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illustration: fh schweiz/flavia korner

Work in progress

«Einige meinen, mit ihrem Abschluss liege ihnen die Welt zu Füssen»

Mentoring. In der Arbeits- und Hochschulwelt verfolgt einen dieser Begriff auf Schritt und Tritt. Klingt auch gut. Aber was steckt eigentlich dahinter? Ist es nur ein Hype oder tatsächlich ein Erfolgsmodell?

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Startup-Gründerinnen und -Gründer schwärmen nicht selten davon. In der Arbeitswelt stösst man an jeder Ecke auf Angebote, an Hochschulen ebenfalls. Warum gerade jetzt? Und wie funktioniert gutes Mentoring? Roland Schmid (68) kennt die Antworten. Er war jahrelang in der Tourismusbranche tätig, so leitete er 17 Jahre lang bei Tui Suisse die Bereiche Kommunikation, Nachhaltigkeit und Krisenmanagement.

Heute ist er selbständiger Berater, Referent und Mentor im Tourismus. Er vertritt den Schweizer Reiseverband in nationalen und internationalen Gremien. Überdies engagiert er sich im Mentoring-Programm der Fachhochschule Graubünden.

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Roland Schmid. bild: zvg

Herr Schmid, was bedeutet Mentoring?
Roland Schmid: Mentoring ist unter anderem da, um Abgänger von Hochschulen von der theoretischen Ausbildung hinüber in die Arbeitswelt zu führen und ihnen dabei Boden unter den Füssen zu geben. Denn trotz Fachkräftemangel ist es oft nicht leicht, einen Job oder den richtigen Platz zu finden. Für mich heisst das, junge Menschen zu ermutigen, ihren Weg zu gehen, sie in der Entwicklung zu unterstützen, damit sie persönlich und beruflich wachsen können. Sie lernen mit den vielfältigen Optionen umzugehen, die man heute nach dem Studium hat. Dazu passt ein Sprichwort von Aristoteles: Man kann den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen. Dazu gibt es kein Patentrezept. Darum definieren wir zu Beginn des Mentorings Ziele, welche der oder die Mentee mit mir während der einjährigen Zusammenarbeit erreichen möchte.

Man hat das Gefühl, in der Wirtschaft- und Bildungswelt dreht sich derzeit alles um Mentoring. Warum ist es so in Mode?
Vielleicht hört man heute den Begriff häufiger. Die FH Graubünden begann schon 2007 mit einem Mentoring-Programm. Früher gab es «Gotten» und «Göttis», welche Nachwuchskräfte auf dem Weg in die Zukunft begleiteten. Der Mangel an Fachkräften führt dazu, dass Mentees nebst dem vermittelten Wissen zu ihrer Entwicklung von sozialen und fachlichen Kompetenzen auch berufliche Erfahrungen informell erwerben können. Diese kann man nirgends nachlesen.

Also mehr Notwendigkeit statt Hype?
Ein Hype ist es nicht. Es entspricht einem Bedürfnis der Wirtschaft und der Gesellschaft. Und es ist nicht zuletzt ein Mittel, um neues Wissen mit Erfahrung zu vernetzen. Wir überwinden damit auch Generationen in der Arbeitswelt. Das ist möglich, weil wir viel kommunikativer sind als früher. Die Jungen wollen vorankommen, sind wissbegierig. Die Älteren sind eher bereit, ihre Erfahrung und ihr Netzwerk zu teilen.

Wodurch zeichnet sich ein gutes Mentoring aus?
Erstens: Bei der Zuweisung von Mentor und Mentee muss die Chemie stimmen, gegenseitige Sympathie schadet sicher nicht. Es gibt keine Hierarchie. Aber es ist auch kein Freundschaftsverhältnis. Wesentlich ist, dass die Wünsche des Mentees sowie die Kompetenz der Mentorin oder des Mentors zusammenpassen. Ich musste auch schon ablehnen, weil ich sah, dass ich für dieses Thema schlicht der Falsche gewesen wäre.
Zweitens: Der Mentor führt und motiviert den Mentee. Er zeigt etwa auf, wie man sich durchsetzt, wie man Verhandlungen führt.
Drittens: Der Mentor hilft auch mal einen Job zu finden oder kann eine Empfehlung schreiben und bindet den Mentee erfolgreich in ein Netzwerk ein. Dies, indem er ihn auch mal zu einem Anlass mitnimmt und anderen Menschen persönlich vorstellt.
Viertens: Engagement von beiden Seiten und Vertrauen! Es ist ein Geben und ein Nehmen. Deshalb steht man sich nicht nur zu fixierten Terminen zur Verfügung, sondern kann auch mal telefonieren oder ein Mail schreiben.

Contentpartnerschaft mit FH Schweiz

Die Beiträge dieses Blogs stammen vom Dachverband der Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen (FH Schweiz). Darin geht es um Arbeit, Karriere sowie Aus- und Weiterbildung. Es handelt sich nicht um bezahlten Content. (red)

Haben Sie schon ein gescheitertes Mentoring erlebt?
Ja, am Rand habe ich einen Bruch mitbekommen. Doch es passiert in der Regel ganz selten, wenn beispielsweise von der einen oder anderen Seite das Mentoring nicht ernst genommen wird und zu scheitern droht. Dann muss man abbrechen. Einmal wollte eine Mentee zu mir wechseln, weil es mit dem anderen Mentor aus Zeitgründen nicht klappte.

Liegen auch mal die Erwartungen der Mentees zu hoch?
Dazu zitiere ich Wilhelm Busch: «Wenn einer, der mit Mühe kaum gekrochen ist auf einen Baum, schon meint, dass er ein Vogel wär, so irrt sich der.» Mentees sind engagiert, haben grosse Erwartungen für die Karriere. Einige meinen, mit ihrem Abschluss liege ihnen die Welt zu Füssen. Viele erwarten gleich eine Leitungsposition. Die Realität sieht oft anders aus. Karrieren verlaufen heute mosaikartig, mal aufwärts, mal seitwärts. Manchmal muss man mit einem Praktikum anfangen, in dem man sich jedoch nicht ausnützen lassen soll. Doch es kann der richtige Weg sein, um mit guter Arbeit seine Persönlichkeit zu beweisen und Erfahrung zu sammeln. Das ist wertvoll.

Wie profitieren Sie eigentlich als Mentor?
Ich profitiere extrem, den Austausch mit jungen Leuten finde ich grandios! Ich bleibe mit ihnen in Kontakt, sehe wie sie ticken, welche Vorstellungen sie von Job, Karriere und ihrem Arbeitgeber haben. Ich lerne neue Sichtweisen kennen und werde in meiner Jobsicht oft kritisch hinterfragt. Und beim Programm der FH Graubünden beispielsweise gibt es einen jährlichen Mentoring-Event, wo man andere Mentoren kennenlernt – so entsteht ein wertvolles Netzwerk.

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Leute, denen es auf der Arbeit offensichtlich langweilig war

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