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regenbogen homosexualität

Bild: shutterstock

Yonnihof

Yonnihof

Alles eine Frage des «WIR»

In der Politik hängt viel von der Definition eines kleinen Wörtchens ab.



Der Frage, ob Schwule und Lesben heiraten dürfen, widmete sich ein Interview, das «20 Minuten» mit Nationalrätin Verena Herzog (SVP, hetero) und Nationalrat Martin Naef (SP, homosexuell) führte. 

Schon kurz nach Beginn des Interviews schwenkt NR Herzog von der eigentlichen Frage nach der Homoehe auf die Frage der Homoadoption. Man habe vor zehn Jahren der eingetragenen Partnerschaft zugestimmt und nun lägen bereits Vorstösse in Richtung Adoption vor, was ihr einfach zu weit gehe. Es brauche keine «Öffnung der Institution Ehe» und (zu Naef) sie habe «übrigens nichts gegen euch». Obwohl ein Recht auf Adoption in der «Ehe für alle»-Initiative der GLP klar ausgeschlossen ist, betont Frau Herzog noch einmal, das sei nur ein Vorstoss. 

Aha. Aha. Aha. Nebst der Tatsache, dass Adoption ausdrücklich nicht das Thema des Interviews war (und hier auch explizit nicht sein soll), kommen mir persönlich diese Aussagen von Frau Herzog vor allem eines vor: Herablassend. «Wir haben euch doch schon die eingetragene Partnerschaft gegeben, und jetzt wollt ihr noch mehr?». So klingt das für mich. Ihr, ihr, ihr. Ihr, die Anderen. Ihr, die Unbequemen. Es klingt für mich, als müssten die Homosexuellen dankbar sein für jedes bisschen Recht, das man ihnen zuspricht. «Keine Öffnung der Institution Ehe» – als ob man etwas Heiliges vor einer Verschmutzung bewahren will. 

Wir reden hier von Menschen, for crying out loud! Menschen, die niemandem etwas getan haben, die einfach ihr Leben leben wollen, so wie alle anderen auch, die sich verwirklichen wollen, unter anderem durch das traditionelle Schliessen einer Ehe. Staatlich wie auch kirchlich. Auch wenn ich persönlich das Verlangen eines homosexuellen Paares nach dem Segen einer Kirche, welche sie als Menschen grundlegend ablehnt, nicht vollständig nachvollziehen kann, finde ich trotzdem, dass ihnen auch dort dieselben Rechte zustehen sollten wie allen anderen auch. 

Art. 8 Paragraph 1 der Schweizerischen Bundesverfassung sagt: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich

Nein, sind sie nicht. Noch nicht. 

Wieder einmal ist in der Politik alles eine Frage des Wir. Welches Wir die PolitikerInnen benutzen, hängt immer mal wieder stark von der jeweiligen Diskussion ab. Geht es ums Eherecht, steht WIR für «Menschen, die durch genetischen Zufall auf das andere Geschlecht stehen und mit einem Mitglied ebendieses Geschlechts eine Verbindung eingehen wollen». Geht es um Ausländerrecht, heisst WIR «alle Schweizer ausser die, die anders ausschauen und woanders herkommen». 

Auffallend ist, dass der/die argumentierende PolitikerIn immer zum gerade benutzten WIR gehört, nie zum Rest. Wer nicht so ist wie WIR, der/die muss schauen, wo er/sie bleibt. 

Noch einmal, es geht hier um rechtliche Diskussionen. Es stehen Homosexuellen schlicht nicht dieselben Rechte zu wie Heterosexuellen. Das steht in klarem Gegensatz zur Bundesverfassung. Wie kann man für sich selber mehr Recht einfordern als für andere Menschen? Steht das nicht diametral zum Grundsatz, dass gleiches Recht für alle gelten soll? Das kann doch nicht sein. Was für eine Gesellschaft sind wir, wenn wir das zulassen? 

Ich persönlich wünsche mir ein WIR, das tatsächlich ein WIR ist und das eine faire Politik für alle nach sich zieht. Wie in der Präambel der Bundesverfassung steht «... im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben». 

Ei, was wär’ das schön! 

Yonnihof Yonni Meyer

Yonni Meyer

Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen –direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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    Alle Leser-Kommentare
  • Philipp Burri 13.03.2015 11:40
    Highlight Highlight Alle Menschen sind gleich vor dem Gesetz ist doch utopischer Unfug. Männer kriegen keinen Mutterschaftsurlaub, Frauen müssen keinen Wehrdienst machen, Reiche kommen sowieso mit allem davon.. und eine ewig gestrige Institution wie die Kirche dazu bringen zu wollen, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen, ist dann der Gipfel der Absurdität. Es gibt nur eine wirklich praktikable Maxime: leben und leben lassen. (was halt in der Konsequenz dann auch bedeuten kann auf Hetigugus wie die päpstlich sanktionierte Ehe zu verzichten müssen.. so what?).
    • Matthias Studer 15.03.2015 09:08
      Highlight Highlight Die Eheschließung hat nicht nur mit Kirche zu tun. Hier geht es um den Staat, die Kirche ist privat bei der man ganz gut nicht mitmachen muss. Ich bin vor über 25 Jahren ausgetreten und lebe immer noch.
      Auch die anderen Punkte müssen keine Utopie sein. Die Gesellschaft wandelt sich, nur nicht in dem Tempo, die einige gehen möchten. In 20 Jahren erzählen wir unseren Kindern / Enkel "weisch no?".
  • Dewar 13.03.2015 10:35
    Highlight Highlight Auf den Punkt gebracht, danke dafür! Was du am Anfang beschreibst, ist genau das, was mich in solchen Diskussionen immer wieder aufregt: Dass nicht sachbezogen und am Thema vorbei diskutiert wird. Das ist nicht nur bei der Homoehe so, sondern generell. Und wer nicht auf der Sachebene argumentiert, disqualifiziert sich für mich komplett. Politiker sollen sich doch bitte mehr an die Fakten halten. Und die sind hier: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich (siehe BV). Homosexuelle sind Menschen. Man muss nun wirklich kein Logiker sein, um daraus den einzigen sinnvollen Schluss zu ziehen...
  • Vidocq 13.03.2015 08:20
    Highlight Highlight Toller Beitrag zu einem wichtigen Thema, danke! Nur etwas finde ich ein wenig schade: Dass Kirche grundsätzlich gegen Homosexualität sei, ist nicht ganz richtig. Die Ablehnung von Homosexualität hat nicht zwingend etwas mit Christentum und Bibel zu tun - eher mit konservativer Ablehnung des Unbekannten oder Homophobie. Ja, die Mehrheit der Kirchen hat hier eine bedauerlich konservative Meinung. Aber dass in der Bibel zweifelsfrei steht, Homosexualität sei schlecht, stimmt schlicht und einfach nicht. Da gibt es auch andere Auslegungen dieser Schriften. Und es gibt auch innerhalb der Kirche Menschen, die sich für eine Öffnung stark einsetzen.
    • TJ Müller 13.03.2015 14:21
      Highlight Highlight Tschuldige, aber die Bibel ist ganz klar homophob. Es gibt mehrere Stellen an der zur Tötung von Homosexuellen aufgerufen wird. Homosexualität steht in der Bibel auf gleicher Stufe wie Inzucht und Zoophilie (und Sex während der Mens) und auf alles steht die Todesstrafe. (nachzulesen 3.Moses 20,13) Aber ist halt einfacher als religiöser Mensch die unliebsamen Stellen seiner Religion einfach zu überlesen und nicht zu beachten...
  • Statler 13.03.2015 00:08
    Highlight Highlight Soweit ich mich erinnere, steht in der Präambel zu unserer Verfassung an erster(!) Stelle: «Im Namen Gottes, des Allmächtigen». Somit wird doch alles, was danach folgt, im Geiste der (christlichen) Religion angesehen. Insofern verteidigen die Hüter der Frau/Mann-Ehe tatsächlich etwas Heiliges...
    Dass man «gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen» viel eher verteidigen sollte, vergessen diese selbsternannten Hüter aber leider nur zu gern.
    • RmGsbhlr 14.03.2015 22:37
      Highlight Highlight Losgelöst vom eigentlichen Thema finde ich persönlich genau diese Stelle in der Bundesverfassung unpassend. Ich bin da wohl als einziger dieser Meinung, aber für mich gehört zu echter Religionsfreiheit eben auch Religionsneutralität des Staats.
    • Statler 14.03.2015 23:56
      Highlight Highlight So losgelöst ist das gar nicht. Eine Verfassung, die schon im ersten Satz Bezug auf eine Religion nimmt, wird zwangsläufig auch deren Werte vertreten. Das funktioniert, solange die Mehrzahl der Menschen in einem Land Angehörige dieser Religion sind. Das ist aber immer weniger der Fall und somit werden diese Werte immer mehr Leuten gegen ihren Willen aufgezwungen und Rechte verwehrt, die ihnen eigentlich zustehen würden. Ob dieser Gott, der da zitiert wird, so erfreut darüber wäre, ist zu bezweifeln.
      Ich wäre dafür, den Satz zu ändern in «Im Namen der Menschlichkeit»...
  • M_gelli 12.03.2015 23:47
    Highlight Highlight Ist es bei einem 'wir' nicht automatisch so, dass man selbst auch dazu gehört? Oder verstehe ich den Abschnitt falsch...?
  • poga 12.03.2015 22:51
    Highlight Highlight Beim Thema Homoehe( In einem WIR müsste es schlicht EHE heissen) stimme ich Ihnen vollkommen zu. Bei dem "Wunsch" nach einem totalen WIR möchte ich noch anmerken dass es das rechtliche WIR wohl niemals geben kann wenn nicht gleichzeitig die Pflichten für alle im WIR gleich sind.
  • mel51 12.03.2015 22:51
    Highlight Highlight Der Artikel ist mir heute auch sauer aufgestoßen: was soll das, diese Tonart, wie wir haben diesen lästigen Goofen doch schon Süsses gegeben.... Und - das entlarvende, die Kinder von Schwulen/Lesben würden gehänselt: wieso? Weil wir doch breit akzeptiert sind, mit der eingetragenen Partnerschaft. Eben nicht. Drum braucht es den im Gesetz verankerten Text- PUNKT
  • pinex 12.03.2015 22:28
    Highlight Highlight Daumen hoch für jedes einzelne Wort!
  • Chinesli 12.03.2015 19:55
    Highlight Highlight Ich bin eigentlich mit allem einverstanden, nur finde ich es schade, wenn du von der "Politik" als Einheit sprichst. Denn auch in der Politik gibt es riesen Unterschiede (siehe auch 20Min-Artikel, den du erwähnst...).
    • Yonni Moreno Meyer 12.03.2015 20:32
      Highlight Highlight Das stimmt.
  • Alnothur 12.03.2015 19:12
    Highlight Highlight "Nein, sind sie nicht. Noch nicht. " Doch, Yonni, sind sie. Im Gesetz ist nunmal festgehalten, dass die Ehe zwischen Mann und Frau ist. Würde sie, wider dem Gesetz, trotzdem auch für Homosexuelle gelten, DANN wäre das ein Verstoss gegen Art. 8 BV, denn dann wären sie quasi vom Gesetz ausgenommen. Immer dieses Träumergeschwurbel, das, absichtlich falsch, in Verfassungs- und Gesetzesartikel hineininterpretiert wird.
    • Statler 12.03.2015 23:56
      Highlight Highlight Wenn alle «Menschen» vor dem Gesetz gleich sind, ist das unabhängig vom Geschlecht und der Artikel, dass eine Ehe zwischen Frau und Mann ist, widerspricht dem. Die Frage ist jetzt, was höher zu gewichten ist? Wenn Zweiteres (also das Geschlecht der Ehepartner) wichtiger ist, müsste man Art. 8 dementsprechend ändern: Alle Menschen sind ihrem Geschlecht entsprechend vor dem Gesetz gleich... Das klingt eigentlich fast nach dem Status Quo...
    • gupa 13.03.2015 10:52
      Highlight Highlight Zuerst mal, ich bin überhaupt nicht gegen die Homoehe. Aber ich gebe dir in der Sache recht, dass die Art 8 BV eingehalten wird, da das Gesetz ja nunmal so ist. Also sind vor dem Gesetz nachwievor alle gleich. Ansonsten müsste man auch erlauben das Kinder Auto fahren mit Bezug auf diesen Artikel. Die Sache ist unterstützenswert, aber die Argumentation falsch.

LINKE UND NETTE: Von wegen «kleine Schwester von Scheisse»

RECLAIM THE NICENESS!

Die SVP hat’s mal wieder getan. Wie ein kleines Kind, das Aufmerksamkeit sucht, indem es einen Gaggi an die Wand malt (nicht zu verwechseln mit SEINEN Gaggi an die Wand malt), hat sie mit ihren Apfelplakaten für Furore gesorgt. Äusserst erfolgreich – was denn die Aufmerksamkeit angeht. Es ergoss sich die zu erwartende Kritik und dann die Kritik an der Kritik und dann «Warum gibt man sowas überhaupt eine Plattform??!!1!!», etc., etc., blabla.

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