieben hinter der Bande nach dem Biathlon Verfolger Frauen -Olympisch ...
Für die Biathletinnen um Franziska Preuss – immerhin Gesamtweltcupsiegerin – hagelte es Enttäuschungen.Bild: www.imago-images.de

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Deutschen viel Pech hatten. Elf vierte Plätze gab es bereits – und damit so viele wie für kein anderes Land. Es folgen Norwegen (neun), Gastgeber Italien und auch die Schweiz (je acht). Dazu kommen bittere Enttäuschungen wie jene von Lena Dürr, die im 2. Lauf des Slaloms beim ersten Tor einfädelte, oder der doppelte Sturz von Vinzenz Geiger im Teambewerb der Nordischen Kombination. Mit etwas mehr Glück hätte die Bilanz für Deutschlands «Pech- und Blechkönige», wie der Focus schreibt, also auch anders aussehen können.

Doch es bleibt der Eindruck, dass die historisch erfolgreichste Nation bei Olympischen Winterspielen in vielen Sportarten den Anschluss an die Weltspitze verliert. «Sie müssen in Deutschland irgendeine Art von Veränderung vornehmen, um zurück an die Spitze zu kommen», stellt Bö klar und meint damit Biathlon. Aber die Aussage scheint auch darüber hinaus gültig.

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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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egemek
20.02.2026 11:53registriert Mai 2016
Wenn man den Deutschen die Medaillen aus dem Eiskanal streicht, müsste man aber auch den Norwegern alles bon der Loipe, den Niederländern alles vom Eisschnelllauf und den Schweizern alles aus Bormio streichen.

Also kann man es auch gleich sein lassen. Jedes Land hat die gleichen „Probleme“.
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buddelflink
20.02.2026 12:02registriert März 2020
Mir ist der Medaillenspiegel völlig gleich. Jede Medaillenentscheidung steht für sich. Ich freue mich für die jeweiligen Sportler, aber welches Land am Ende die meisten Medaillen geholt hat, ist mir ehrlich gesagt Banane.
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Natürlich
20.02.2026 13:19registriert März 2016
Daniela Maier hat gerade Gold im Skicrosd geholt, nur so…
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