In diesem Land entscheiden sich 99 Prozent der Autokäufer für ein E-Auto – und bei uns?
Europas E-Auto-Markt kommt in Schwung. Die fünf grössten Märkte – Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich – erlebten von Januar bis März ein Rekordquartal für Elektroautos. Gegenüber dem Vorjahr betrug das Wachstum 35 Prozent. In ganz Europa wurden 26 Prozent mehr Stromer verkauft. In der Schweiz legten Elektroautos seit Anfang Jahr um 13 Prozent zu.
Im April ging der Höhenflug weiter: Italien plus 99 Prozent gegenüber April vor einem Jahr, England plus 56 und Frankreich und Deutschland plus 41 Prozent. Solche Wachstumszahlen sahen wir in Europa schon länger nicht mehr.
In einer eigenen Liga spielt Norwegen: Das Land vermeldet, dass im April 99 Prozent aller erstmals eingelösten Personenwagen vollelektrische Autos waren – ein neuer Monatsrekord. Auch Hongkong (94.6 % E-Autos), Dänemark (81.9 %) und Singapur (61.2 %) etablieren sich als Elektroauto-Hochburgen.
Zum Vergleich: Hierzulande entschied sich nur jeder vierte Autokäufer (25,2 %) für einen Stromer. Im internationalen Vergleich wird die Schweiz bei der Antriebswende zur E-Mobilität von immer mehr Ländern überholt.
E-Auto-Anteil an den gesamten Neuzulassungen im April
- Norwegen: 98.6 %
- Hongkong: 94.6 %
- Dänemark: 81.9 %
- Singapur: 61.2 %
- Finnland: 50 %
- Schweden: 40.7 %
- Niederlande: 37.4 %
- Belgien: 37 %
- China: rund 30 % (noch keine definitiven Zahlen für April vorhanden)
- Irland: 27.5 %
- Frankreich: 26.3 %
- Vereinigtes Königreich: 25.9 %
- Deutschland: 25.8 %
- Schweiz: 25.2 %
- Portugal: 22.9 %
- Türkei: 21 %
- Australien: 16.4 %
- Spanien: 9.1 %
- Italien: 8.5 %
- USA: 6 bis 7 % (noch keine definitiven Zahlen für April vorhanden)
Schwellenländer überholen die USA
In grossen Schwellenländern wie Brasilien, Vietnam, Thailand oder der Türkei wurden E-Autos zuletzt schnell beliebter. In diesen Ländern dürfte der E-Auto-Anteil an den Neuwagenverkäufen inzwischen höher als in den USA sein. Allein in Vietnam erreichen Elektroautos, getrieben durch den heimischen E-Auto-Hersteller Vinfast, inzwischen einen Anteil von 35 bis 45 Prozent.
Ein wichtiger Grund dafür ist auch die rasche Expansion chinesischer Elektroauto-Hersteller wie BYD, die laufend neue Märkte erschliessen. Daher sind nun in mehreren Schwellenländern E-Autos verfügbar, die preislich mit Verbrennern gleichauf liegen oder diese sogar unterbieten. Die USA wiederum schotten sich durch extrem hohe Zölle von der günstigeren chinesischen Konkurrenz ab. Anders als in diesen bevölkerungsreichen Schwellenländern (oder auch in Europa) ist die Auswahl an E-Autos in den USA klein und günstige Modelle sind Mangelware.
Selbst steigende Benzinpreise bewirken in den Vereinigten Staaten bislang keinen E-Auto-Boom. Demgegenüber dürften steigende Preise an den Tankstellen in Schwellenländern eher auf die Kaufentscheidung zugunsten von E-Autos durchschlagen.
Ein interessanter Sonderfall ist Äthiopien: Bereits 2022 hat die Regierung Steuervorteile für den Kauf von E-Autos eingeführt. Da das Land am Horn von Afrika seit 2024 den Import von neuen und gebrauchten Verbrenner-Autos weitgehend verboten hat, bestehen Neuzulassungen inzwischen grösstenteils aus Elektrofahrzeugen – mehrheitlich vollelektrisch, teils auch Plug-in-Hybride.
Offiziell ist das Ziel des Landes die Reduzierung der Luftverschmutzung. Hinter dem radikalen Schritt stehen aber handfeste finanzielle und energiepolitische Ziele: Äthiopien muss Benzin und Diesel teuer importieren, während Strom aus Wasserkraft lokal produziert wird. Ein Auto zu laden, ist somit weit günstiger, als es zu betanken. Und natürlich geht es im Endeffekt um die Verbesserung der Energiesouveränität.
Probleme in China, Krise in den USA
Während sich E-Autos in Europa, Südkorea und einigen Schwellenländern immer besser verkaufen, brach der Absatz Anfang Jahr im mit Abstand grössten E-Auto-Markt China temporär um 20 Prozent ein. Der Hauptgrund: Reduzierte Förderprämien führten zu vorgezogenen Käufen im letzten Quartal 2025. Der Trend zeigt aber bereits wieder nach oben. Da chinesische E-Autos inzwischen günstiger als Verbrenner-Modelle sind, können sie sich auch ohne umfassende staatliche Förderung etablieren.
Ganz anders sieht es in den USA aus: Dort brach der Stromer-Absatz im ersten Quartal um 23 Prozent ein. Zuvor hatte die Trump-Regierung im September die E-Auto-Förderung gestrichen. Hersteller wie Ford, GM, Stellantis und Honda fuhren daher zuletzt ihre E-Auto-Entwicklung für den US-Markt massiv zurück. Geplante E-Auto-Modelle wurden eingestampft und stattdessen werden wieder Verbrenner- und Hybrid-Modelle forciert. Der Strategieschwenk führt zu Abschreibungen in Milliardenhöhe. Ford muss 19,5 Milliarden Dollar abschreiben, Honda 12,3 Milliarden und Stellantis 22,2 Milliarden Euro.
Auch deutsche und japanische Hersteller leiden unter den Zöllen der Trump-Regierung, die importierte Autos verteuern und in Kombination mit dem Wegfall der staatlichen Förderung den Verkauf von Elektroautos in den USA erschweren.
Da der Anteil vollelektrischer Autos an den Neuwagenverkäufen in den USA inzwischen nur noch knapp über fünf Prozent liegt, konzentrieren sich die grossen Hersteller auf den Verkauf von Hybrid- und reinen Verbrenner-Modellen. Trumps Absicht, die Fossilindustrie zu fördern, geht voll auf.
In den USA kamen im ersten Quartal 233'000 E-Autos auf die Strassen, in Europa 724'000 und in China 1,32 Millionen.
(oli)
