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Der Jeep Grand Cherokee wird elektrisch: Wir haben ihn getestet

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Der Jeep Grand Cherokee wird elektrisch: Wir haben ihn getestet

Die Zeiten ändern sich, und der Grand Cherokee tauscht den Verbrennungsmotor gegen einen Plug-in-Hybridantrieb. Eine Betrachtung des neuen Fahrzeugs.
17.10.2023, 09:0217.10.2023, 15:30
Jerome Marchon
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Der Grand Cherokee schien sich immer gegen eine Elektrifizierung zu sträuben, während die übrige Produktpalette von Jeep entweder hybrid oder vollelektrisch wurde wie der Avenger. Es stimmt, dass der Amerikaner sich im Vergleich zur europäischen Konkurrenz erst mit Verspätung elektrifiziert. Hierzu präsentiert sich der Jeep Grand Cherokee in unseren Breiten nun im neuen Gewand, das die Bestie in Übersee schon seit 2021 trägt.

XXL-Format

Der neue Grand Cherokee kommt in respektablen Proportionen: Er ist 4,92 Meter lang und 1,98 Meter breit. Beim Einparken könnte das durchaus für Nervenkitzel sorgen.

Jeep Grand Cherokee 4xe
Respektable Masse.Image: Jeep

An Bord dagegen scheint nicht ganz so viel Platz zu sein, wie das äussere Erscheinungsbild es vermuten lässt. Das Raumangebot hinten ist korrekt, und der Kofferraum fasst 533 Liter, was dem Durchschnitt in dieser Kategorie entspricht. Der getestete «Summit Reserve» ist ein Modell der Premiumklasse. Die breiten Vordersitze bieten ausgezeichneten Komfort mit einer Polsterung, die sehr hochwertig und edel daherkommt.

Jeep Grand Cherokee 4xe
Die besten Plätze sind vorne.Image: Jeep

Die Präsentation zeigt sich modern mit nicht weniger als drei Bildschirmen auf dem Armaturenbrett: einer für die Instrumentierung, einer für die sekundären Bedienelemente auf der Mittelkonsole und einer gegenüber dem Insassen ähnlich wie bei Ferrari oder Porsche. Auch die physischen Schalter für bestimmte Funktionen kommen gut an.

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Im Innenraum treffen Holz, Leder und Aluminium auf Kunststoff.Image: Jeep

Auch wenn das Innendesign ins Schwarze trifft, ist es schade, dass sich die Materialien in der Qualität stark unterscheiden, etwa beim Holzimitat am Lenkrad im Gegensatz zum Echtholz der übrigen Furniere. Bei locker 100'000.– Franken für das Gefährt ist das schon etwas unwürdig. Ein Pluspunkt wiederum ist die Montage, die die Inneneinrichtung geräuschlos macht.

Kraft fürs Geld

Die Revolution findet hier definitiv unter der Motorhaube statt. Weg mit betörenden V6 und V8, her mit einem 2-Liter-4-Zylinder-Turbo mit zwei Elektromotoren, die von einer 17,3-kWh-Batterie gespeist werden. Das Ganze ergibt eine maximale Leistung von 380 PS und ein Drehmoment von 400 Nm, die, wie es sich gehört, über ein Automatikgetriebe mit acht Gängen auf die vier Räder verteilt werden.

Jeep verspricht fast 50 km vollelektrische Reichweite, während der Verbrauch offiziell 3 l/100 km (WLTP) beträgt. Tatsächlich liegt der eher bei 7 l/100 km mit voll aufgeladener Batterie und springt auf 10 l/100 km oder noch mehr, sobald die Elektronen verbraucht sind… Immerhin gilt es, über 2,5 Tonnen zu bewegen!

Jeep Grand Cherokee 4xe
Bis zu 50 km vollelektrische Reichweite.Image: Jeep

Immer mit der Ruhe

Bei unserer Testfahrt zwischen Zürich und St.Moritz konnten wir den Grand Cherokee gründlich auf Herz und Nieren prüfen. Fest steht: Er ist wie gemacht für Reisen. Der allgemeine Komfort auf der Autobahn liegt auf hohem Niveau. Besonders erwähnt sei hier das erstklassige McIntosh-Soundsystem. Erst kurvige Bereiche trüben dann die Bilanz. Das enorme Gewicht des Fahrzeugs macht sich in jeder Kurve, aber auch beim Bremsen stark bemerkbar. Für diesen Fahrzeugtyp nicht ungewöhnlich, aber der Jeep erweist sich als weniger optimiert und agil als etwa die deutsche Konkurrenz. Und auch beim Schalten in den Sportmodus wird es nicht besser.

Jeep Grand Cherokee 4xe
Der Grand Cherokee ist fraglos ein Fahrzeug für ruhiges, angenehmes Reisen.Image: Jeep

Und dann ist da noch der mechanische Komfort des Hybridsystems, der zwar durchaus effizient ist, aber in der Feinabstimmung zu wünschen übrig lässt; der Klang des 4-Zylinders ist beliebig, und die Übertragung scheint sich ab und zu im Gangwechsel zu verlieren. Gewissenhaftes Fahren im sekundären Strassennetz ist hier also am ehesten angebracht.

Die Geländegängigkeit des Grand Cherokee konnten wir hingegen nicht testen. Sieht man sich allerdings die Kompetenzen der Marke an, die bordseitige Ausstattung und das elektrische Drehmoment, dann steht ausser Frage, dass der Grand Cherokee in dieser Disziplin zu den Referenzen der Kategorie gehört.

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Auf in die Weite!Image: Jeep

Aufgrund der verspäteten Hybridisierung trifft der Grand Cherokee bereits auf den Audi Q7, BMW X5, Mercedes-Benz GLE, Volvo XC90 oder Range Rover Sport, die diesen Antrieb schon lange im Programm oder sogar schon stark verbessert haben. Mit seiner hochanständigen, aber in einigen Punkten ausbaufähigen Leistung revolutioniert der Jeep Grand Cherokee das Segment nicht.

Allerdings kann er auf einen etwas gemässigteren Preis als die Konkurrenz, eine ultrakomplette Ausstattung und eine sprichwörtlich geländetaugliche Leistung bauen – auch wenn 99 % der Kundschaft ihn maximal auf Schotterwegen fahren wird. Der Grundpreis des Jeep Grand Cherokee liegt je nach Ausstattung zwischen 94'400.– und 111'900.– Franken.

Über den Autor:

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Jérôme Marchon ist ...
... seit seiner frühesten Kindheit ein leidenschaftlicher Auto-Fan. Seine berufliche Karriere begann er in der Finanzbranche, trug aber schon früh zum Aufbau eines Auto-Blogs bei – bis er schliesslich seinen eigenen Blog gründete. Sein weiterer Weg führte ihn in die Chefredaktion der «Revue Automobile». Seit 2018 ist er freiberuflich tätig und schreibt für verschiedene Auto- und allgemeine Print- und Digital-Medien in der Schweiz und im Ausland. Jérôme Marchon arbeitet auch als Übersetzer und Berater für redaktionelle Inhalte für Automobilveranstaltungen und Autohersteller.
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13 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Randen
17.10.2023 11:15registriert März 2014
Plugin hybrid. Sorry das muss man gar nicht lesen. Das ist ein Verbrenner und sollte nicht mehr zugelassen werden.
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Nachtfrost
17.10.2023 16:33registriert Januar 2019
Denkt ihr nicht, dass sich die Watson-Leserinnen und -leser eher Berichte über vernünftige, effiziente, kleinere und leichtere Fahrzeuge wünschen würden? Und nicht über solche bireweichen, spritfressenden und bleischweren Monsterkarren, die eine Gefährdung für den Langsamverkehr darstellen.
Eure Artikel drehen sich ja sonst eher um die Sorge über die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen, da stehen solche Auto-Verherrlichungstexte etwas quer in der Landschaft. Ausser die von Oliver Baroni, die sind amüsant und auch selbstkritisch.
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Roli_G
17.10.2023 14:14registriert Januar 2021
Also ein 4x4 Offroader, der auf der Autobahn ganz OK ist, aber sonst weniger und von dem man annimmt, dass er Offroad auch was taugen würde - weil Jeep. Was aber nicht getestet wird. (Kein Wunder, das Ding ist viel zu teuer um ihn echt Offroad zu nutzen).
Das ist zwar eine realistische Einschätzung über wie der Wagen in der Realität gefahren wird. Aber trotzdem komplett nutzlos dieses Ding.
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