Wissen
Schweiz

PFAS-Chemikalien lösen sich aus Plüschtieren wenn Kinder darauf kauen.

Plueschtiere im neuen Manor Store waehrend der offiziellen Eroeffnung, am Donnerstag, 25. April 2019 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Ab 2030 sollen keine PFAS-belasteten Kuscheltiere mehr gekauft werden können. Bild: KEYSTONE

PFAS im Teddybär – viel Chemie, wenig Gewissheit

Eine kürzlich durchgeführte Studie an der Uni Lausanne untersuchte, wie viele Ewigkeitschemikalien sich aus Plüschtieren lösen, wenn Kinder auf diesen herumkauen. Die Resultate offenbarten dabei Lücken in der Forschung und Regulierung der Substanzen.
23.03.2026, 17:5023.03.2026, 17:50
Julien Felber

Jede und jeder von uns kann sich wahrscheinlich noch an sein Lieblingskuscheltier aus der Kindheit erinnern. Bei manchen hat das Stofftier noch im Erwachsenenalter einen Platz im Bett, auf der Kommode oder zumindest in einer Kiste auf dem Dachboden. Dass die treuen Begleiter jedoch auch vollgepackt mit gesundheitsgefährdenden Chemikalien sein können, haben Labortests in den letzten Jahren immer wieder erwiesen.

Die Absolventin der Universität Lausanne, Léa Nowak untersuchte im Zuge ihrer Masterarbeit nun 18 Kuscheltiere spezifisch darauf, welche Stoffe diese freigeben, wenn Kinder sie in den Mund nehmen und darauf kauen. In Zusammenarbeit mit einem privaten Labor und dem Westschweizer Konsumentenschutz (FRC) fanden die Forschenden heraus, dass die getesteten Plüschtiere im Schnitt 25 verschiedene PFAS-Chemikalien freigeben und sprachen bei einem Drittel von besorgniserregenden Konzentrationen. Bei PFAS handelt es sich um sogenannte Ewigkeitschemikalien, also Stoffe, die in der Umwelt wie auch im Körper über Jahre bis Jahrzehnte bestehen bleiben und nur schwer abgebaut werden können.

Das Testverfahren der Uni Lausanne:
Um möglichst reale Bedingungen zu simulieren, achteten die Forschenden im Test auf kleinste Details. So wurden der pH-Wert des Speichels, die Temperatur im Mund wie auch die exakten Kaubewegungen von Kinderzähnen im Modell der Universität Lausanne imitiert.

Grenzwerte bei vier von Tausenden PFAS-Arten

Wie gesundheitsgefährdend die im Test in hohen Mengen nachgewiesenen Stoffe für Kinder sind, lässt sich nur schwer vorhersagen, da es bei den meisten PFAS keine Grenzwerte gibt. Die Leiterin der Studie, Léa Nowak, sagt dazu gegenüber dem Westschweizer Fernsehen RTS: «Wir können nichts vergleichen, wofür es keine Zahlen gibt.»

Aktuell bestehen für lediglich vier PFAS-Chemikalien rechtlich bindende Höchstwerte für Hersteller. Die OECD spricht jedoch von über 10'000 verschiedenen PFAS-Arten, welche in Produkten aller Art gefunden werden können. Die Auswirkungen dieser Stoffe auf den menschlichen Körper sind ebenfalls noch wenig erforscht, frühere Studien zeigen jedoch, dass Kinder mit einer erhöhten PFAS-Belastung weniger Antikörper bilden und somit schwächer auf Impfungen reagieren.

Bund verzichtet auf Langzeitstudie

Insbesondere fehlen Daten, die etwas über die langfristigen Auswirkungen der Chemikalien auf den menschlichen Organismus aussagen. Für Erkenntnisse hätte eine Langzeitstudie des Bundesamts für Gesundheit (BAG) sorgen sollen, die über einen Zeitraum von 20 Jahren 100'000 Freiwillige regelmässigen Blut- und Urintests unterzogen hätte.

Nachdem die Pilotstudie dazu bereits herausfand, dass bei 100 Prozent der 768 getesteten Probandinnen und Probanden PFAS im Blut gefunden wurden, fiel die Langzeitstudie dann im letzten Sommer dem Sparhammer des Bundes zum Opfer. Aufgrund der hohen Kosten (rund zehn bis zwölf Millionen Franken) gab der Bundesrat in einer Stellungnahme auf eine Interpellation bekannt, das Projekt aktuell nicht weiterzuverfolgen.

Eine eingereichte Petition fordert die Wiederaufnahme der Gesundheitsstudie des BAG.
Eine eingereichte Petition fordert die Wiederaufnahme der Gesundheitsstudie des BAG.Bild: screenshot campax

Die Stiftung für Konsumentenschutz spricht in einer Medienmitteilung von einer kurzfristigen Logik: So würden die langfristigen Gesundheitskosten wie auch die Kosten für die Entkontaminierung von verseuchten Gewässern und Böden weitaus teurer ausfallen, wenn keine frühzeitigen Schritte eingeleitet würden. Zusammen mit der NGO Campax hat der Konsumentenschutz letzte Woche eine Petition mit rund 16'000 Unterschriften eingereicht, welche fordert, die PFAS-Langzeitstudie wieder aufzunehmen.

PFAS-Verbot in Spielzeugen ab 2030

Was Plüschtiere betrifft, rät Murielle Bochud, Professorin für öffentliche Gesundheit an der Universität Lausanne, gegenüber dem SRF, diese vor dem ersten Gebrauch zu waschen. Für einen verbesserten Schutz soll langfristig eine im letzten Jahr verabschiedete EU-Verordnung sorgen, welche die Schweiz übernehmen will. Diese untersagt ab dem Jahr 2030 den Verkauf von Spielzeug, in welchem PFAS nachgewiesen werden können.

Da keines der getesteten Plüschtiere die erlaubten Grenzwerte der vier PFAS-Arten überschritt, für die Grenzwerte bestehen, bleiben die meisten im Handel erhältlich. Lediglich Temu und Galaxus nahmen ihre Produkte aufgrund der Ergebnisse aus dem Angebot. Zwölf Kuscheltiere wiesen lediglich eine geringfügige Menge an PFAS auf, die Forschenden beurteilten diese als genügend und ergänzten: «Wir halten sie nicht für gut, da unserer Meinung nach nur PFAS-freie Stofftiere diese Bezeichnung verdienen.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Uraltes Virus aus dem sibirischen Permafrostboden
1 / 10
Uraltes Virus aus dem sibirischen Permafrostboden
Permafrostboden in Sibirien – hier unter anderem nahmen die Wissenschaftler Proben, die uralte Viren enthielten.
quelle: jean-michel claverie/igs/cnrs-am
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Unkraut vernichten mit Leitungswasser statt Chemie
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
5 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
5
Antibiotika können Langzeitschäden im Darm hinterlassen
Antibiotikaresistenz ist nicht die einzige Folge des Medikaments. Eine neue Studie zeigt: Antibiotika können die Darmflora deutlich länger schädigen als bisher angenommen. Die Auswirkungen hängen stark vom Wirkstoff ab.
Antibiotika retten Leben, doch ihr Einsatz ist nicht ohne Folgen. Eine neue Studie zeigt erstmals: Schon eine einzige Behandlung kann die Darmflora bis zu acht Jahre lang verändern. Denn das Medikament tötet nicht nur die bösen, sondern auch die guten Bakterien im Darm.
Zur Story