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Musik an. Tanzen. Jetzt!   Bild:kafi freitag

FragFrauFreitag

Grüezi, Frau Freitag. Meine Freundin sagt, Sie wüssten alles. Mal schauen, ob das stimmt: Ich leide seit einigen Wochen an einer chronisch schlechten Laune. 



Ich kann mich für nichts motivieren, könnte eigentlich immer heulen. Im Moment läuft alles schief, mein Leben dreht sich im Kreis und ich komme nicht vom Fleck. Alles ist trüb und schwer. Habe mich auf Depression abklären lassen, aber das ist es leider nicht (leider, weil ich dann wenigstens was hätte dagegen nehmen können). Was soll ich noch tun, damit es besser wird? Wissen Sie wirklich eine Antwort, auch für mein Problem? Sabina, 28

Liebe Sabina

Da hat Ihre Freundin natürlich schon recht, das muss ich bei aller Bescheidenheit zugegeben, bitte grüssen Sie sie ganz lieb von mir. In den letzten 4 Jahren habe ich 602 Fragen beantwortet und immer ist mir was eingefallen, da wäre es doch gelacht, wenn mir bei Ihnen nichts einfallen würde.

Sie hätten also lieber eine diagnostizierte Depression gehabt, der Sie mit ein paar bunten Pillen zu Leibe hätten rücken können? Das verstehe ich im Fall! Ich weiss auch lieber, woran dass ich bin, als im Trüben zu dümpeln und jeden Chabis auszuprobieren. Dennoch sollten Sie eigentlich glücklich über diesen Befund sein. Respektive über diesen Nichtbefund. Eine Depression ist kein Kindergeburtstag und die Medis, die man dagegen einsetzt, sind auch nicht ohne. Und irgendwann muss man diese dann auch wieder absetzen und auch das: nicht lustig. Lassen Sie mich doch mal 3 Vorschläge machen, die sich leicht umsetzen lassen und die in aller Regel sehr gut funktionieren.

1. Licht. Der Herbst ist da und damit weniger Sonnenlicht, als im Sommer. Der Körper reagiert darauf gerne mit Entzugserscheinungen. Da ist es wichtig, dass man trotzdem rausgeht und die Nase bei jeder sich bietenden Gelegenheit Richtung Sonne reckt. Wenn das nicht reicht, können Sie eine Lichttherapie-Lampe mieten, vor die Sie sich jeden Tag ein paar Minuten setzen. Die Kasse übernimmt das zu einem Teil und es nützt tatsächlich kleine Wunder.

2. Eisen. Darüber habe ich schon oft und ausführlich geschrieben. Für meinen unermüdlichen Einsatz im Namen der Eisenindustrie gehört mir eigentlich ein Orden verliehen. Oder zumindest den Titel einer Eisensonderbeauftragten. Ich bin nämlich überzeugt davon, dass die Hälfte der depressiven Verstimmungen auf einen Eisenmangel zurückzuführen sind. Hier lesen Sie darüber mehr.

3. Tanzen. Setzen Sie sich mal ins Kino und schauen Sie sich einen Komödie an. Und nun stellen Sie sich vor, der Streifen wäre nicht mit Musik unterlegt. Die Sache wäre weitaus weniger fröhlich, leicht und locker-flockig als mit. Musik hat eine unbändige Kraft, wenn es darum geht, uns zu mobilisieren. Nutzen Sie diese Tatsache und verpassen Sie Ihrem Leben einen Soundtrack! Machen Sie eine Liste der Songs, die Sie in Bewegung bringen, und tanzen Sie dazu. Ich werde ja für meine Tanzaufforderungen des öfteren belächelt. Aber gopf, was soll ich machen, ES FUNKTIONIERT! Und nur weil es einfach ist, ist es darum noch lange nicht wirkungslos. Im Gegenteil. Ich habe mir angewöhnt, jeden morgen ein paar Minuten durch meine Wohnung zu tanzen, meine Nachbarn haben sich inzwischen dran gewöhnt. Wenn wir tanzen, dann kommt unsere Energie wieder in Schwung und alles Blockierte kann sich langsam aber sicher lösen. Sie können dazu auch noch singen, denn auch das hat eine fantastische Wirkung auf unsere Gemütslage. Probieren Sie es doch einfach aus! Sie werden sehen, es wirkt.

Und dann noch etwas aus meinem Nähkästchen geplaudert. Das Leben ist nicht immer lieb zu uns. Manchmal ist es einfach scheissgemein und kotzt uns in den Tag wie ein Kleinkind mit zünftiger Magendarmgrippe. Das gehört leider auch dazu, liebe Sabina. Nur wer sich auch mit diesen Phasen seines Lebens in einen friedvollen Zustand begibt, ist auch für die anderen richtig parat. Es gibt nun mal kein Hell ohne Dunkel. Wenn man das erst einmal begriffen hat, kann man das Leben mit allen Höhen und Tiefen akzeptieren und wirklich leben.

In diesem Sinne: Aufstehen. Musik an. Tanzen!

Ganz herzlich. Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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Bild: Kafi Freitag

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