Arbeiterinnen werden mit 2 Dollar pro Stunde bezahlt, um dich auf OnlyFans anzumachen
Wenn ein OnlyFans-Abonnent einer Creatorin schreibt, stellt er sich oft vor, mit der Person zu chatten, die auf den Fotos zu sehen ist, von denen er träumt. Er ist bereit, immer wieder Geld auszugeben, um diese Verbindung aufrechtzuerhalten. Doch dass die Creatorin mit ihm schreibt, ist nicht immer der Fall.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Laut einer Untersuchung der BBC werden manche Gespräche in Wirklichkeit von sogenannten «Chattern» geführt – Arbeitskräften, die dafür bezahlt werden, Fans zu antworten und sich dabei als die Models auszugeben.
OnlyFans verspricht einen direkten Zugang zu den Creatorinnen. Doch die beliebtesten Accounts können jeden Tag Hunderte von Nachrichten erhalten. Um diesen Ansturm zu bewältigen, lagern manche Creatorinnen – oder die Agenturen, die sie vertreten – die Gespräche an spezialisierte Teams aus.
Diese Chatter haben die Aufgabe, die Illusion eines intimen Austauschs aufrechtzuerhalten. Sie flirten, reagieren auf die persönlichen Geständnisse der Abonnenten und ermutigen sie, zusätzliche Inhalte zu kaufen.
2 Dollar pro Stunde
Laut der BBC sind einige dieser Arbeitskräfte in Ländern tätig, in denen die Löhne sehr niedrig sind. Eine von ihnen, die auf den Philippinen lebt, erklärt anonym, sie werde mit etwa zwei Dollar pro Stunde bezahlt, um die Nachrichten für eine Creatorin zu verwalten. Dabei muss sie oft mehrere Gespräche gleichzeitig führen und zugleich den Ton und die Persönlichkeit des Models übernehmen.
Eine Gewerkschaft, die diese Arbeitskräfte vertritt, äusserte gegenüber dem Medium ihre Besorgnis und verwies auf den «weitgehend unregulierten Charakter dieser Art von Online-Arbeit».
Die Plattform selbst wollte diese Enthüllungen nicht kommentieren.
Eine finanzielle Chance
Für manche Arbeitskräfte bleibt diese Art von Job dennoch eine berufliche Chance, da sie ein stabiles Einkommen ermöglicht – und von zu Hause aus erledigt werden kann.
Doch andere hören auf, weil sie sich unwohl dabei fühlen, Abonnenten zu täuschen, die überzeugt sind, direkt mit der Creatorin zu sprechen, für deren Inhalte sie bezahlen. «Es gibt Tage, an denen ich mich frage: Was mache ich hier eigentlich?», erklärt die anonyme Arbeiterin gegenüber dem Medium.
Zu beachten ist ausserdem, dass auf den Philippinen relativ strenge Gesetze in Bezug auf Pornografie gelten. Für manche kann eine solche Tätigkeit dennoch ein höheres Einkommenspotenzial bieten als lokale Jobs. (max)
