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Bild: Kafi Freitag: Was nützt schon der schönste Sonnenuntergang, wenn man ihn nicht auf Facebook teilen kann?

FRAGFRAUFREITAG

FragFrauFreitag

Hallo :) Facebook macht mich manchmal unglücklich. Ich vergleiche mein Leben mit den Leben meiner 624 «Freunde», und stelle fest, dass sie Partys feiern, reisen, immer Spass haben etc. 

Wenn ich etwas poste, das in der nächsten halben Stunde keine Likes hat, lösche ich es wieder. Und wenn ich einen Freund weniger habe, muss ich herausfinden, wer mich gelöscht hat... Jetzt habe ich mein Facebook-Konto deaktiviert. Aber irgendwie fehlt mir etwas, ich habe das Gefühl, etwas zu verpassen. Soll ich meinen Facebook-Account wieder aktivieren? Lisa, 23



Liebe Lisa 

Ich bin der Meinung, dass eine Party, Reise, etc. so spannend nicht sein kann, wenn man dazu kommt, alle fünf Minuten darüber zu posten. Manche Menschen machen mir sogar den Eindruck, dass sie nur deswegen unterwegs sind, dass sie es mit ihren FB-«Freunden» teilen können. Was nicht geteilt wird, findet ergo nicht statt. Dabei ist eigentlich genau das Gegenteil der Fall. Oder sehen Sie sich doch mal selber um: Ist es eigentlich nicht traurig, dass es viele Leute gar nicht mehr aushalten, irgendwo hinzufahren und dann vollkommen dort zu sein? Stattdessen hängen sie ganze Zeit im virtuellen Raum zwischen FB und der tatsächlichen Destination fest, weder ganz hier noch ganz dort. Wenn ich ehrlich bin, dann berührt es mich eher etwas peinlich, wenn ich Menschen zusehen muss, die für jedes Fürzli Likes abholen müssen, um sich sicher zu sein, tatsächlich existent zu sein.

Vergessen Sie Facebook. Es ist während der letzten drei Jahre furchtbar langweilig geworden. Anstatt eigener Gedanken werden nur noch vorgekaute Artikel und YouTube-Katzenfilmli verlinkt. Was ist daran bitte sehr spannend? Ich habe das Interesse an der Plattform vor einiger Zeit schon verloren und lese kaum noch, was andere schreiben. Dieses ständige Egogewixe ist doch schrecklich langweilig, oder finden Sie nicht? In meiner Branche ist man leider etwas an Facebook und Twitter gekettet, da sich auf diesem Wege Texte promoten lassen, wie es sonst nicht möglich ist. Ansonsten wäre ich längstens schon weg.

Und übrigens: Wenn Sie über Nacht einen Freund weniger haben, muss das überhaupt nicht bedeuten, dass man Sie entfreundet hat. Kann grad so gut sein, dass sich jemand aus FB verabschiedet hat. Nehmen Sie das Ganze nicht so ernst. Das ist es wirklich nicht wert.

Und dass Ihnen etwas fehlt, bedeutet nicht, dass Ihnen etwas fehlt. FB macht süchtig, so wie rauchen oder gamen auch. Diese Entzugserscheinungen vergehen, versprochen. 

Mit liebem Gruss. Ihre Kafi. 

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltags-Fragen ihrer Leserschaft. Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.freitagcoaching.ch) und verkauft mit viel Herzblut Hochzeitskleider. Sie ist verheiratet und Mutter eines neunjährigen Sohnes, wohnt mitten im Zürcher Kreis 4 und versucht, ihren Alltag so vernünftig wie nötig und amüsant wie möglich zu leben. 

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Bild:Kafi Freitag

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1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Wally Malone 18.03.2014 18:51
    Highlight Highlight Ha! Ich hätte es nicht besser resp. anders beschreiben können! Die Krönung sind die, nach höchster Kunst der photographischen Masturbation erstellten, Selfies. Aber am Besten geht es doch einem, wenn man den himmelhoch jauchzenden Eintrag von Person XY liest, wohl wissend (als eine/r der wenigen), dass es XY alles andere als jupdidui geht. Die Frage: Wen wollen diese Personen täuschen? Die anderen? Sich selber? So nach dem Motto: Finden andere mein Leben toll und sind vielleicht sogar neidisch darauf, dann muss es ja toll sein!!! Hört auf für andere zu leben und beginnt, mit offenen Augen durch unsere wunderbare Welt zu wandeln.

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