Plastik, ja, aber nicht so
Laut den im vergangenen Sommer vom Bundesamt für Umwelt veröffentlichten Informationen verwenden die Schweizerinnen und Schweizer jedes Jahr rund 1'000'000 Tonnen Plastik. Davon gelangen etwa 14'000 Tonnen in die Umwelt: in Böden, Gewässer, Seen, Sedimente, die Luft – und sogar in den Verdauungstrakt von Lebewesen (Fische, Vögel und Säugetiere). Der Grossteil dieser 14'000 Tonnen stammt aus dem Abrieb von Reifen sowie aus Littering.
Röstibrücke
Jeden Sonntag lädt watson Persönlichkeiten aus der Romandie ein, um aktuelle Ereignisse zu kommentieren oder ein Thema ins Licht zu rücken, das sonst zu wenig Beachtung findet.
Mit dabei: Nicolas Feuz (Schriftsteller), Anne Challandes (Schweizer Bauernverband), Roger Nordmann (Berater, ehem. SP-Nationalrat), Damien Cottier (FDP), Céline Weber (GLP), Karin Perraudin (Groupe Mutuel, ehem. CVP), Samuel Bendahan (SP) und die QoQa-Otte.
Muss man sich über dieses allgegenwärtige Plastik Sorgen machen – in einer sauberen, ordentlichen Schweiz? Die Antwort ist klar: Ja. Allerdings sollte man darauf achten, nicht alle Kunststoffe über einen Kamm zu scheren. Ganz auf Plastik zu verzichten, ist heute nicht realistisch. Das Material mit den vielfältigen Eigenschaften hat seinen festen Platz – sei es in Fahrradhelmen, in Haushaltsgeräten oder als elektrische Isolierung, um nur einige Beispiele zu nennen.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Ein Material zu finden, das die gleichen Eigenschaften besitzt und zugleich keine Umweltbelastung verursacht, ist alles andere als einfach – zumindest nicht kurzfristig. Zahlreiche Forschungslabore befassen sich mit diesem Thema, teils mit vielversprechenden Ergebnissen. Diese müssen aber erst noch den Weg in die Massenproduktion finden.
Man kann sich jedoch fragen, warum beispielsweise in der Humanmedizin immer mehr Einweginstrumente aus Plastik verwendet werden (etwa Zangen), während noch vor wenigen Jahren dieselben Instrumente aus Metall bestanden und sterilisiert sowie wiederverwendet wurden.
In der Tiermedizin hingegen werden nach wie vor weitgehend Metallinstrumente eingesetzt, ohne dass es zu einem Anstieg von Infektionen bei Tieren kommt. Einweginstrumente aus Plastik sind langfristig teurer als ihre wiederverwendbaren Pendants aus Metall. Es gäbe also nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein wirtschaftliches Argument zugunsten von Metallinstrumenten.
Es sind vor allem kurzlebige Kunststoffe – wie Verpackungen, Einweggeschirr oder billiges, minderwertiges Spielzeug (das zudem gefährlich ist, weil es beim Kauen durch Kleinkinder Stoffe freisetzt) –, die am häufigsten in der Umwelt landen (oder im Magen der Kühe). Da diese Kunststoffe nicht biologisch abbaubar sind, nimmt ihre Menge in der Umwelt stetig zu. Genau darin liegt das Problem.
Und über die Umweltprobleme hinaus gibt es bei gewissen Kunststoffen auch Herausforderungen beim Recycling – insbesondere bei solchen, die uns regelrecht aufgedrängt werden und oft ärgerlich sind, wie etwa die Plastikfolien um Magazine.
Zwar entfernen die meisten Konsumentinnen und Konsumenten die Folie – selbst dann, wenn sie das Magazin gar nicht bestellt haben – bevor sie es ins Altpapier geben. Dennoch landen in Papier-Recycling-Anlagen zahlreiche noch verpackte Magazine. Das erschwert das Recycling und erfordert teure Sortiermaschinen, wodurch die Recyclingkette unnötig verteuert wird.
Kurz gesagt: Plastik ja, aber nicht überall. Und auch wenn Akteurinnen und Akteure aus der Politik – mich eingeschlossen – versuchen, ihren Beitrag im Kampf gegen unnötiges Plastik zu leisten, lässt sich nicht alles mit Gesetzen und Verordnungen lösen. Nur Hand in Hand mit der Zivilgesellschaft können wir dem Kunststoff wieder zu seinem angemessenen Stellenwert verhelfen – indem wir ihn dort einsetzen, wo es sinnvoll ist, und ihn überall sonst vermeiden.
