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Blick ins iPhone 6. Was fehlt, ist ein Slot (Steckplatz) für eine Speicherkarte. Bild: iFixit.com

Unpräzise Angaben zum Speicherplatz

Darum hat die Sammelklage gegen Apple wegen iOS 8 auch etwas Gutes

Nur 13 statt der versprochenen 16 Gigabyte: In den USA muss sich Apple mit dem Vorwurf beschäftigen, man informiere nicht korrekt über den verfügbaren Speicherplatz beim iPhone, iPad und iPod.



Egal, ob Sie ein iPhone mit 8, 16, 32, 64 oder 128 Gigabyte internem Speicher besitzen: Das Gerät bietet mit Sicherheit weniger Platz, als von Apple versprochen. 

Grund: Bei der offiziellen Angabe zum Speicherplatz wird der für die System-Software benötigte Platz nicht abgezogen.

Haben Sie alles schon gewusst? Ist gängige Praxis. Wo liegt das Problem?

Nun, in den USA muss sich Apple deswegen vor Gericht verantworten, wie kürzlich publik wurde. Geklagt haben zwei Männer aus Miami. Sie fordern ausserdem vor einem kalifornischen Gericht die Zulassung einer Sammelklage, damit sich andere Betroffene anschliessen können.

Der Vorwurf: Apple-Geräte mit dem aktuellen Betriebssystem böten weniger Speicher, als in der Werbung versprochen. Dies gelte für iPhones, iPads und den iPod. 

Apple weise Kunden nicht daraufhin, dass iOS 8 bis zu 23,1 Prozent des Speicherplatzes belege. Und wenn der Speicher knapp werde, werde man aufgefordert, ein iCloud-Premium-Abo zu bezahlen.

«Dumme Konsumenten»

Ein Kommentarschreiber beim US-Blog Apple Insider bringt es wie folgt auf den Punkt: Viele Konsumenten seien dumm. Einige (schlauere) Konsumenten hingegen stellten sich dumm, weil sie meinten, sie könnten (auf juristischem Weg) Geld machen.

Abgesehen davon wäre es aber gar nicht schlecht, wenn Apple wegen der Sammelklage reagieren müsste. Denn es braucht öffentlichen Druck, damit alle Smartphone-Hersteller in Zukunft transparent über den tatsächlich verfügbaren Speicherplatz informieren. 

Wer sich heute auf der Apple-Website über die Speicherkapazität des iPhone 6 informieren möchte, findet lediglich in einer Fussnote den unverständlichen Satz: «1 GB = 1 Milliarde Byte, die tatsächlich formatierte Kapazität ist geringer» ...

Sollen Smartphone-Hersteller transparent über den tatsächlich verfügbaren Speicherplatz informieren?

Apple hat beim internen Speicher die Nase vorn

Dass das Betriebssystem sowie die vorinstallierten Apps eine Menge Platz benötigen, macht sich vor allem bei Modellen bemerkbar, die mit lediglich 16 Gigabyte (GB) oder weniger ausgestattet sind. 

Apple braucht sich aber im Vergleich mit der Konkurrenz nicht zu verstecken. Im Gegenteil. Vor einem Jahr wurde publik, dass iOS-Geräte weniger Platz für System-Software beanspruchen. Zu den «Sündern» gehören hingegen praktisch alle Smartphone-Hersteller, die eine modifizierte Android-Version anbieten, allen voran Samsung. Beim Galaxy S4 mit angeblich 16 GB Speicher stehen nur knapp 8,6 GB für Nutzerdaten zur Verfügung, beim Galaxy S5 noch weniger.

Erwähnenswerte Ausnahme ist Google: Auf den Nexus-Geräten läuft eine pure Android-Version, ohne die ungeliebte Zusatzsoftware von Drittfirmen – auch Bloatware genannt. So bietet das 16-GB-Modell des Nexus 5 immerhin über 12 GB Platz für Nutzerdaten.

Die Situation hat sich mit der Lancierung von iOS 8 weiter zugunsten von Apple verbessert. Bei einem iPhone 6 mit offiziell 16 GB internem Speicher stehen 13 GB Platz für eigene Daten zur Verfügung, beim iPhone 6 Plus sind es 12,7 GB. Bei den Vorgängermodellen iPhone 5C und 5S (mit iOS 8 installiert) soll es in etwa gleich viel sein.

Android hat einen Trumpf im Ärmel

Während sich iPhone-Nutzer mit dem internen Speicher begnügen müssen, bieten andere Smartphones eine günstige Alternative: Nutzerdaten können auf eine einsteckbare Speicherkarte «ausgelagert» werden. 

Den Einsatz solcher SD-Karten hatte auch Samsung empfohlen, als bekannt wurde, dass das modifizierte Android-System und die Samsung-Apps fast die Hälfte des internen Speichers beanspruchen.

Android-Herausgeber Google hat ursprünglich den Einsatz von SD-Karten unterstützt und so den Verkauf günstiger Geräte gefördert. Mit Android 4.4 KitKat wurden die Zugriffsmöglichkeiten aus Sicherheitsgründen aber stark eingeschränkt. Mit Android 5.0 Lollipop bessert sich die Situation aus Nutzersicht: Nun lassen sich Daten extern speichern, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen.

Unter Android 5.0 wird ausserdem die Auslagerung von Inhalten durch Apps vereinfacht. Das gilt insbesondere für Apps, die Fotos, Musik sowie Videos verwalten und häufig zunehmend Speicherplatz benötigen.

Die iPhone-Nutzer kennen dies nur vom Hörensagen. Zwar kann auch bei Apple-Handys ein externer USB-Speicher über die Lightning-Schnittstelle angehängt werden. Doch die Einsatzmöglichkeiten sind begrenzt. Laut dem US-Journalisten Daniel Eran Dilger hat sich Apple bewusst gegen einen SD-Karten-Slot beim iPhone entschieden. Aus Sicherheitsgründen – aber wohl auch, weil iPhones mit grösserem internen Speicher sowie iCloud-Abos mehr Profit bringen.

Mehr Speicher, mehr Transparenz

Aus meiner Sicht ist der Fall klar: Bei der Vermarktung und im Verkauf sollten alle Smartphone-Hersteller transparent auf den tatsächlich verfügbaren internen Speicherplatz hinweisen. Mehr Transparenz hat der Elektronikbranche noch nie geschadet, dies gilt natürlich auch für andere Geräte, bei denen der Speicherplatz relativ teuer ist.

Abgesehen davon sollte Apple keine Mobilgeräte mehr mit lediglich 16 GB Speicherplatz verkaufen, dies haben die Probleme bei der Aktualisierung auf iOS 8 gezeigt. Ganz zu schweigen von dem unsäglich schwach ausgestatteten iPhone 5C mit nur 8 GB Speicher. Angesichts der prall gefüllten Unternehmenskasse könnte das zukünftige Speicher-Plus ohne saftigen Preisaufschlag angeboten werden.

Den Kaliforniern ist auch durchaus zuzutrauen, eine sichere technische Lösung für SD-Speicherkarten zu entwickeln. Allerdings bleibt dies angesichts des zu erwartenden Verkaufsrekords mit dem iPhone 6 und dem iPhone 6 Plus noch länger Zukunftsmusik.

iPhone 6 und iPhone 6 Plus im Test

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