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Ob ich die beiden um eine Einwilligung fürs Bild gefragt habe? Eher nein. Bild:

FRAGFRAUFREITAG

FragFrauFreitag

Liebe Kafi, mich nimmt Deine gefächerte Meinung zu folgender Geschichte wunder. Letzte Woche war ich als Besucher an einer Modeschau. 



Ich kannte die Mitwirkenden über eines der beliebten Business-Netzwerke und freute mich schurig alle zu sehen. Als die Gründerin des Netzwerkes kurz vorbeikam, waren alle ausser sich. Schenkten der Dame Hochknicks in Worten, zückten die Handys. Gruppenfotos mit dem selbsternannten VIP mussten her. Ich stanz zufällig in dieser Ecke und wurde an der Schulter herbeigezogen. Diese Handy-Bilder gelangten unverzüglich auf Facebook, der virale Verteilweg unaufhaltsam. Mich hat das so geärgert. Ich sah schrecklich verkatert aus auf dem Bild (die Nacht zuvor war toll). Es war schrecklich zu sehen, dass diese Aufnahme nun dem ganzen Business-Netzwerk via Facebook offen steht und zigfach geteilt wurde von allen Mitwirkenden. Das könnten auch meine nächsten Kunden sein. Als ich das virtuelle Sharing stoppen wollte, wurde mir nur gesagt: "Das macht doch nichts, wir wissen ja, dass Du ein toller Mensch bist". (Da frage ich mich, wieso duschen wir denn am Morgen, wenn doch alle wissen dass wir toll sind?) Wird generell bei Handy-Ablichtungen das copy-share-right with the whole world vorausgesetzt? Bin ich zu altmodisch in meinem beruflichen Umgang, weil es mir wertvoll ich Zustimmungen einzuholen? Setzt der Anstand aus und darf er das, wenn es um die Image-Politur im Glashaus Facebook geht?
Herzlichst, Sonja, 44

Liebe Sonja 

Herzlichsten Dank für Ihre grossartige Frage! Ich mag Fragen, die sich mit Umgangsformen im Bezug auf neue Technologien auseinandersetzen, schampar gern. Weil es noch kein Richtig und kein Falsch gibt und wir uns alle erst an mögliche Regeln herantasten.

Ihre Frage hat verschiedene sehr spannende Aspekte. (Der Punkt, ob man zweimal nacheinander ausgehen sollte, werde ich dabei gerne vernachlässigen.) Sehr interessant ist zum Beispiel, dass der Umgang mit der Fotografie im öffentlichen Raum extrem vom Gerät abhängt, mit der man das Bild macht. Ich erlebe das immer wieder, wenn ich für tribute.ch mit meiner Vollformat Spiegelreflexkamera unterwegs bin. Wenn ich damit ein Bild schiesse wo bewusst oder unbewusst mir unbekannte Menschen abgebildet sind, dann komme ich sehr oft in die Situation, dass ich nach dem Verwendungszweck gefragt werde. Oder ihn sogar unaufgefordert und proaktiv anspreche, weil ich spüre, dass die Frage im Raum steht. Wenn ich aber mit meinem Handy querfeldein knipse, interessiert das meistens keine Sau. Und dabei resultieren aus beiden Aktivitäten Bilder und bei den modernen Handys ist die Auflösung beinahe so gut, wie wenn ich ein Foto mit meiner Kamera mache.

Es scheint demnach niederschwelliger zu sein, sich von einem Handy abbilden zu lassen, als von einer "richtigen" Kamera. Und niederschwelliger ist auch der Transfer des Bildes vom Handy auf ein soziales Netzwerk, wie zum Beispiel Facebook, als wenn ich zu Hause die Bilder auf meinen Computer importieren und danach wieder hochladen muss.

Und damit will ich nur aufzeigen, wie die Handhabung mit den diversen Geräten läuft. Richtig finde ich es deswegen noch lange nicht. Auch mich stimmt es nachdenklich, wenn ich mit dem Verlassen meines Daheims und dem Gang in den öffentlichen Raum jederzeit online verfolgbar werde. Wenn es mich auch weniger stresst, weil ich fast nie zweimal hintereinander ausgehe und darum immer formidabel aussehe. (Wenn dieser Satz bei meinem Bloggergschpändli "Der Enthüller" stehen würde, stünde hier auch eine Erklärung, dass es sich beim ­vorgängigen Satz um einen Witz, resp. um Ironie gehandelt hat. ICH traue meinen Lesern aber zu, dass sie schlau genug sind, das selber zu merken.)

Ich denke, dass es sehr wohl Sinn macht, sich mit diesen Abläufen bewusst auseinanderzusetzen. Sie zu verändern ist allerdings nicht sehr einfach. Das merke ich auch im Bezug auf Handys, die jetzt immerhin schon über 20 Jahre auf dem Markt sind und wofür sich noch keine klaren Benimmregeln drum herum gebildet haben. Die Erschaffung von neuen Möglichkeiten bedeutet in diesem Sinne auch immer die Erschaffung von neuen Risiken. Mit diesen umgehen muss jeder für sich selber. Und das würde ich auch Ihnen raten.

Wenn Sie ausgehen, aber am nächsten Tag keinen Fotobeweis auf FB sehen möchten, dann liegt es an Ihnen, sich nicht vor eine Kamera zu begeben. Sie können nun dagegen halten, dass man Sie fragen sollte, ob man das Bild online stellen darf, oder nicht. Aber bei allem Respekt, so oft wird man nun auch wieder nicht fotografiert, ohne dass man darauf einwirken könnte, oder? Und wenn mal ein etwas unvorteilhaftes Bild von einem kursiert, nimmt man das am besten auch gelassen. Solange man Sie nicht halb nackt auf einem Tresen tanzen sieht, dürfte ein Foto mit Augenringen keinen ernsthaften Nachteil für Ihren beruflichen Erfolg bedeuten. Ausser natürlich Sie arbeiten für eine Dauerwerbesendung im Fernsehen, die uns eine Creme aufschwatzen will, die sämtliche Falten in nur 7 Minuten gänzlich aus unserem Gesicht radiert.

Soviel zu Ihrer Frage bezüglich dem Foti-sofort-auf-FB-Knigge. Zu Ihrem Gezicke gegenüber der Gründerin des Netzwerks (was doch immerhin etwa 50% der Frage einnimmt) werde ich mich nicht weiter äussern. Ich nehme an, dass es Ihnen reicht, dass die betroffene Person mitliest.

 Mit bestem Gruss. Ihre Kafi.

Fragen an Frau Freitag? ​ 

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines neunjährigen Sohnes.

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Bild: Kafi Freitag

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