PFAS im Teddybär – viel Chemie, wenig Gewissheit
Jede und jeder von uns kann sich wahrscheinlich noch an sein Lieblingskuscheltier aus der Kindheit erinnern. Bei manchen hat das Stofftier noch im Erwachsenenalter einen Platz im Bett, auf der Kommode oder zumindest in einer Kiste auf dem Dachboden. Dass die treuen Begleiter jedoch auch vollgepackt mit gesundheitsgefährdenden Chemikalien sein können, haben Labortests in den letzten Jahren immer wieder erwiesen.
Die Absolventin der Universität Lausanne, Léa Nowak untersuchte im Zuge ihrer Masterarbeit nun 18 Kuscheltiere spezifisch darauf, welche Stoffe diese freigeben, wenn Kinder sie in den Mund nehmen und darauf kauen. In Zusammenarbeit mit einem privaten Labor und dem Westschweizer Konsumentenschutz (FRC) fanden die Forschenden heraus, dass die getesteten Plüschtiere im Schnitt 25 verschiedene PFAS-Chemikalien freigeben und sprachen bei einem Drittel von besorgniserregenden Konzentrationen. Bei PFAS handelt es sich um sogenannte Ewigkeitschemikalien, also Stoffe, die in der Umwelt wie auch im Körper über Jahre bis Jahrzehnte bestehen bleiben und nur schwer abgebaut werden können.
Grenzwerte bei vier von Tausenden PFAS-Arten
Wie gesundheitsgefährdend die im Test in hohen Mengen nachgewiesenen Stoffe für Kinder sind, lässt sich nur schwer vorhersagen, da es bei den meisten PFAS keine Grenzwerte gibt. Die Leiterin der Studie, Léa Nowak, sagt dazu gegenüber dem Westschweizer Fernsehen RTS: «Wir können nichts vergleichen, wofür es keine Zahlen gibt.»
Aktuell bestehen für lediglich vier PFAS-Chemikalien rechtlich bindende Höchstwerte für Hersteller. Die OECD spricht jedoch von über 10'000 verschiedenen PFAS-Arten, welche in Produkten aller Art gefunden werden können. Die Auswirkungen dieser Stoffe auf den menschlichen Körper sind ebenfalls noch wenig erforscht, frühere Studien zeigen jedoch, dass Kinder mit einer erhöhten PFAS-Belastung weniger Antikörper bilden und somit schwächer auf Impfungen reagieren.
Bund verzichtet auf Langzeitstudie
Insbesondere fehlen Daten, die etwas über die langfristigen Auswirkungen der Chemikalien auf den menschlichen Organismus aussagen. Für Erkenntnisse hätte eine Langzeitstudie des Bundesamts für Gesundheit (BAG) sorgen sollen, die über einen Zeitraum von 20 Jahren 100'000 Freiwillige regelmässigen Blut- und Urintests unterzogen hätte.
Nachdem die Pilotstudie dazu bereits herausfand, dass bei 100 Prozent der 768 getesteten Probandinnen und Probanden PFAS im Blut gefunden wurden, fiel die Langzeitstudie dann im letzten Sommer dem Sparhammer des Bundes zum Opfer. Aufgrund der hohen Kosten (rund zehn bis zwölf Millionen Franken) gab der Bundesrat in einer Stellungnahme auf eine Interpellation bekannt, das Projekt aktuell nicht weiterzuverfolgen.
Die Stiftung für Konsumentenschutz spricht in einer Medienmitteilung von einer kurzfristigen Logik: So würden die langfristigen Gesundheitskosten wie auch die Kosten für die Entkontaminierung von verseuchten Gewässern und Böden weitaus teurer ausfallen, wenn keine frühzeitigen Schritte eingeleitet würden. Zusammen mit der NGO Campax hat der Konsumentenschutz letzte Woche eine Petition mit rund 16'000 Unterschriften eingereicht, welche fordert, die PFAS-Langzeitstudie wieder aufzunehmen.
PFAS-Verbot in Spielzeugen ab 2030
Was Plüschtiere betrifft, rät Murielle Bochud, Professorin für öffentliche Gesundheit an der Universität Lausanne, gegenüber dem SRF, diese vor dem ersten Gebrauch zu waschen. Für einen verbesserten Schutz soll langfristig eine im letzten Jahr verabschiedete EU-Verordnung sorgen, welche die Schweiz übernehmen will. Diese untersagt ab dem Jahr 2030 den Verkauf von Spielzeug, in welchem PFAS nachgewiesen werden können.
Da keines der getesteten Plüschtiere die erlaubten Grenzwerte der vier PFAS-Arten überschritt, für die Grenzwerte bestehen, bleiben die meisten im Handel erhältlich. Lediglich Temu und Galaxus nahmen ihre Produkte aufgrund der Ergebnisse aus dem Angebot. Zwölf Kuscheltiere wiesen lediglich eine geringfügige Menge an PFAS auf, die Forschenden beurteilten diese als genügend und ergänzten: «Wir halten sie nicht für gut, da unserer Meinung nach nur PFAS-freie Stofftiere diese Bezeichnung verdienen.»
