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Facebook liess Mitarbeiter Aufnahmen von Nutzern aus dem Chatdienst Messenger anhören und abtippen. Eine ähnliche Praxis herrschte auch bei Amazon, Apple und Google. (Symbolbild)

Die US-Regierung macht Druck, weil sie nicht mehr alles mitlesen kann ... Bild: AP

WhatsApp, Facebook und Instagram sollen «Hintertür» erhalten – wegen Kinderschändern

Drei Regierungen sprechen sich öffentlich gegen eine sichere End-zu-End-Verschlüsselung bei Facebooks Messenger-Diensten aus. Doch der Datenkrake wehrt sich.



«Das würde die Privatsphäre und Sicherheit von Menschen überall untergraben.»

Facebook

Die Regierungen der USA, Grossbritanniens und Australiens haben sich gegen die Pläne von Facebook für eine Verschlüsselung von Messenger-Nachrichten gewandt.

In einem Schreiben an Facebook-Chef Mark Zuckerberg forderten Minister der drei Länder das Online-Netzwerk am Donnerstag auf, keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vorzunehmen, ohne den Strafverfolgungsbehörden einen gesetzlich rechtmässigen Zugang zu den Nachrichten zu ermöglichen.

Die Kommunikation der Nutzer dürfe nicht so stark verschlüsselt sein, dass Ermittler diese im Bedarfsfall nicht lesen könnten, heisst es in dem Schreiben. Es gehe um «den Schutz unserer Bürger».

Betroffen sind der Facebook-Messenger und der Instagram-Messenger, die noch nicht standardmässig mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung versehen sind. Dies im Gegensatz zu WhatsApp, das ebenfalls zu Facebook gehört: Da wurde die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung 2016 eingeführt.

Zudem will Facebook die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung plattformübergreifend einführen, so dass mehr als zwei Milliarden User abhörsicher kommunizieren könnten.

Wegen Kindesmissbrauchs

Unterzeichnet wurde der Brief von US-Justizminister Bill Barr, dem amtierenden US-Heimatschutzminister Kevin McAleenan, der britischen Innenministerin Priti Patel und ihrem australischen Kollegen Peter Dutton.

Die drei Regierungen begründen ihre Forderung mit dem Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch. Allein 2018 meldete Facebook fast 17 Millionen Fälle möglichen Kindesmissbrauchs, mit der geplanten Verschlüsselung wären rund 12 Millionen Fälle davon aber wohl nicht bemerkt worden, wie es in dem Brief nach Angaben des US-Heimatschutzministeriums vom Donnerstag (Ortszeit) hiess.

Facebook will seine Messenger-Dienste künftig stärker verschlüsseln. Mit der sogenannten End-zu-End-Verschlüsselung hätte das US-Unternehmen keinen Zugriff mehr auf die direkt von einem Nutzer zu einem anderen Nutzer gesendeten und verschlüsselten Nachrichten.

Damit könnte Facebook auch bei gerichtlich angeordneten Überwachungen oder Durchsuchungsbefehlen nicht mehr auf die Nachrichten zugreifen. Diese Barriere könne es Kriminellen erlauben, einer Strafverfolgung zu entgehen, weil wichtige Beweise versteckt blieben, heisst es in dem Brief der drei Regierungen weiter.

Facebook will nicht mitmachen

Facebook verteidigte seine Pläne – und erteilte der Forderung der Minister eine Absage. «Wir wenden uns entschieden gegen Versuche von Regierungen, Hintertüren einzubauen», erklärte das soziale Netzwerk. «Das würde die Privatsphäre und Sicherheit von Menschen überall untergraben.»

Sicherheitsbehörden in aller Welt wollen im Zuge von Ermittlungen auf Nachrichten zugreifen können, die über Messengerdienste verschickt wurden – ähnlich wie beim Abhören von Telefonen. Eine Verschlüsselung erschwert den Strafverfolgungsbehörden den Zugriff auf solche Kommunikation erheblich.

Facebook wendet beim Messengerdienst WhatsApp bereits eine End-zu-End-Verschlüsselung an. Viele Datenschützer sehen in der stärkeren Verschlüsselung einen Vorteil, weil alle Gesprächsinhalte besser vor unbefugtem Zugriff geschützt werden.

(dsc/sda/afp/dpa)

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