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Wenn einem schon in jungen Jahren das Leben aus den Händen tropft.  Bild: Kafi Freitag

FRAGFRAUFREITAG

FragFrauFreitag

Liebe Kafi, bis anhin habe ich nie eine für mich sehr wichtige Frage an jemanden gestellt, den ich nicht kenne. Normalerweise kann ich mich auch gut entscheiden. 



Nun jedoch schwanke ich schon viel zu lange hin und her zwischen der Banalität ob ich meine Freundin für zwei Wochen in Peru besuchen oder die Ferien hier mit meinem Freund verbringen soll. Alle beide liegen mir sehr am Herzen, beide freuen sich, wenn ich bei ihnen bin, und ich bin gerne bei beiden. 50:50 in allen Belangen. Einerseits vermisse ich meine Freundin, welche für sechs Monate in Südamerika ist und anderseits werde ich meinen Freund wahnsinnig vermissen, wenn ich zwei Wochen ohne ihn gehe. Ich habe ein schlechtes Gewissen ihn in einer Zeit grosser Umstrukturierung seines Arbeitsleben alleine zu lassen, halte es für egoistisch und möchte ihm nicht weh tun, weil auch er mich vermissen wird. Anderseits ist mir meine langjährige und nahe Freundschaft sehr wichtig. Ich möchte gerne mit meiner Freundin Gespräche über alles führen, ohne technisches Hilfsmittel, mir zeigen lassen wo und wie sie lebt und mit ihr was erleben. Irgendwie sind beide Optionen super, weswegen mir diese Frage belanglos vorkommt. Oje. Aber ich brauch Hilfe: Kannst du mir sagen, wie ich mein schlechtes Gewissen loswerde, wenn ich nun meinen Freund oder meine Freundin nicht sehe? Joelle, 25

Liebe Joelle 

Sie brauchen sich weder entschuldigen noch rechtfertigen, warum Sie mich um Antwort bitten, das tun viele, da sind Sie in bester Gesellschaft. Mit dem schlechten Gewissen übrigens auch, das kennt jede Frau. Es ist tatsächlich ein sehr weibliches Phänomen, das mit dem schlechten Gewissen. Und so stark verbreitet, dass meine Geschäftspartnerin und ich dafür sogar ein Seminar mit dem äusserst sinnigen Namen «Sicher nöd SORRY!» entwickelt haben. Wir Frauen tun sehr viele Dinge nicht, weil wir dann ein schlechtes Gewissen haben. Das kann nicht sein. Das darf nicht sein.

Mich interessiert hier aber weniger Ihr schlechtes Gewissen, sondern die Lage an sich. Sie belügen sich selber, nonstop. Merken Sie das wenigstens? Sie erzählen mir doch tatsächlich, dass das Hierbleiben mit dem Freund, den Sie nonstop um sich haben, die gleich gute Option ist, wie nach Südamerika fahren, Ihre Freundin zu besuchen. Das können Sie vielleicht sich selber erzählen, aber mir nicht.

Sie haben auf der einen Seite eine Situation, die Ihnen ein schlechtes Gewissen macht, weil Sie das Gefühl haben, die Verantwortung zu tragen für Ihren Freund und seine momentane Situation. Auf der anderen Seite haben Sie eine wichtige Freundin, die Sie ein halbes Jahr nicht sehen und die Sie besuchen könnten. Das ist doch beim besten Willen nicht das Gleiche und schon gar keine 50/50-Option!

Wenn es umgekehrt wäre und Ihre Freundin hier wäre und Ihr Freund in Südamerika, dann würden Sie keine Sekunde zögern, ihn für zwei Wochen zu besuchen. Stimmt's? Da sehen Sie es! Sie fühlen sich ihm verpflichtet, das hat mit Option nichts zu tun. Das ist ein Bemuttern, Sie benehmen sich ja wie sein Mami! Das hat mit Beziehung auf Augenhöhe nichts zu tun. 

Sie können jetzt schon hier bleiben und ihn in seiner Situation unterstützen. Aber wenn Sie überlegen, woran Sie in fünf oder zehn Jahren zurückdenken werden, dann ist das nichts, was bei Ihnen hängen bleiben wird. Ein Besuch bei Ihrer Freundin aber schon. Sie sind noch sehr jung und haben noch nicht die Erfahrung wie ich mit fast 40 Jahren. Aus dieser Distanz muss ich Ihnen ehrlich sagen, dass das alles Mumpitz ist. Ihr Freund wird es überleben, Sie zwei Wochen nicht zu sehen. An seiner Lage wird sich dadurch nullkommanichts verändern. An Ihrer aber schon! Sie besuchen Ihre Freundin, Sie besuchen ein fernes Land, Sie erleben was, was Ihnen hier entgeht. Im Leben geht es darum, was man tut, nicht darum, was man bleiben lässt! Wenn Sie hierbleiben, ist das kein Tun, das ist ein Bleibenlassen! 

Es sind zwei Wochen, gopf, ich würde es ja verstehen, wenn es zwei Monate wären. Aber so muss ich ehrlich sagen: No-brainer! Flug buchen, Koffer packen und weg mit Ihnen!

Ganz herzlich, Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.

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Sälber tschuld! 

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Bild: Kafi Freitag

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kyle C. 16.03.2015 22:09
    Highlight Highlight Ich finde die Antwort etwas zu sehr schwarz/weiss...quasi ödes zuhause vs. exotisches Peru = no brainer und Punkt. Wenn das Leben so einfach wäre...Ich teile den Tipp zu gehen, nicht aber die Art und Weise wie ihr das nahegelegt wird.
  • P hilip 16.03.2015 19:12
    Highlight Highlight Auf keinen Fall hierbleiben und dann mit so oberschlauen Sprüchen kommen wie: "In Südamerika wärs sicher toll gewesen" oder "In Südamerika wäre es jetzt sicher wärmer".
    Und so den Freund für Ihre falsche Entscheidung verantwortlich machen.

    Ok, ich kenne Sie ja nicht und vielleicht würden Sie das ja auch niemals tun... Aber wenn doch - ... x_X
  • Bruno Wüthrich 16.03.2015 17:25
    Highlight Highlight Joelle, wie können Sie denn Frau Freitag als jemanden bezeichnen, den Sie nicht kennen? Wer ihre ihre Ratschläge liest, kennt sie doch besser als mancheine/n, der/dem wir täglich begegnen.
    Könnte es sein, dass Ihr Freund etwas besitzergreifend ist. Der 14-tägige Besuch bei Ihrer Freundin in Südamerika müsste doch sonst seine Unterstützung finden, zumal er selbst ja gerade nicht abkömmlich zu sein scheint. Ihr Frauen seid schon bemerkenswerte und unergründliche Wesen. Macht euch ein schlechtes Gewissen, wo wirklich keines nötig ist. Aber dort, wo ihr eines haben solltet, fehlt es. :-)
  • Oma Wetterwachs 16.03.2015 16:41
    Highlight Highlight Liebe Kafi,
    wie immer eine herausragende Antwort.
    Ich schätze ihr Antworten sehr.
  • Pokerlady 16.03.2015 13:25
    Highlight Highlight Kann ich so nur bestätigen, liebe Joelle, ich flieg grad von einem wirklich tollen Weekend im Nordosten Europas zurück in die Schweiz, ganz ohne Freund, der sich aber auf mich freut, wenn ich heute Abend wieder zurück bin. Das schönste am Wegfliegen, ist (auch) das Zurückkommen! Freuen Sie sich auf Ihre Reise, geniessen Sie den Aufenthalt und freuen Sie sich einen Tag vor dem Rückflug wieder auf Ihren Freund. Das wird ein grossartiger Trip für Sie, geniessen Sie's!
  • dave1771 16.03.2015 13:11
    Highlight Highlight Gute Antwort!

Liebe Kafi. Des öfteren kommt es bei mir vor, dass ich Menschen gut leiden kann und ich mich gern mit ihnen unterhalten würde, jedoch schlichtweg nicht weiss, worüber. 

Liebe MelissaWenn Ihre These aufginge würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass Menschen, die immer was zu reden haben, per se interessant sind. Dem ist aber nicht so. Bei Weitem nicht. Wüki. Darum; vergessen Sie's gleich wieder!Dieses ewige Geplapper ist doch auch keine Lösung! Was wird da ohne Punkt und ohne Komma übers Wetter, über Politik und Stellwerksstörungen philosophiert. Interessieren tut das eigentlich niemanden, aber man hat sich angewöhnt, immer irgendeinen Text vor sich …

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