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Wir haben den Autosimulator der Zukunft getestet

Cupra Exponential Experience
Der UrbanRebel bietet einen Vorgeschmack auf das nächste zu 100 % elektrische Stadtauto von Cupra, den Raval.Image: Cupra
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Wir haben den Autosimulator der Zukunft getestet

Vergiss Videospiel-Autorennen, selbst mit einem hochwertigen Schalensitz, der einen Bruchteil eines Kleinwagens kostet. Cupra hat die Exponential Experience entwickelt, ein verblüffendes und grossartiges Konzept, für dessen vollumfängliche Nutzung jedoch etwas mehr Platz nötig ist als in deinem Wohnzimmer. Entdeckung.
20.02.2024, 08:0120.02.2024, 13:19
Jerome Marchon
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Vergangenen Frühling enthüllte Cupra die ersten Bilder der Exponential Experience: ein Flughafenrollfeld, ein klasse aussehender Elektro-Rennwagen, ein Fahrer mit Virtual-Reality-Helm und Bilder des Autos, wie es mit Karacho mal im imaginären Universum und mal auf der besagten Flughafenpiste rast. Das hat gereicht, um unser Interesse zu wecken ... und zu bewirken, dass wir die Vertreter:innen bei Cupra so lange nervten, bis sie uns die Sache testen liessen.

Cupra Exponential Experience
Die Ausrüstung für Sportmuffel.Image: Cupra

Einige Monate später finden wir uns also in Spanien wieder, in einer ländlichen Gegend Kataloniens, auf dem riesigen Parkplatz eines menschenleeren Flughafens. Vor uns das Konzept UrbanRebel, das temperamentvolle Fahrzeug, das einen Vorgeschmack auf den nächsten Elektro-Jungspund des spanischen Herstellers bietet – den Raval. Trotz seiner Grösse ist seine Aufmachung imposant: verzierte Karosserie, enormer Heckflügel, Frontschürze bereit, den Asphalt zu verschlingen, und Flügeltüren.

Runden drehen im Rennwagen

Bei einem Kaffee beginnt das Briefing. Im Klartext: An diesem Morgen werden wir Runden drehen. So zumindest fürs Bild auf dem Parkplatz, denn tatsächlich wird der Bediener in ein digitales Universum eintauchen, mit einem Virtual-Reality-Helm, aber durchaus am Steuer des UrbanRebel.

Cupra Exponential Experience
Zwei Elektromotoren für eine Leistung zwischen 350 und 500 PS.Image: Cupra

Hä? Was? Wir sollen blind fahren? Allein beim Gedanken daran wird uns flau im Magen. Ein kurzer Blick auf den Spielplatz lässt uns feststellen, dass er mit Laternenmasten gespickt ist. Wir schlucken ... Da müssen wir wohl Slalom fahren. Und als Jordi Gené, ehemaliger Supertourenwagen-Fahrer für Cupra und die treibende Kraft des Projekts «Exponential Experience», uns erklärt, dass der Wagen zwischen 350 und 500 PS hat, in circa 3 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt und wie ein Rennwagen anfährt, läuft uns ein Schauer über den Rücken.

Hightech

Aber es ist an der Zeit, hinterm Steuer des UrbanRebel Platz zu nehmen. Der Innenraum wirkt wie eine durchdachte Mischung zwischen Rennwagen und Hightech, obligatorischer Schalensitz, Gurtwerk, Überrollbügel, hydraulische Handbremse, mit Knöpfen gespicktes Lenkrad, das ist normal. Weniger normal hingegen ist die Anzahl an Sensoren und Kameras, die im Innenraum verteilt sind, zusätzlich zu einem PC – der ziemlich gross ist, wenn man bedenkt, dass er durch einen Nebenanschluss des Batterie-Kühlkreislaufs des Wagens gekühlt wird – und seinem Monitor auf der Beifahrerseite. Genau dort wird Jordi Gené Platz nehmen, um uns bei unserer Aufgabe zu unterstützen.

Cupra Exponential Experience
Ein Rennwagen-Cockpit gespickt mit IT.Image: Cupra

Während sonst ein Integralhelm verwendet wird, bekommen wir von den Technikern einen Augmented- und Virtual-Reality-Helm. Im Blickfeld mischen sich zunächst bei Betrachtung des Parkplatzes verschiedene eingeblendete Informationen, dann wird in der Ferne eine Art Tor wie beim Ski-Slalom sichtbar.

Cupra Exponential Experience
Helm nicht auf dem Kopf, sondern auf der Nase.Image: Cupra

Das Gurtwerk ist angebracht und wir starten in Richtung Slalom-Tor. Die paar hundert Meter Strecke erlauben es, erste Eindrücke in Bezug auf eine Fahrt in diesem Flitzer in der realen Welt zu gewinnen. Alles wirkt normal. Wir kommen bei den Fahnen zum Stehen – und dort beginnt die Show.

Überwältigend

Die Kulisse ist nun völlig virtuell. Die Hände verschwinden vom Lenkrad, das nun selbst auch stilisiert erscheint. In der Ferne eine futuristische Landschaft in etwas rohem Stil, in der die typischen Gebäude Barcelonas erkennbar sind. Eine Spur auf dem Boden vor uns zeigt uns, welchem Weg wir folgen sollen. Grün für Beschleunigen, Rot für Bremsen. 5, 4, 3, 2, 1, los! Das Gaspedal durchgedrückt und der UrbanRebel düst davon wie eine Rakete in der virtuellen und der realen Welt.

Cupra Exponential Experience
In 3,2 s von 0 auf 100 km/h, die Augen (fast) komplett verbunden.Image: Cupra

Links, rechts, bremsen, wir begeben uns in die erste Kurve der virtuellen Runde und beschleunigen dann wieder und sind verblüfft, wie echt sich das Erlebnis anfühlt. Keine Verzögerung zwischen dem Bild im Helm und dem real wirkenden Gefühl der Reaktionen und Vibrationen des Autos. Man muss die Leistung der Erfinder wirklich loben.

Cupra Exponential Experience
In der Ferne eine stilisierte Sagrada Familia ... und fertig. Image: Cupra

Durch die visuelle Trennung von der echten Fahrbahn macht sich in Sekundenschnelle die Furcht davor breit, sich übergeben zu müssen. Eine Runde nach der anderen kommen wir immer mehr auf den Geschmack. Dabei vergessen wir schnell, dass wir uns in einer virtuellen Welt befinden. Wir tauchen komplett in eine andere Welt ein und sind verblüfft. Zweite Runde, wir vergessen komplett die Laternenmaste, um die wir herumfahren. Dritte Runde, der Schwierigkeitsgrad steigt mit den Markern am Boden, die man erwischen muss, wie bei «Mario Kart». Plötzlich macht das Auto einen Sprung nach vorne und liefert die paar zusätzlich gewonnenen PS schlagartig ab.

Cupra Exponential Experience
Die Logos von Cupra auf der Fahrbahn erlauben es, einige reale PS an Leistung zu gewinnen.Image: Cupra

Tatsächlich überschreiten wir selten 80 km/h, aber bei der sehr kurvigen virtuellen Strecke kommt es bei Gewichtsverschiebungen zu einigen Rutschern.

Und schon ist die zu erreichende Fahne im Helm sichtbar. Es ist vorbei. Wir parken den UrbanRebel virtuell im Innern, in Wirklichkeit jedoch mitten auf dem Parkplatz. Beim Abnehmen des Helms kehren wir abrupt in den milden katalanischen Herbst zurück. Aber das Lächeln auf unseren Gesichtern sagt mehr als tausend Worte.

Cupra Exponential Experience
Sicht von aussen, in der realen Welt ...Image: Cupra

Was bringt das?

Die Teams von Cupra und ihren Partnern brauchten drei Jahre, um dieses noch in der Testphase befindliche System zu entwickeln. Allein das Auto kostet 300'000.– Euro, hinzu kommt die IT-Infrastruktur für ungefähr 30'000.– Euro. Das Interesse ist ganz einfach Unterhaltung. Die Erfahrung ermöglicht es, die E-Sport-Welt mit dem Rennsport zu vereinen. Dies wird ermöglichen, dass lange Rennen in der realen Welt und auf der gleichen Strecke in der virtuellen Welt entwickelt werden. Umständliche Reisen erübrigen sich, es gibt keinen mühsamen Zeitunterschied, und Kosten und CO2-Emissionen können vergessen werden, ohne dabei die Freude einzubüssen, die Autorennen und ihre zahlreichen Facetten bieten.

Cupra Exponential Experience
Eine neue Form des Rennsports?Image: Cupra

Schliesslich kann das Konzept aus technischer Sicht die Herangehensweise bei Tests im Rahmen der Fahrzeugentwicklung verändern oder die Schulung von Fahrerinnen und Fahrern unterstützen. Der Weg scheint noch lang. Aber Glückwunsch an Cupra zu diesem Vorschlag. Man muss sich daran erfreuen in einer Zeit, in der das Auto von allen Seiten kritisiert wird. Die Exponential Experience steckt voller Neuigkeiten, bietet mehr als nur ein Auto und setzt auf Spass und Emotion. Und das ganz ohne Emissionen!

Bild
Image: zvg
Jérôme Marchon ist ...
... seit seiner frühesten Kindheit ein leidenschaftlicher Autofan. Seine berufliche Karriere begann er in der Finanzbranche, trug aber schon früh zum Aufbau eines Auto-Blogs bei – bis er schliesslich seinen eigenen Blog gründete. Sein weiterer Weg führte ihn in die Chefredaktion der «Revue Automobile». Seit 2018 ist er freiberuflich tätig und schreibt für verschiedene Auto- und allgemeine Print- und Digital-Medien in der Schweiz und im Ausland. Jérôme Marchon arbeitet auch als Übersetzer und Berater für redaktionelle Inhalte für Automobilveranstaltungen und Autohersteller.
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