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Electro Arrabbiata: Wir haben den Abarth 500e getestet

Abarth 500e
Sportlicher Look in knalligen Farben: mit im Abarth-Rezept für den 500e.Image: Abarth
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Electro Arrabbiata: Wir haben den Abarth 500e getestet

Wie sein Benzinerbruder kommt nun auch der Fiat 500e zu seinem Recht auf eine Sportversion aus dem Hause Abarth. Demonstrativer Look, präzises Fahrwerk, höhere Leistung, alles ist da – einschliesslich Sound!
27.06.2023, 08:03
Jerome Marchon
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Seit seinem Revival im Jahr 2007 sind alle Evolutionen des Fiat 500 vom Abarth-Skorpion geprägt. Da ist es nur logisch, dass nun auch das 2020 lancierte vollelektrische Modell des «Joghurtbechers» seine Dosis sportliches Skorpiongift abbekommt. Ganz zu schweigen davon, dass der elektronenverwöhnte, kleine, sportliche Italiener ein Pionier des elektrischen GTI von morgen ist. Er präsentiert sich selbstbewusster als der Honda e und der Mini Electric, während der Smart #1 und der ungestüme Alpine A290 auf der Basis des künftigen elektrischen Renault 5 noch in den Startlöchern stehen.

Ein Rezept, das immer ins Schwarze trifft

Beim 500e wartet Abarth mit demselben Rezept auf wie bei seinen Verbrenner-Kollegen. Ein Look mit markanten Stossfängern, grossen Felgen mit leuchtendem Skorpion-Emblem und knalligen Farben.

Abarth 500e
Neben den Farben Venom-Schwarz, Acid-Grün und Poison-Blau stehen auch noch Antidote-Weiss und Adrenaline-Rot zur Auswahl.Image: Abarth

Während die Batterie mit der des Fiat 500e identisch ist (42 kWh mit 37,3 kWh Nutzkapazität), kommt der Motor des Abarth 500e auf 155 PS und 235 Nm im Vergleich zu 118 PS/220 Nm beim bürgerlichen 500e. Das Fahrwerk kommt mit festeren Federn und Stossdämpfern und hinteren Scheibenbremsen daher. Ein durchaus verlockendes Menü, allerdings macht uns das enorme Gewicht unseres Jungspunds von 1385 kg (davon 295 kg Batterie) dann doch etwas skeptisch …

Besserer Sound

Carlo Abarth hat seine Legende nicht nur auf der Leistung seiner Motoren aufgebaut, sondern auch auf seinen gelinde gesagt geräuschvollen Auspuffen. Wie zum Teufel hat es der Skorpion geschafft, dieses Manko am 500e zu beseitigen? Mit einem Sound-Generator, der den Sound des Vierzylinders über einen grossen Lautsprecher reproduziert, der hinter dem hinteren Stossfänger des Autos versteckt ist, um Fussgänger zu beeindrucken. Dazu kommt das Audiosystem im Interieur, sodass man sich selbst schon fast als Rennfahrer fühlt.

Abarth 500e Sound Generator
Zwei Jahre und 6000 Stunden Arbeit hat es gebraucht, um den Sound-Generator des Abarth 500e zu entwickeln.Image: Abarth

Doch wie bei einem veganen Steak ist die Illusion nur von kurzer Dauer, und der fehlende Geschmack macht sich schnell bemerkbar. Durchaus spassig im Leerlauf und in der Stadt mit den zahlreichen Beschleunigungs- und Bremsphasen, ist das ständige Dröhnen oder eher Summen bei höherer und gleichförmiger Geschwindigkeit dann allerdings ermüdend. Möglich ist aber, die Funktion zu deaktivieren, wenn man sich lange genug und nur im Stillstand durch die Menüs des Infotainmentsystems wuselt. Bleibt die Tatsache, dass die Spielerei originell ist und dich durchaus zum Schmunzeln bringen kann!

Rigoros mit Spassfaktor

Es gibt drei Fahrmodi: Turismo, Scorpion Street und Scorpion Track. Die ersten beiden ermöglichen One-Pedal-Fahrten, bei denen zugunsten einer erhöhten Energierückgewinnung nie (oder fast nie) die mechanischen Bremsen benutzt werden. Dank des sofort verfügbaren 235-Nm-Drehmoments gleicht der Abarth 500e beim Beschleunigen in der Stadt schon fast einem Katapult.

Abarth 500e
Der Abarth 500e verfügt über drei Fahrmodi.Image: Abarth

Jenseits der 80 km/h wiederum ist die Beschleunigung linearer: Er braucht sieben Sekunden von 0 auf 100 km/h, während der Abarth 695 als Benziner 6,7 braucht und dabei von seiner höheren Leistung (180 PS) und seinem niedrigeren Gewicht profitiert.

Abarth 500e
Ein präzise abgestimmtes Fahrwerk für sportliches Fahren.Image: Abarth

Doch schon ab den ersten Kurven holt der elektrische Jungspund auf. Sein Übergewicht wird zum Vorteil: Die Gewichtsbalance zwischen Vorder- und Hinterachse ist beinahe ideal, und die Batterien im Boden senken den Schwerpunkt ab. Wir finden uns also in einem kleinen Gokart mit Bodenhaftung wieder, den wir auf offener Strasse fast unmöglich austricksen können. Darüber vergessen wir sogar ganz die mitunter tückische Spritzigkeit der Hinterachse der Verbrennerversionen zugunsten einer ausgezeichneten Rigorosität, die dem Fahrvergnügen keinerlei Abbruch tut. Auch die Dämpfung, übrigens bewundernswert zwischen Komfort und Sportlichkeit austariert, und die Lenkung tragen ihren Teil zu diesem Eindruck bei.

Reichweite in der Stadt und in Vororten

Elektromobilität vollbringt keine Wunder: Leistung und Reichweite spielen einander meistens aus, und auch der Abarth 500e ist da keine Ausnahme. Mit 265 km angegeben, schmilzt die Reichweite wie Schnee in der Sonne, je nachdem, wie stark der Bleifuss ist. Das beschränkt das Fahrzeug vor allem auf die Nutzung in der Stadt und in Vororten und von Zeit zu Zeit auch mal auf eine kleine Spritztour ins nicht allzu weit entfernte Vorland.

Abarth 500e
Entspannter in der Stadt als auf der Autobahn.Image: Abarth

Beim Laden unterstützt unser «Joghurtbecher» Schnellladen bis 85 kW mit Gleichstrom (35 Min. von 0 auf 80 %) und 11 kW mit Wechselstrom (etwa 4:15 h von 0 auf 100 %).

Abarth 500e
Der Abarth 500e unterstützt eine Ladeleistung von 2,3 bis 85 kW.Image: Abarth

Selbst ohne den stürmischen Vierzylinder ist dem Abarth 500e das Kunststück gelungen, sich die Abarth-eigene Spritzigkeit und Überschwänglichkeit zu bewahren. Der Abarth 500e ist ab 37'990.– zu haben (40'990 Franken für die Cabriolet-Version), in drei Ausstattungsvarianten erhältlich und auf demselben Niveau anzusiedeln wie der Honda e, der Mini Electric und der Smart #1, der diesen Sommer an den Start gehen wird. Geschenkt ist das sicher nicht, aber zu dem Preis ist er voll ausgestattet, ohne dabei natürlich die gewisse Prise italienischer Leidenschaft, gepaart mit Entrüstung über ein paar unvollkommene Details, zu vergessen.

Über den Autor:

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Jérôme Marchon ist ...
... seit seiner frühesten Kindheit ein leidenschaftlicher Auto-Fan. Seine berufliche Karriere begann er in der Finanzbranche, trug aber schon früh zum Aufbau eines Auto-Blogs bei – bis er schliesslich seinen eigenen Blog gründete. Sein weiterer Weg führte ihn in die Chefredaktion der «Revue Automobile». Seit 2018 ist er freiberuflich tätig und schreibt für verschiedene Auto- und allgemeine Print- und Digital-Medien in der Schweiz und im Ausland. Jérôme Marchon arbeitet auch als Übersetzer und Berater für redaktionelle Inhalte für Automobilveranstaltungen und Autohersteller.
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20 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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infomann
27.06.2023 10:12registriert Juni 2015
Soundgenerator , solcher Blödsinn sollte in allen Autos verboten sein.
Alle sprechen von Lärmschutzmasnahmen und auf der anderen Seite produziert man absolut unnötigen Lärm.
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Spama Lotto
27.06.2023 09:24registriert August 2019
Gesetz:
"Art. 42 SVG Vermeiden von Belästigungen
1 Der Fahrzeugführer hat jede vermeidbare [Lärm-]Belästigung [...]zu unterlassen[...].
2 Der Betrieb von Lautsprechern an Motorfahrzeugen ist untersagt[...]."

Testbericht:
"Besserer Sound
[Ein] Sound-Generator, der den Sound des Vierzylinders über einen grossen Lautsprecher reproduziert, [...], um Fussgänger zu beeindrucken. [...] Durchaus spassig im Leerlauf und in der Stadt mit den zahlreichen Beschleunigungs- und Bremsphasen."

Eigentlich unglaublich, dass sowas zugelassen wird. Geschweige denn noch hochgejubelt in einem Test.
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Pachyderm
27.06.2023 13:06registriert Dezember 2015
Der Sound "beeindruckt Fussgänger"? Sorry, diese Asi-Karren nerven einfach nur, und zwar ungefähr alle ausser denen die drin sitzen.

(A propos: Verkehrslärm kostet mehr gesunde Lebensjahre als Verkehrsunfälle... aber Hauptsache die Karre hat einen geilen Sound... 🙄)
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