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Alfa Romeo Tonale im Test – so gut ist er wirklich

Alfa Romeo Tonale 1.5 Hybrid 160
Mit dem Tonale beginnt für Alfa Romeo eine neue Ära.image: Alfa Romeo
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Wir haben den Alfa Romeo Tonale getestet

Der Tonale führt Alfa Romeo in das Zeitalter der Elektromobilität. Und die Marke will es wirklich wissen, denn sie greift die Spitze der überfüllten und hart umkämpften SUV-Klasse des C-Segments an, um die Gunst einer neuen Klientel zu gewinnen. Wird der Tonale den Ton angeben?
07.02.2023, 09:29
Jerome Marchon
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Wir müssen bis zur Geneva International Motor Show 2019 zurückgehen, um auf die Spur des Tonale-Konzepts zu kommen, das einen Vorgeschmack auf den italienischen SUV gibt, den wir heute fahren. Glücklicherweise wurden nach mehr als drei Jahren Entwicklungszeit die Kurven, die unsere Augen in den Gängen des Palexpo zum Leuchten gebracht haben, ohne grosse Veränderungen beibehalten. Der Tonale ist ein echter Hingucker, vereint Eleganz und Dynamik und ist mit subtilen Anspielungen auf glorreiche Modelle aus der Alfa-Geschichte bespickt. Viele der direkten Konkurrenten des Tonale können sich an diesem Stil ein Beispiel nehmen.

Alfa Romeo Tonale 1.5 Hybrid 160
Es sind eben Linien und Proportionen, wie sie nur die Italiener kennen.image: Alfa Romeo

Sportlich-schicke Atmosphäre

Auch im Innenraum ist die Alfa-Romeo-Persönlichkeit deutlich spürbar. Alle Bedienelemente sind auf den Fahrer ausgerichtet, die doppelläufige Instrumentenkappe erinnert ebenfalls an die Alfa-Modelle von früher.

Alfa Romeo Tonale 1.5 Hybrid 160
Ein sportliches Cockpit, bei dem die Bedienelemente auf den Fahrer ausgerichtet sind.image: Alfa Romeo

Während das Ambiente sehr sportlich-schick ist, ist die Wahl der Materialien nicht ganz einfach: In Augenhöhe und oben ist das Material (fast) tadellos, ausserhalb des Blickfelds ist es nicht besonders gut. Die schlechten Gewohnheiten sind hartnäckig und könnten unserem italienischen SUV dennoch zum Verhängnis werden, wenn ein potenzieller Kunde ihn mit deutschen Produktionen vergleicht. Das Raumangebot entspricht den Standards des Segments und es ist hervorzuheben, dass trotz der nach hinten auslaufenden Dachlinie die Kopffreiheit auf den hinteren Plätzen erhalten bleibt.

Volle Ladung Technik

Während die Marke mit dem Biscione in der Vergangenheit bei ihren Modellen hinsichtlich der Technologie hinterherhinkte, hat sie nun aufgeholt und gibt mit dem Tonale sogar das Tempo vor. Individuell anpassbare digitale Instrumente, ein zentraler 10-Zoll-Touchscreen, maximale Konnektivität, ein flüssiges, fehlerfreies und leicht zu erlernendes Multimediasystem und Interface – alles ist vorhanden, sogar autonomes Fahren auf Stufe 2!

Alfa Romeo Tonale 1.5 Hybrid 160
Hochwertige Technologie an Bord.image: Alfa Romeo

Alfa Romeo erlaubt sich dank des serienmässigen NFT-Zertifikats auch einen kleinen Ausflug ins Web 3. Diese manipulationssichere Identitätskarte, deren Technologie auf der berühmten «Blockchain» beruht, ermöglicht es, den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs zu registrieren und zu zertifizieren.

Und was ist mit der zusätzlichen Seele?

Unter der Motorhaube führt der Tonale die Elektrifizierung auf Alfa-Art ein. Zunächst dreht sich das Angebot um einen 1,5-Liter-Vierzylinder, der mit einem kleinen 48-V-Elektromotor mit 15 kW und einer 0,8-kWh-Batterie kombiniert wird. Das Ganze leistet wahlweise 130 oder 160 PS. Es handelt sich also um eine «verbesserte» Mild-Hybrid-Architektur, bei der der Elektromotor seinen Verbrennungsmotor wie ein herkömmlicher Mild-Hybrid-Antrieb unterstützt, aber auch beim Rangieren oder auf ebenem Gelände bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h allein mit der Kraft der Elektronen fahren kann, vorausgesetzt, man geht sanft mit dem Gaspedal um. Das Gerät ist angenehm und genial für den Einsatz im städtischen Umfeld.

Alfa Romeo Tonale 1.5 Hybrid 160
Der Tonale ist zu brav gefahren?image: Alfa Romeo

Die DNA eines Alfa Romeo besteht neben dem Stil auch aus dem Motor und dem Gefühl, das er vermittelt: Klang, Nervosität, Kraft und Drehmoment. Und auf dem Tonale muss man feststellen, dass diese Aspekte eindeutig stumm geschaltet sind. Der 160-PS-Antrieb bietet eine anständige Leistung, aber es fehlt ihm an Spritzigkeit für eine dynamische Fahrweise. Das Doppelkupplungsgetriebe reagiert nicht schnell und zögerlich, die Drehmoment- und Leistungsentfaltung lässt auf sich warten und erfordert viel Platz für Überholmanöver, zum Beispiel beim Überholen. Die Werbefachleute von Alfa Romeo argumentieren, dass die Gesamtleistung des Tonale im Durchschnitt der Klasse liegt. Das mag zwar sein, aber gehört der Fahrer eines Alfa Romeo auch zum Durchschnitt? Und da wir gerade bei den Durchschnittswerten sind: Wir haben einen Verbrauch zwischen 6 und 7,7 l/100 km ermittelt, je nach Fahrweise im täglichen Gebrauch und auf gemischten Strecken. In der Stadt sollte man mit etwa 8 l/100 km rechnen.

Fahrgestell aus gutem Hause

Die durchwachsene Bilanz des Antriebs ist umso bedauerlicher, als die Bodenanbindung des Tonale auf einem sehr hohen Niveau ist. Das Gesamtverhalten ist sehr neutral und sicher. Die straffe, aber nicht ruckelige Abstimmung der Aufhängung hält die Karosseriebewegungen mit Bravour unter Kontrolle, und die Lenkung ist zwar nicht so direkt wie bei Giulia und Stelvio, aber präzise. Wir hätten uns etwas mehr Offenheit um den Mittelpunkt herum und eine etwas weniger lustlose Rückmeldung über den Grip der Vorderachse gewünscht. Insgesamt ist das Fahrerlebnis jedoch angenehm und die Ausstattung verträgt einen flotten Fahrstil, ohne zu murren.

Alfa Romeo Tonale 1.5 Hybrid 160
Der Tonale – Zugkraft nur in den Leistungsstufen 130 und 160 PS – steht fest auf seinen Rädern.image: Alfa Romeo

Der Tonale, der darauf ausgerichtet ist, möglichst viele Menschen zufriedenzustellen und eine neue Kundschaft zu erobern, verfügt über echte Stärken, bleibt aber aufgrund einiger Ausstattungsdetails und einer für seine Klasse halbherzigen Motor-Getriebe-Kombination hinter den Erwartungen zurück. Es handelt sich zwar um eine erste Kopie, aber mit einem Preis von 41'900 Franken ist es eine Preisgestaltung, die eines Premiumprodukts würdig wäre und an die man zu Recht hohe Ansprüche stellen darf. Ein Plug-in-Hybrid-Modell des Tonale mit 280 PS und Allradantrieb steht plötzlich in den Autohäusern. Hoffen wir, dass dieser hier mehr vom Geist des Alfa bewohnt ist.

Über den Autor:

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image: zvg
Jérôme Marchon ist ...
... seit seiner frühesten Kindheit ein leidenschaftlicher Autofan. Seine berufliche Karriere begann er in der Finanzbranche, trug aber schon früh zum Aufbau eines Auto-Blogs bei – bis er schliesslich seinen eigenen Blog gründete. Sein weiterer Weg führte ihn in die Chefredaktion der «Revue Automobile». Seit 2018 ist er freiberuflich tätig und schreibt für verschiedene Auto- und allgemeine Print- und Digital-Medien in der Schweiz und im Ausland. Jérôme Marchon arbeitet auch als Übersetzer und Berater für redaktionelle Inhalte für Automobilveranstaltungen und Autohersteller.
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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Arthur Sunil
07.02.2023 09:53registriert Februar 2017
Ein neues Hybrid-Kompakt-SUV. Wie spannend 🥱
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Hans Jürg
07.02.2023 12:51registriert Januar 2015
Ich wünsche mir einen voll elektrischen Alfa Spider. Oder einen elektrischen Alfa Montreal.
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P.Rediger
07.02.2023 12:06registriert März 2018
Also die Behauptung mit der Elektromobilität finde ich etwas gewagt, weil nur ein Mild-Hybrid. Sie sollten bald in die Gänge kommen mit Elektro, sonst werden sie noch weiter abgehängt. Und SUVs sind jetzt auch nicht gerade die umweltfreundlichsten Fahrzeugkonzepte.
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Sie ging langsamer, als sie kam
Erster Vorsatz eingelöst: Es gab Sex. Wiederholt wird er aber nicht (mit ihr).

Es ist passiert! Ich hatte Sex. Kaum hatte das Jahr begonnen, war eine Frau in meinem Bett. Ich denke, das ist ein gutes Zeichen. Gemäss meines Horoskops, hat mir Hanna vorgelesen, obwohl ich nicht an Horoskope glaube und sie auch nicht, sagt sie jedenfalls und liest mir dann doch immer mein Horoskop vor, wenn sie es irgendwo sieht, und wenn ich genervt bin, sagt sie «typisch Zwilling», obwohl sie eigentlich gar nicht weiss, was «typisch Zwilling» ist und vor allem, wie sie sagt, ja eh gar nicht an Sternzeichen und all diese astrologischen Dinge glaubt. Aber sie sagt auch, der Merkur ist das Problem, wenn es ein Problem gibt, und ich bin sicher, sie weiss rein gar nichts über den Merkur. (Falls ihr das bei eurem nächsten Astrotalk droppen wollt: Der Merkur ist der kleinste Planet in unserem Sonnensystem, aber der schnellste. Er braucht nur 88 Tage, um einmal um die Sonne zu kommen.)

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