Weniger als 6000 Brennstoffzellen-Fahrzeuge mit Wasserstoff als Kraftstoff wurden in der ersten Jahreshälfte 2024 weltweit verkauft. Dies entspreche einem Rückgang von 34,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, schreibt das Marktforschungsunternehmen SNE Research. Die exakt 5621 Brennstoffzellen-Fahrzeuge umfassen nicht nur Personenwagen, sondern auch mit Wasserstoff betriebene Nutzfahrzeuge wie Busse und LKWs. Die Bilanz für Wasserstoff-PKWs sieht also noch deutlich schlechter aus.
Zum Vergleich: Von Januar bis Juni 2024 kamen weltweit rund 4,55 Millionen neue Elektroautos auf die Strassen.
Wasserstoffautos hingegen kamen nie aus der Nische und seit zwei Jahren sind sie auf dem absteigenden Ast. Die Verkäufe konzentrieren sich inzwischen auf Südkorea, wo der Brennstoffzellen-Antrieb seit Jahren massiv gefördert wird. Die Kunden wollen trotzdem wenig bis nichts davon wissen. 2024 sind die Verkäufe in der Wasserstoffhochburg Südkorea nochmals um 41,8 Prozent eingebrochen.
Die nüchternen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Nach einem kurzen Zwischenhoch sind die Brennstoffzellen-Autos auch in den USA von 1825 verkauften Einheiten im ersten Halbjahr 2023 auf noch 322 im laufenden Jahr gesunken.
In Europa spielte das Wasserstoffauto nie eine Rolle.
Und bei uns?
In der Schweiz wurden in diesem Jahr bislang 9 Wasserstoffautos neu zugelassen. Diesen stehen 24'821 neu registrierte Elektroautos gegenüber, was einem Marktanteil von 18 Prozent entspricht.
Für den Transport- und Energie-Experten Colin McKerracher vom Marktforschungsdienst BloombergNEF ist das Thema Wasserstoff für Personenwagen vom Tisch: «Im vergangenen Jahr wurden mehr Ferraris als Brennstoffzellenautos verkauft. Hören wir auf, darüber zu reden.»
Dass Wasserstoff in Personenwagen auf unbestimmte Zeit keine Rolle spielen wird, zeigt auch ein Blick nach China: Von den dort zwischen Januar und Juni 2501 abgesetzten Brennstoffzellen-Fahrzeugen sind nur 23 Personenwagen. Die überwiegende Mehrheit entfällt auf Nutzfahrzeuge wie Busse und Lieferwagen.
Zur Einordnung: Im gleichen Zeitraum wurden in China über 2,4 Millionen E-Autos neu zugelassen.
Derzeit strauchelt das Wasserstoffauto bereits am Preis. Toyotas Mirai gibt es bei uns ab 67'000 Franken. Und während bei den E-Autos mit Akkus die Auswahl laufend zunimmt und diverse Modelle ab 25'000 Franken in Sichtweite sind, gibt es bei den Autos mit Brennstoffzelle und Wasserstofftank kaum Auswahl. Abgesehen von Toyota und Hyundai machen fast alle Hersteller einen grossen Bogen um die Brennstoffzelle.
Das sind aber längst nicht alle Probleme: «Der schwankende Wasserstoffpreis, die steigenden Tankkosten und der Mangel an Infrastruktur – all dies erschwert den Konsumenten die bequeme Nutzung von Wasserstoff-Fahrzeugen und gilt als Hauptgrund für den Rückgang», schreibt SNE Research mit Blick auf den südkoreanischen Markt. Entgegen dem von der Regierung vorgeschlagenen Fahrplan habe sich der Vertrieb von Wasserstoffautos verlangsamt und auch die Pläne für die Markteinführung neuer Modelle seien nicht ermutigend.
Toyota beispielsweise versucht seit Jahren, Wasserstoff-Autos zu etablieren – ohne Erfolg: Die Verkäufe des Mirai sind gegenüber dem bereits schwachen Vorjahr um 44,9 Prozent abgestürzt. Das Problem: Kaum jemand investiert in ein weiteres Tankstellen-Netz für Brennstoffzellen-Autos, wenn sich der Siegeszug der E-Autos längst abzeichnet.
Neue, günstigere Akku-Generationen mit schnelleren Ladezeiten, höheren Reichweiten und längerer Lebensdauer sind wohl der nächste Sargnagel für den Wasserstoffantrieb im Personenwagen.
Die fehlenden Wasserstoff-Tankstellen sind aber nur ein Teil des Problems: Selbst wenn es irgendwann ein dichtes Netz geben würde, wären die Tankkosten für Private höchstwahrscheinlich viel zu hoch, da die Herstellung, Verteilung und Umwandlung von (grünem) Wasserstoff in Strom sehr energie- und kostenintensiv ist.
Selbst in Südkorea verlagert sich daher der Schwerpunkt auf wasserstoffbetriebene Nutzfahrzeuge. Wasserstoff soll zumindest im Gütertransport zum Einsatz kommen. Toyota will daher verstärkt wasserstoffbetriebene Lieferwagen produzieren.
Doch auch diese Hoffnung könnte sich in Luft auflösen. Wissenschaftliche Prgonosen gehen davon aus, dass Wasserstoff selbst 2045 zu teuer sein wird, um als Kraftstoff im Strassenverkehr wirtschaftlich zu sein. Die gesamte Schwerindustrie reisst sich um den umweltfreundlichen Kraftstoff, was sinkende Preise wenig wahrscheinlich macht.
Zudem lässt sich elektrische Energie statt für die teure Wasserstoffproduktion auch direkt für einen batterieelektrischen Antrieb nutzen – mit zudem deutlich höherem Gesamtwirkungsgrad. Kurz gesagt: Elektrische Fahrzeuge mit Akkus sind effizienter und wirtschaftlicher als ihre Pendants mit Wasserstofftank.
Der Trend geht daher auch bei den Nutzfahrzeugen Richtung Akku. 2023 wurden bei uns 3914 E-Lieferwagen neu zugelassen – und 1 Lieferwagen mit Wasserstoffantrieb.
Die Fortschritte bei den Batterien (Akkus) sind toll, da gaht öppis! 😊