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ChatGPT soll in Microsoft Office integriert werden – Chancen und Risiken

Microsoft-Chef Satya Nadella – in einer KI-generierten Illustration.
Microsoft-Chef Satya Nadella – in einer KI-generierten Illustration.bild: openai/dall-e

KI soll in Microsoft Office integriert werden – was soll da schon schiefgehen

Der Windows-Konzern will seine Produktivitäts-Software mit Künstlicher Intelligenz aufmotzen. Office-Assistent Karl Klammer könnte abdanken.
09.01.2023, 19:4511.01.2023, 06:23
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Wenige Tage nach einem Bericht, dass ChatGPT in die Suchmaschine Bing integriert werden soll, haben zwei US-Journalisten noch viel grössere Pläne für den KI-Chatbot enthüllt. Demnach will Microsoft sein Büro-Softwarepaket Office mit der Künstlichen Intelligenz (KI) aufmotzen. Dieser Beitrag dreht sich um die wichtigsten Fragen.

Was hat Microsoft konkret vor?

Unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet The Information, dass Microsoft vorhabe, ChatGPT-Funktionen in Word, PowerPoint, Outlook und andere Apps zu integrieren.

Seit über einem Jahr arbeiteten die Ingenieure und Forscher von Microsoft daran, personalisierte KI-Tools zum Verfassen von E-Mails und anderen Texten zu entwickeln.

Was sind die Chancen?

Die Nutzerinnen und Nutzer der kostenpflichtigen Office-Programme sollen auf Knopfdruck Texte automatisch generieren können, die zum jeweiligen Kontext passen. Zum Beispiel könnte die KI eine perfekte Antwort auf ein Kundenbegehren verfassen. Oder blitzschnell die passenden Überschriften zu Präsentations-Folien erstellen und einfügen.

Bessere Suchergebnisse

Ein extrem vielversprechendes Gebiet ist das schnelle Auffinden von Inhalten. Eine gut funktionierende KI hat das Potenzial, die Google-Suche in den Schatten zu stellen.

Zum Beispiel liesse sich dank KI ohne jeglichen Aufwand herausfinden, wonach in einem Mail-Account gesucht wird, selbst wenn man nicht die genauen Schlüsselwörter eingibt, die in den relevanten E-Mails enthalten sind.

Bessere Texte

Schliesslich könnte die KI auch inhaltliche Änderungen in Text-Dokumenten empfehlen, (zu komplizierten) Fachjargon erkennen helfen und umformulieren, und das Geschriebene generell für andere leichter verständlich machen.

Soll heissen: Im besten Fall wird die KI den menschlichen Anwenderinnen und Anwendern helfen, viel Zeit und anderen Aufwand einzusparen. Und die Empfängerinnen und Empfänger profitieren von benutzerfreundlicheren Inhalten.

Was hat Microsoft davon?

Dem US-Konzern winken gewaltige Mehreinnahmen, sollte sich die KI tatsächlich sinnvoll und vor allem auch sicher in die populären Office-Programme integrieren lassen.

Microsoft hat eine Lizenz für den Code hinter GPT-3, das ist das Modell für natürliche Sprache, auf dem die KI basiert. Dies erlaubt es dem Windows-Konzern, die Technologie direkt in seine eigenen Produkte zu integrieren.

Die vom US-Unternehmen OpenAI entwickelte KI läuft bereits heute exklusiv auf der Azure-Plattform von Microsoft, also in entsprechenden Rechenzentren rund um den Globus.

Office macht fast einen Viertel des Umsatzes von Microsoft aus, das Cloud-Geschäft (Azure) über 30 Prozent.

Und die Risiken?

Es sei für Microsoft nicht ohne Risiko, KI-Funktionen in seine Produktivitätssoftware einzubinden, konstatiert golem.de.

User könnten sich «in einer falschen Sicherheit wiegen, mit solchen Werkzeugen bessere Lösungen und Antworten zu generieren als ihren eigenen Kopf anzustrengen».

Die Antworten der KI wirkten auf den ersten Blick schlüssig. «Fachwissen ersetzen sie jedoch nicht.»

Überdies drohen Risiken bezüglich Datensicherheit und Datenschutz, die derzeit allerdings schwer einzuschätzen sind, weil wir die Abwehrmassnahmen nicht kennen.

KI-Chatbots könnten missbräuchlich verwendet werden, um Daten zu stehlen oder Malware zu verbreiten. Denkbar wäre etwa, dass Kriminelle geschickt manipulierte E-Mails versenden, die Schadsoftware enthalten, oder versuchen, die Usernamen und Passwörter abzugreifen. Darüber hinaus könnte die KI auch eingesetzt werden, um unbedarfte Personen dazu zu verleiten, manipulierte Webseiten aufzurufen.

Wann soll das lanciert werden?

Das ist nicht bekannt.

Für welche anderen Zwecke nutzt Microsoft die KI?

An seiner Entwicklerkonferenz im Mai 2021 hatte das Unternehmen angekündigt, die KI in die Microsoft Power Apps zu integrieren. Dies soll Menschen ohne Programmierkenntnisse ermöglichen, eigene Apps zu erstellen. Man müsse nicht mal mehr wissen, wie man Code oder Formeln schreibt.

Die neuen KI-gestützten Funktionen sollen es beispielsweise ermöglichen, E-Commerce-Anwendungen zu entwickeln, indem man lediglich das Programmierziel formuliert.

Profitieren sollen aber auch professionelle Entwickler mit fundierter Programmiererfahrung. Sie werden von lästigen Routinearbeiten entlastet und haben Zeit für Anderes.

«GPT-4 wird ein Monster»
Mit ChatGPT testet das US-Unternehmen OpenAI derzeit eine Software, die natürliche Sprache verarbeiten und verblüffend menschlich wirkende Antworten liefern kann. Sie basiert auf einem Sprachverarbeitungsmodell namens GPT-3 (respektive GPT-3.5). Laut dem Kognitionswissenschaftler Gary Marcus ist diese Software aber nur ein Vorgeschmack auf eine mächtige Nachfolgerin. Das für den Frühling 2023 erwartete neue Sprachmodell GPT-4 werde den aktuellen KI-Chatbot völlig in den Schatten stellen und viel mehr Aufsehen erregen, prophezeit der amerikanische Wissenschaftler. «GPT-4 wird ein Monster», zitiert ihn the-decoder.com. Die neue Software werde aber auch die gleichen Schwächen aufweisen wie die bisherige. Dem KI-Modell fehle es «an einem grundlegenden Verständnis der Welt», was zu manchmal haarsträubenden – oder, noch gefährlicher, zu subtilen – Falschaussagen führe.

Quellen

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40 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rethinking
09.01.2023 20:15registriert Oktober 2018
Also am besten wäre es ja wenn mein KI-Assisten:in mit der KI-Assistent:in meines Gegenübers alles klärt und uns dann einfach noch informiert was besprochen und entschieden wurde…

Ich bin dan mal weg… 🏝️
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HugiHans
09.01.2023 20:20registriert Juli 2018
Bald nur noch: Liebes Word. Bitte schreibe mir meine 120-seitige Master-Arbeit inklusive Quellenangaben. Vielen Dank.

Cool 😎
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mrmikech
09.01.2023 23:38registriert Juni 2016
"Dem KI-Modell fehle es «an einem grundlegenden Verständnis der Welt», was zu manchmal haarsträubenden – oder, noch gefährlicher, zu subtilen – Falschaussagen führe."

Geht bei vielen Menschen auch so...
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