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iPod am Arm. Apples MP3-Player begleitete die User fast überall hin.
iPod am Arm. Apples MP3-Player begleitete die User fast überall hin.archivBild: AP
Kommentar

Was mein iPod über mich verrät – ein «Nachruf»

Er tröstete bei Liebeskummer und lieferte den Soundtrack für die Interrail-Reise. Der iPod begleitete mich durch die Jugend. Nun stellt Apple die Herstellung ein.
11.05.2022, 20:54
Anna Raymann / ch media

Der iPod wird zum Museumsstück. Wer in dieser Schublade voller Kabelknoten, Adaptern und dem alten Camcorder noch einen liegen hat, sollte ihn nun als Zeitdokument aufbewahren. Kult ist der iPod schon längst.

Vor über 20 Jahren, 2001, präsentierte Apple-Gründer Steve Jobs den ersten MP3-Player, den ersten iPod. Es dauerte ein wenig, bis ihm pünktlich zum Weihnachtsgeschäft 2004 der Durchbruch gelang. Ein paar Jahre später dürfte auch ich die vier Buchstaben auf meinen Wunschzettel geschrieben und dabei meine Eltern mit vor dem Spiegel trainierten Hundeblick angesehen haben. Der kleine Musikplayer für die Hosentasche war das erste technische Gerät, das ich unbedingt haben wollte.

Das Design ist auch bestechend: Ein Bildschirm für den Überblick, ein Knopf zum Drehen, «Play», «Pause», «Vor» und «Zurück.» Mehr braucht es nicht. An ein Smartphone dachte ich jedenfalls noch lange nicht.

Archiv einer Jugend

Also grabe ich in dieser Schublade und finde tatsächlich neben der ausgedienten Kompakt-Kamera noch meinen «iPod Nano». Beides hat das Smartphone inzwischen obsolet gemacht, so argumentiert auch Apple. Das Gerät an den Strom angeschlossen, blinkt auf dem Display noch kurz der angebissene Apfel auf, bevor sich der Soundtrack meiner Jugend in bunten Albumcovern vor mir auffächert. Welche Hits, welche musikalischen Peinlichkeiten werden sich darunter finden?

653 Titel lang ist die nostalgische Zeitreise. Und die Datenlage gibt noch mehr her: Alternative / Punk – 15 Alben, Hip Hop – zwei, Folk – sechs (es ist die Zeit als «Mumford & Sons» und «The Lumineers» gross waren), Pop – vier Alben.

Der erste Titel ist nicht - und das überrascht mich als Kind der 90er selbst - von «B» wie «Backstreet Boys» oder Brittney Spears, sondern von «B» wie Bob Marley. Ich erinnere mich an die Pluderhose, an den Versuch, eine Dreadlock zu knoten, die nach 2 Tagen wieder aufging. Und das Piercing oben am Ohr, gestochen bei einem billigen Juwelier für 15 Franken, das erst schrecklich brannte und dann wieder zuwuchs. Auf dem Home-Button klebt ein glitzernder Smiley – «Don’t worry, be happy» ist unter den 25 meistgespielten Titeln.

Musik ist eine Zeitkapsel

Überhaupt war mein Musikgeschmack irgendwie cooler, als ich in Erinnerung habe. Für «The Doors», «Mando Diao» und «Patti Smith» muss sich wirklich niemand schämen. Der Zufall - beim iPod heisst er «Shuffle» - ist da ehrlicher. Er findet Songs von «Silbermond» und «Coldplay». Das ist Musik, zu der man in der hintersten Reihe im Bus verträumt aus dem Fenster schaut. Die Jugend steckt voller Klischees, auch wenn sich die Playlist alle Mühe gibt, sie zu verschleiern.

Die erste Verliebtheit fühlte sich nun mal noch süsser an mit dem Gitarrenduett aus «Juno» im Ohr, die Komödie lief vor 14 Jahren in den Schweizer Kinos. Und die Sehnsucht nach Weite auf der Interrailreise unterstrich Eddie Vedder mit der Filmmusik aus «Into the Wild» schamlos, der Film ist 15 Jahre alt. Musik ist eine Zeitkapsel.

Lange lag der kleine Musikplayer mit dem Smiley auf dem Knopf in der Kabelschublade und wird wohl auch dorthin zurückkehren. Der letzte Song auf meinem iPod wurde vor acht Jahren hinzugefügt. Vor acht Jahren marschierte Russland schon einmal in die Ukraine ein. Das Virus, das uns in Atem hielt, hiess nicht Corona, sondern Ebola. Und die österreichische Dragqueen Conchita Wurst gewann den Eurovision Song Contest.

(aargauerzeitung.ch)

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