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Blick über das Hafenareal des Rheinhafens Birsfelden.
Blick über das Hafenareal des Rheinhafens Birsfelden.archivBild: KEYSTONE

Wegen einer Cyberattacke müssen Gemeinde-Angestellte auf dem Boden arbeiten

Die Verwaltung der Baselbieter Gemeinde Birsfelden will umziehen, doch wegen eines Cyberangriffs fehlen die benötigten Stühle und Tische. Der Zügeltermin fällt ins Wasser, auf unbestimmte Zeit.
05.11.2020, 08:03
Benjamin Wieland / ch media

Zuerst hatte sie kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu. Seit Jahren schon hatte die Gemeinde einen neuen Standort für ihre Verwaltung gesucht, vergeblich. Vor zwei Jahren klappte es: Birsfelden konnte der Basel­landschaftlichen Kantonalbank (BLKB) ihr Gebäude am Zentrumsplatz abkaufen. In diesen Tagen hätten die ersten Mitarbeitenden umziehen sollen. Doch jetzt fehlen die Möbel – der Zügeltermin fällt ins Wasser, auf unbestimmte Zeit.

Und Birsfelden kann nicht einmal etwas dafür. Grund für die Verzögerung ist, dass die Firma, die die Möbel für die neue Verwaltung produziert, Opfer einer Cyberattacke geworden ist. «Daraufhin war sie gezwungen», teilt die Gemeinde mit, «alle operativen Tätigkeiten einzustellen.»

«Alles einrichten und später wieder abbauen und ausräumen – das erschien uns dann doch ein zu grosser Aufwand.»

Man habe sich auch schon überlegt, die alten Möbel in die neuen Büros mitzunehmen, sagt Martin Schürmann, Birsfelder Gemeindeverwalter: «Aber alles einrichten und später wieder abbauen und ausräumen – das erschien uns dann doch ein zu grosser Aufwand.»

Hersteller legt nach Angriff die Produktion still

Bestellt hat die Gemeinde die Möbel nicht selbst. Sie vergab den Einrichtungsauftrag mittels Submission an die Büroplanungsfirma WSA, und die wurde bei Steelcase fündig, dem laut eigenen Angaben grössten Büromöbelhersteller der Welt mit Sitz in Grand Rapids im US-Bundesstaat Michigan und mit diversen Niederlassungen in Europa.

Dieses Set Tisch-Stuhl hat Birsfelden bestellt.
Dieses Set Tisch-Stuhl hat Birsfelden bestellt.bild: steelcase

Ende Oktober meldete Steelcase der US-Börsenaufsicht, man sei Opfer einer Cyberattacke geworden. Die Urheber versuchen demnach, die Firma zu erpressen. Steelcase teilte mit, die betroffenen Systeme seien sofort abgeschaltet worden. Ob sensible Daten in die Hände von Kriminellen gefallen sind, war laut der Meldung nicht bekannt. Man sei daran, den Betrieb wieder hochzufahren.

Mitarbeitende müssen auf dem Boden arbeiten oder sich anders behelfen

Trotzdem ist der Schaden offensichtlich so gross, dass Birsfelden weiterhin auf seine Möbel warten muss. Dabei sind gar nicht alle Einrichtungsgegenstände bei Steelcase bestellt worden, sagt Schürmann: «Das Mobiliar für die Pausenräume und die Sitzungszimmer kommt von einem Hersteller in der Schweiz und wäre parat.» Weil jedoch mit dem Ausfall von Steelcase neben Schränken auch Pulte und Stühle fehlen, müssten die Mitarbeitenden auf dem Boden arbeiten oder sich anders behelfen.

Es sei auch nicht möglich, alle Angestellten ins Homeoffice zu schicken, sagt Schürmann. Zwar arbeite schon ein grosser Teil der Belegschaft von zu Hause aus. «Die Verwaltung ist noch immer stark von Akten und Dokumenten in Papierform abhängig.» Man warte mit dem Umzug zu, bis die rund 50 Arbeitsplätze eingerichtet seien. Im Dezember 2018 sprach die Gemeindeversammlung 8.7 Millionen Franken für den Kauf von Stockwerkeigentum in der früheren BLKB-Filiale.

Später genehmigte der Souverän weitere 4.3 Millionen Franken für Umbau, Möblierung und Umzug. Wie teuer die Verzögerung zu stehen komme, wisse man noch nicht, sagt Schürmann. Entgegen kommt der Gemeinde, dass ihr nicht nur die neue Verwaltung gehört, sondern auch der alte Standort an der Hardstrasse 21.

Dort harren die Mitarbeitenden jetzt einfach so lange aus, bis ihre neuen Möbel da sind.

(bzbasel.ch)

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13 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Miimiip! aka Roadrunn_er
05.11.2020 09:36registriert Juli 2018
Denke bei öffentlichen Einrichtungen oder Verwaltungen sollte man schweizer Firmen berücksichtigen. Wäre wahrscheinlich auch effizienter und umweltfreundlicher als Büromöbel über den Atlantik zu schippern. Zudem würde ja das ausgegebene Geld wieder teilweise in Form von Steuern und Arbeitsplätzen zurückfliessen.
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Hohl mich der Teufel
05.11.2020 09:44registriert März 2017
Dann storniert die Bestellung (falls nicht schon unterwegs) und bestellt verdammt nochmal Schweizer Möbel. Eigentlich sollte der Bund und Kanton sowieso - wenn möglich - nur eigene Produkte kaufen dürfen.
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RicoH
05.11.2020 12:10registriert Mai 2019
Ja klar, alles neu. Kostet die Steuerzahler ja nichts...
Und warum muss in den USA bestellt werden? Es gäbe sicher Lösungen mit alt und neu aus Schweizer Quellen.
Ich finde das Vorgehen unverschämt.
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