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Yonnihof

«Isch ja nur en Scherz gsi ...»

21.02.2015, 08:1822.02.2015, 08:09
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    Da jagte also eine Gruppe von Fans eines Schweizer Fussballclubs auf dem Weg zu einem Spiel einen «Juden» durch die Strassen. Dieser «Jude» – ein entsprechend verkleideter Fan aus den eigenen Reihen – sollte sinnbildlich für den Gegner des Tages, nämlich einen anderen Schweizer Fussballclub, stehen. Von der Aktion wurde ein Foto geschossen und dieses online gestellt, jedoch bereits wieder entfernt. In den höheren Rängen und bei den restlichen Fans des betreffenden Clubs herrscht (so sagt man) Fassungslosigkeit und es wurde klar kommuniziert, dass man sich von solchen Aktionen ausdrücklich distanziere. 

    Ob dieses Vorfalls entbrannte nun in den Medien und in den Kommentaren eine heisse Diskussion. Gut so! 

    Es sei ja nur ein Scherz gewesen, sagen die einen. Es sei halt Fasnacht. Das sei doch nicht ernst gemeint. «Isch halt Fuessball.» Gleichzeitig wird auf die, in den letzten Monaten so heiss diskutierte, Meinungs- und Redefreiheit verwiesen. Satire darf doch alles – warum wir nicht? 

    Eine gute Frage. 

    Nun, es handelt sich nicht um den Satireclub Hinterpfupftal, der mit solchen Aktionen Gesellschaftskritik übt, sondern um einen etablierten Schweizer Fussballclub, welcher in einer gewissen Weise als ganzer durch diese Fans repräsentiert wird. 

    Und: Meinungsfreiheit bezieht sich doch darauf, dass man frei seine Meinung äussern darf – will man damit sagen, dass all diese Fussballfans tatsächlich ihre wirkliche Meinung kundgetan haben? Dass sie denken, man dürfe einen «Juden» durch die Gassen jagen und dass sie bei dem Umzug lediglich Gebrauch ihrer Redefreiheit gemacht haben? Ich denke nicht. 

    Ich sage: So etwas geht nicht.  

    Und zwar aus folgenden Gründen: 
    Erstens finde ich es schade, dass durch solch unüberlegtes Verhalten einiger weniger der Ruf aller Fussballfans ein weiteres Mal durch den Dreck gezogen wird.

    Zweitens gelten sowohl für Fussballfans als auch für Fasnächtler dieselben Gesetze wie für alle anderen – das betrifft Sachbeschädigung genauso wie das Antirassismusgesetz. Es wird im Moment abgeklärt, ob gegen dieses verstossen wurde. 

    Drittens: Wenn es ja «nicht böse gemeint war», kann man’s ja in Zukunft einfach weglassen, oder? Jetzt wäre wohl der beste Zeitpunkt, sich bewusst zu werden, dass man sich vielleicht andere Wege überlegen sollte, sich über den Gegner lustig zu machen und in Zukunft auf Aktionen dieser Art zu verzichten. Dass das Hochnehmen des Gegners grundsätzlich zum Fussball gehört, steht ausser Frage. Aber das geht doch auch anders, nicht? Soweit ich das beurteilen kann, haben Rassismus und offene Homophobie in diesen Kreisen deutlich abgenommen. Gemessen an der Aktion mit dem «Juden» jedoch, besteht an der einen oder anderen Ecke noch immer massiver Handlungsbedarf. 

    In meinen Augen beginnen Rassismus und Diskriminierung im ganz Kleinen. Genau in diesen «nicht ernst gemeinten», «lustigen» Aktionen. Ich bin überzeugt, dass der absolute Grossteil der an dieser Geschichte Beteiligten keine Antisemiten sind – und trotzdem verhielten sie sich wie welche. Wahrscheinlich nicht einmal bewusst. Und deshalb finde ich es wichtig, dass man sich wehrt. 

    Althergebrachte Traditionen und Gruppendynamiken sind in keinster Weise eine Legitimierung, «Isch ja nur en Scherz gsi» ist keine Entschuldigung. 

    Die einzige Konsequenz aus diesem Vorfall ist in meinen Augen, dass man mit solch unüberlegten Aktionen aufhört.

    Yonni Meyer
    Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen –direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 

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