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Apple darf nicht zum (unfreiwilligen) Gehilfen von Big Brother werden

epa08767260 A woman takes photographs of iPhone 12 smartphones in a mobile store in Taipei, Taiwan, 23 October 2020. On 23 October, Apple launched the iPhone 12 and iPhone 12 Pro in Taiwan. EPA/DAVID  ...
«Was auf deinem iPhone passiert, bleibt auf deinem iPhone», versprach Apple.Bild: keystone
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Sorry Apple, das reicht nicht!

Wegen der schlecht vorbereiteten Lancierung einer fragwürdigen neuen Kinderschutz-Technik droht Apple ein Debakel. Noch ist es für Tim Cook nicht zu spät, das Steuer herumzureissen.
14.08.2021, 18:0116.08.2021, 09:06

Apple will gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern vorgehen und die Verbreitung abscheulicher Aufnahmen eindämmen. Das ist löblich. Doch «gut gemeint» bedeutet nicht automatisch gut gemacht. Im Gegenteil.

Statt die für viele Menschen überlebenswichtige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung digitaler Kommunikation zu stärken und auszubauen, wird diese vielleicht entscheidend geschwächt, befürchten unabhängige Fachleute.

Renommierte Experten und bekannte Persönlichkeiten wie der Whistleblower und Internetaktivist Edward Snowden warnen eindringlich davor, dass Apple die technischen Voraussetzungen für ein Big-Brother-System schaffe.

Auch wenn dies die Kalifornier sicher nicht anstreben: Das Risiko besteht. Und China lässt grüssen.

Zur Erinnerung: Apple ist ein Innovationsführer und hat schon verschiedene Technologien massentauglich gemacht. Sollten die Kalifornier an ihren Plänen festhalten, ist damit zu rechnen, dass auch andere Techkonzerne vergleichbare Überwachungs-Tools auf «ihren» Geräten einführen.

Die Frage bleibt: Wie konnte ausgerechnet das Unternehmen, das seit Jahren «Privacy» als Killerargument vermarktet und den Datenschutz hochhält, dermassen patzen? Warum wurden nicht vor der Ankündigung viel mehr unabhängige Experten beigezogen und alle Bedenken ausgeräumt?

Es genügt nun nicht, wenn hochrangige Manager wie der Software-Chef Craig Federighi «Beruhigungspillen» verteilen in Form von öffentlichen Absichtserklärungen. Und auch das häppchenweise Nachschieben technischer Details zu den Kinderschutz-Tools wirkt alles andere als durchdacht.

Das reichste Unternehmen der Welt tut gut daran, alle Befürchtungen mit knallharten Fakten und schonungsloser Transparenz zu entkräften. Sollte dies nicht möglich sein, muss das Vorhaben gestoppt werden.

Apple präzisiert nach Kritik
Nachdem Apples angekündigtes System zum Aufspüren kinderpornografischer Fotos Überwachungsängste geweckt hat, bessert der iPhone-Konzern nach. So gab Apple bekannt, dass in eine Datenbank zum Abgleich mit bereits bekannten Missbrauchsbildern nur Inhalte kommen sollen, die von mindestens zwei Kinderschutzorganisationen aus verschiedenen Ländern eingebracht wurden.

Kritiker der Apple-Pläne hatten unter anderem davor gewarnt, ein autoritärer Staat könne versuchen, in die Datenbank auch Bilder mit politischen Motiven einzuschleusen, um zu erfahren, wer sie auf den Handys hat.

Apple hatte bei der ersten Ankündigung vergangene Woche keine Angaben dazu gemacht, bei wie vielen Übereinstimmungen das System anschlägt. Am Freitag gab der Konzern bekannt, dass die Schwelle bei rund 30 Bildern liegen soll.

(sda/dpa)

Die Vorgeschichte

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