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Heimlich filmen: Facebook lanciert Kamerabrille im Ray-Ban-Look

Facebook Glasses, 10. September 2021.
So sieht Facebooks Sonnenbrille mit integrierter Videokamera aus. Die US-Reporterin Joanna Stern konnte damit unbemerkt Leute bei Gesprächen im Park aufnehmen.Screenshot: YouTube

Heimlich filmen? Check ✅ Facebook lanciert Kamerabrille im Ray-Ban-Look

09.09.2021, 20:0410.09.2021, 08:47
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Facebook hat eine «Smart-Brille» vorgestellt, mit der man unbemerkt Fotos und Videos aufnehmen kann.

Mark Zuckerberg sagte bei der Präsentation des Gadgets in der Nacht auf Freitag, es seien kleine LED-Leuchten ins Brillengestell integriert, um Dritte zu warnen.

Mit der «Ray-Ban Stories» könne man auch Anrufe annehmen oder Podcasts hören, da in den Brillenbügeln Lautsprecher eingebaut seien, erklärte der Facebook-Chef.

Im Gegensatz zu den wegen massiver Datenschutz-Bedenken gescheiterten Google Glasses verfügt Facebooks Ray-Ban-Brille nicht über einen integrierten Monitor. Es sind aber Mikrofone verbaut, sodass neben Videos und Bildern auch heimliche Tonaufnahmen der Aussenwelt möglich sind.

Die Facebook-Brille werde vorerst nur in Australien, den USA, Kanada, Irland, Italien und Grossbritannien angeboten. Projektpartner bei den «Ray-Ban Stories» – so die Marketing-Bezeichnung für die Kamerabrille – ist die italienische Luxottica-Gruppe, zu der Ray-Ban seit 1999 gehört.

Verkaufspreis: ab 299 US-Dollar.

Heimlich filmen? Check ✅

Die Brille verfügt über eine physische Taste auf dem Bügel, um die Foto- oder Videoaufnahme auszulösen. Sie kann aber auch mit einem Sprachbefehl («Hey Facebook, nimm ein Video auf») freihändig aktiviert werden.

Zum Schutz der Privatsphäre leuchtet neben der Kamera eine kleine weisse LED auf, wenn die Kamera ein Foto oder Video aufnimmt. «Das ist mehr, als jedes Smartphone macht», sagte Zuckerberg.

Die US-Journalistin Joanna Stern vom «Wall Street Journal» (WSJ) konnte die Kamerabrille bereits im Alltag testen und kommt zu einem beunruhigenden Fazit: Die Sonnenbrille sehe dermassen normal aus, dass nur wenige Leute bemerkten, wie sie heimlich Aufnahmen von ihnen machte.

Die Kamerabrille im Einsatz:

Im Brillen-Rahmen stecken zwei nach vorne gerichtete 5-Megapixel-Kameras für die Aufnahme von Videos und Fotos. Die Aufnahmen lassen sich mit der App Facebook View auf dem Smartphone synchronisieren und in sozialen Netzwerken teilen. Dies passiere erst, nachdem die Brillennutzerin, respektive der -nutzer, die Zustimmung gegeben habe.

Facebook View, Screenshots zu Facebooks Kamerabrille.
Facebook verspricht, es würden nur Userdaten gesammelt, die es für den Betrieb der Kamerabrille brauche.Bild: Facebook
Facebook ruft dazu auf, die Kamerabrille nicht missbräuchlich zu verwenden. Man solle sie an gewissen Orten deaktivieren, etwa in der Umkleidekabine, auf öffentlichen Toiletten etc.
Facebook ruft dazu auf, die Kamerabrille nicht missbräuchlich zu verwenden. Man solle sie an gewissen Orten deaktivieren, etwa in der Umkleidekabine, auf öffentlichen Toiletten etc.screenshot: about.fb.com

So kündigte Zuckerberg die Kamerabrille an:

Da die Bilder auch in der normalen Foto-App eines Smartphones gespeichert werden können, funktioniert das nicht nur mit den Diensten aus dem Facebook-Konzern, also Facebook selbst, Instagram und WhatsApp, sondern mit beliebigen Netzwerken wie Twitter oder Snapchat.

Mit ihrer Hauptfunktion, Fotos und Videos aufzunehmen, entspricht die Ray-Ban Stories der Snapchat-Brille Spectacles, die 2016 mit einem grossen PR-Rummel auf den Markt gebracht wurde, aber dann kaum Käufer fand. Die Lautsprecher an beiden Bügeln können den Ton von einem Smartphone über Bluetooth wiedergeben.

Quellen

(dsc/sda/dpa)

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19 Kommentare
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Statler
10.09.2021 02:09registriert März 2014
Zum Glück gibt's ja keine Kleber oder schwarze Filzstifte, mit denen man diese LED überpinseln könnte.

Ich hoffe, das Teil verrottet in den Regalen.

Ansonsten werde ich zukünftig einen grossen Bogen um Leute machen, die eine Ray Ban tragen.
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Holiduli
10.09.2021 08:46registriert Oktober 2015
«Hey Facebook, nimm ein Video auf»

Die Welt am verblöden.
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Rabenfuss
10.09.2021 00:45registriert Mai 2019
„Smart“… ein inflationär eingesetzter Begriff.
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