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Nach Kylies Post mit den Nike-Sneakers schossen die Preise der Schuhe in die Höhe. Bild: watson/shutterstock/keystone/stockx

Sneaker-Dealen boomt – und was das mit Kylie Jenner zu tun hat

Sneaker werden gehandelt wie Aktien. Ein grosser Faktor: Stars wie Kylie Jenner oder Drake. Wie läuft das Business? Wir haben bei jemandem nachgefragt, der es wissen muss.



Sie nennen sich Sneakerheads. Menschen, die Tausende Franken für seltene Nikes, Adidas und Pumas ausgeben. Die geschäftstüchtigen unter ihnen stehen stundenlang vor einem Laden, wenn ein neuer Schuh gedroppt wird und verkaufen ihn dann teuer weiter.

Einer davon ist Janis De Giorgi aus Rümlang, Kanton Zürich. Der 29-Jährige arbeitet als kaufmännischer Angestellter bei einer Sicherheitsfirma, Sneaker-Dealer ist er momentan nur in seiner Freizeit. «Ein netter Nebenverdienst», wie er es nennt. Bald möchte er es zu seinem Job machen.

«Es geht nicht nur darum, Schuhe zu verkaufen. Sondern auch um die Community.»

Angefangen hat es vor 14 Jahren: Damals war der Schweizer mit italienischen Wurzeln mit seinem Bruder in Mailand. In einem Schuhladen sah er ihn: Einen Jordan «Retro 4 Green Glow». Er musste ihn haben. Zurück in der Schweiz sprachen ihn viele darauf an: Woher hast du den? Wie viel hast du bezahlt? Den Schuh hatte er für 180 Euro gekauft. Die Reaktionen: Wow, guter Preis! Dann hat er herausgefunden, dass der Schuh limitiert war und es ein Glücksfall war, dass er diesen im Laden kaufen konnte. Im Internet suchte er nach dem Wiederverkaufspreis: 300 Euro. «Krass, dachte ich», sagt Janis.

Da begann Janis' Leidenschaft für limitierte Schuhe. Zuerst nur für sich selbst – weil er es mag, Schuhe zu tragen, die nicht alle besitzen. Plötzlich bemerkte er, dass einige seiner gekauften Schuhe nun einen viel höheren Wert hatten – und er fing damit an, sie zu verkaufen.

Vor fünf Jahren sei er acht Stunden inklusive Übernachtung vor dem Schuhhändler Titolo in Zürich für den ersten Release des «Yeezy Boost» Sneaker angestanden. Der Yeezy Boost war damals ein extrem gehypter Sneaker, designt vom Rapstar Kanye West in Kollaboration mit Adidas. Diesen habe er gekauft für den Einkaufspreis von 250 Franken. Im Netz hatte der Schuh danach aufgrund der Limitation einen Wiederverkaufswert von ca. 1'600 Franken.

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Kanye West hat zusammen mit Adidas den legendären «Yeezy Boost» Sneaker designt. screenshot: stockx

Zu Beginn war Janis einer der wenigen, der sich für seltene Sneakers interessierte. Mittlerweile ist das Sneakergame längst im Mainstream angekommen. «Alle sind am durchdrehen. Seit ein paar Jahren ist es wirklich heavy», sagt er. Grund dafür sei unter anderem auch die Verstrickung der Stars mit dem Design der Schuhe. «Es droppen schon krasse Sachen. Da gibt es einen Kanye West, der plötzlich mit Adidas arbeitet, oder einen Travis Scott in Kollaboration mit Nike und Jordan.»

«Theoretisch kannst du, wenn Kylie ein neues Bild postet, davon ausgehen, dass der Wert dieses Schuhs am nächsten Tag explodieren wird, weil ihn alle haben wollen.»

Janis

Heute wird das Schuhgeschäft hauptsächlich über das Internet abgewickelt. Ein wichtiges Instrument ist die Resell-Plattform StockX. Dort werden Schuhe gehandelt wie Aktien. «Es ist ein grosses Geschäft», sagt Janis. Er spekuliere, welcher Schuh im Wert steigern wird und investiert dann. «In einem Monat ist er dann entweder teurer, oder auch nicht. Es ist immer ein Risiko.»

Einen grossen Einfluss auf den Resell-Wert eines Schuhs haben Stars. Experten von der Resell-Plattform StockX sprechen gegenüber watson von einem speziellen Fall: Diesen Sommer etwa postete Kylie Jenner ein Bild, in dem sie den sogenannten «Nike SB Dunk High Ferris Bueller» trägt. Kurz darauf sind die Preise für den seltenen Schuh explodiert: Auf StockX wurde er vor Kylies Post für durchschnittlich 686 Franken verkauft. Zwei Tage nach ihrem Post ist der Durchschnittspreis auf fast 1079 Franken gestiegen – ein Anstieg um fast 50 Prozent. Inzwischen liegt der Wert des Schuhs je nach Grösse zwischen 1375 und 3119 Franken.

Das ist der Post von Kylie Jenner:

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Und das ist die Preisentwicklung auf StockX:

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Kylie postete das Bild im Mai – danach sind die Preise explodiert. Screenshot: stockx

«Es lässt sich ein eindeutiges Muster erkennen», sagen die Experten gegenüber watson. Kylie Jenner hat in diesem Jahr mehrmals Fotos mit seltenen SB Dunks gepostet – jedes Mal seien danach die Preise und Verkäufe für genau diese Modelle gestiegen.

Zwar ist die Wertsteigerung auf die steigende Nachfrage nach allen SB Dunks zurückzuführen – die Preise für SB-Dunks sind in den letzten sechs Monaten um etwa 50 Prozent gestiegen und das Verkaufsvolumen hat sich verdoppelt – bei den SB-Dunks, die Kylie trägt, ist das Ausmass allerdings weitgehend auf ihren Einfluss zurückzuführen.

Janis kann dies bestätigen. Stars wie Drake oder Travis Scott haben einen grossen Einfluss auf den Wert eines Schuhs. «Theoretisch kannst du, wenn Kylie ein neues Bild postet, davon ausgehen, dass der Wert dieses Schuhs am nächsten Tag explodieren wird, weil ihn alle haben wollen.»

Basketballer Michael Jordan, Ursprung und Gesicht der Jordan-Schuhe, zeigte das mit der Netflix-Dokuserie «The Last Dance». Jeden Tag, an dem eine neue Folge ausgestrahlt wurde, hat StockX einen Anstieg an Suchanfragen von bis zu 76 Prozent an Jordan Produkten verzeichnet. Direkt nach den zwei letzten Episoden stieg der Verkaufspreis für den Schuh «Jordan 12 Flu Game» auf 400 US-Dollar, sprich 30 Prozent mehr als zuvor. Beim Modell, das in der der letzten Episode vorkam, dem «Jordan 14 Retro Last Shot» (2018), waren es sogar 55 Prozent mehr im Vergleich zum Durchschnittspreis der vorherigen 12 Monate.

Auch Janis hat bereits davon profitiert. Mit dem Schuh «Jordan 1 Off White» habe er am meisten Gewinn gemacht. «Ich habe den Schuh für ungefähr 220 Franken gekauft – und ihn dann für 2000 Franken weiterverkauft. 1800 Franken, einfach so an einem Tag.»

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Janis (Mitte) mit seinen beiden Kollegen Robin Krebser (links) und Paul Pienitz (rechts). bild: janis de giorgi

Janis macht sein Hobby nun zu seinem Beruf. Mit zwei Partnern gründet er die Resell-Firma «Sneakerlaclasse GmbH». «Es geht da aber nicht nur darum, Schuhe zu verkaufen. Sondern auch um die Community», sagt er. «Es ist ein riesiges Netzwerk, alle mit der gleichen Passion. Da habe ich schon viele coole Dudes kennengelernt und Freunde gefunden.»

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