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Dieser aggressive Roboter wird zu einer Gefahr für die Menschheit. bild: zvg

Review

Wie gut ist der interaktive Thriller «Detroit: Become Human» wirklich? Der Test zeigt es

Das französische Studio Quantic Dream hat nach jahrelanger Arbeit ein intensives, interaktives Drama abgeliefert. Der Einfluss auf den Storyverlauf ist gigantisch. Jede einzelne Entscheidung hat ihre Konsequenzen und es warten mannigfach Überraschungen.



Die Jungs und Mädels von Quantic Dream wissen wie es geht. Bereits mit dem interaktiven Thriller «Heavy Rain» und dem Mysterie-Drama «Beyond: Two Souls» haben sie Videospiele kreiert, wo die Entscheidungen des Spielers, der Spielerin zu unterschiedlichen Ausgängen führen. Mit «Detroit: Become Human» setzen sie nochmals einen drauf und schenken ein gigantisches Geflecht aus Entscheidungen, die ganz viele Wendungen und Enden möglich machen.

Düstere Zukunftsversion

Wir schreiben das Jahr 2038. Androiden, künstlich erzeugte Menschen, sind allgegenwärtig und bereichern das gesellschaftliche Leben. Diese Roboter werden zu tausenden produziert und in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt. Sie dienen sowohl als Arbeitskräfte und werden auch als simple Beamte in Büros eingesetzt. Auch im privaten Leben sind sie anzutreffen. Sie schmeissen den Haushalt oder dienen als Babysitter für gestresste Menschen.

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Diverse Androiden stehen im Schaufenster bereit, um käuflich erworben zu werden. bild: zvg

Die Maschinen erheben sich

Das Zentrum dieser neuen Industrie ist Detroit, wo sich allerdings immer mehr eine Abneigung gegenüber den künstlichen Intelligenzen entwickelt. Denn viele Menschen sind durch die Roboter arbeitslos geworden und verachten die Computerhirne. Die Gefahr eines grossen Konflikts staut sich auf. Zusätzlich durchleben die Androiden eine Evolution. Viele entwickeln plötzlich eigene Gefühle und beginnen alles zu hinterfragen. Diese sogenannten Abweichler werden immer mehr zum Problem. Es kommt zu diversen Zwischenfällen, wodurch auch Menschen sterben.

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Schöne neue Welt, aber die Androiden beginnen sich zu erheben. bild: zvg

Drei Geschichten, ein Drama

Im Spiel stehen drei unterschiedliche Androiden im Zentrum, die jeweils eine eigene Geschichte erzählen. Connor ist ein Ermittler, der im Auftrag der Polizei Jagd auf die Abweichler macht und immer mehr gegen seine eigene Gefühlswelt kämpfen muss. Markus pflegt zunächst einen alten Mann im Rollstuhl bis auch bei ihm die Programmierung versagt und er zu einer Gefahr für die Menschheit wird. Und schliesslich ist da noch Kara, eine Haushaltshilfe, die durch eigens verschuldete Umstände plötzlich von der Polizei gesucht wird. Alle drei Geschichten verlaufen zunächst parallel. Doch es ist schon in den ersten Minuten absehbar, dass die drei früher oder später miteinander zu tun haben werden.

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Kara ist eine einfache Haushaltskraft, kommt aber schnell mit dem Gesetz in Konflikt. bild: zvg

Mehr passiv als aktiv

Wie bei Quantic Dream üblich ist der Spieler, die Spielerin mehr passiv als aktiv. In den einzelnen Spielabschnitten können zwar die Figuren in einem sehr begrenzten Areal gesteuert werden, doch kaum hat man sich ans freie Gehen gewöhnt, wird man sofort wieder mit einer Zwischensequenz herausgerissen. In der Regel folgt dann der Zwang, sich für etwas zu entscheiden. Entweder wählt man in einem Dialog bestimmte Antworten aus oder sucht einen bestimmten Ausweg aus dem Setting. Die Freiheit des Spielers, der Spielerin wird also im aktiven Spielabschnitt stark begrenzt. Man kann zwar diverse Gegenstände untersuchen, in Magazinen blättern oder eine Wohnung genauer betrachten, doch das Spiel gibt schnell wieder die Richtung vor, wo es hingehen soll.

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Soll man abdrücken oder doch lieber nicht? bild: zvg

Viele, viele Möglichkeiten

Wo es allerdings genau hingehen soll, das darf man zum grössten Teil selber entscheiden. Wer jetzt denkt, dass die Möglichkeiten überschaubar sind, wird am Ende jedes Spielabschnitts staunen. Dabei wird jeweils auf einer Entscheidungskarte aufgezeigt, welche anderen Wege und Entscheidungen es noch gegeben hätte. Und die Anzahl der Möglichkeiten ist gigantisch. Es gibt bei jedem Abschnitt viele Weggabelungen. Dabei wird keineswegs verraten, wie die Geschichte hätte verlaufen können, sondern lediglich aufgezeigt, wo es wie viele Abzweigungen gibt. Schon nach dem ersten Abschnitt festigt sich dabei die Idee im Hinterkopf, das Spiel auf jeden Fall nach dem Ende nochmals durchzuspielen.

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Jede einzelne Handlung hat ihre Konsequenzen. bild: zvg

Die perfekte Illusion

Auch wenn man zu Beginn das Gefühl hat, den Fortlauf der Geschichte zu kennen, wird man immer wieder durch Wendungen überrascht, für die man auch selber verantwortlich ist. Dadurch wird ständig vermittelt, dass man die Geschichte selber in den Händen hält. Zwar besitzt das Spiel technische Grenzen, weil jede der vielen Szenen, jeder Ausgang vorprogrammiert wurden, aber es gaukelt auch gleichzeitig eine Grenzenlosigkeit auf. Kurz: Das Spiel kreiert eine perfekte Illusion der spielerischen Freiheit.

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Die spielerische Freiheit bleibt eine Illusion. bild: zvg

Ein Fest für die Augen

Das Spiel ist eine Grafikbombe. Es war schon im Voraus zu erahnen, dass hier optisch mit der ganz grossen Kelle angerichtet wird. Aber dass das Spiel so gut aussehen würde, ist eine zusätzliche Überraschung. Mimik und Gestik der Figuren sind eine Wucht. Alleine schon wenn man beim Startbildschirm von einem Gesicht direkt angesprochen wird, kippt die Kinnlade nach unten. Natürlich ist der Unterschied zu einem realen menschlichen Gesicht immer noch erkennbar. Aber Quantic Dreams hat mit der Hilfe der Motion-Capturing-Technik ganz tolle Arbeit geleistet. Dafür enttäuscht die musikalische Untermalung. Die beiden vorangegangenen Werke hatten eindringliche Ohrwürmer, die sogar dazu verleiteten den Soundtrack käuflich zu erwerben. «Detroit: Become Human» schwächelt in diesem Bereich.

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Bei einer solchen Optik dürfen Grafikfans laut jubeln. bild: zvg

Ordentlicher Umfang

Im Voraus wurde von offizieller Seite mitgeteilt, dass das Spiel 20 bis 30 Stunden in Anspruch nehmen wird. Das ist jedoch übertrieben. Selbst wer sich in jedem Areal alles genau ansieht, wird irgendwann dazu gezwungen, weiterzumachen. Es gibt vor allem auch stressige Abschnitte, die man in einem bestimmten Zeitfenster erledigen muss. Wer also zügig voran geht, nicht gleich mit allem interagieren muss und trotzdem ab und zu mal in aller Ruhe die spannenden Nachrichten im Hintergrund verfolgt, wird etwa um die 10 Stunden Spielzeit verbuchen.

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Es gibt viel zu tun in dieser futuristischen Stadt. bild: zvg

Spielen und geniessen

Fazit: «Detroit: Become Human» sollte man aus zwei Gründen spielen: Da wäre zum einen die sehr beeindruckende Optik, wo man einfach nur über das Gezeigte staunen kann. Wenn die Macher mit digitalen Figuren Empathie erwecken können, haben sie alles richtig gemacht. Zum anderen ist da die erzählte Geschichte, die man bis zu einem bestimmten Grad selber bestimmen kann. Die Möglichkeiten der Abzweigungen sind riesig und verleiten dazu, das Spiel mehrmals durchzuspielen. Denn alle Entscheidungen des Spielers, auch wenn sie noch so trivial sind, führen zu anderen Ausgängen, die wiederum andere Spielerlebnisse kreieren. Zudem besitzt dieses Videospiel einen sozialkritischen Unterton und packt diverse Tabuthemen wie Kindesmissbrauch oder Rassismus nicht mit Samthandschuhen an. Spielen, eintauchen und geniessen!

«Detroit: Become Human» ist exklusiv erhältlich für Playstation 4 und freigegeben ab 18 Jahren.

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Video: watson/Knackeboul, Lya Saxer

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lumina 25.05.2018 17:33
    Highlight Highlight Ich hab erst vor einer knappen Stunde damit angefangen die Vollversion zu spielen, welche heute Nachmittag in meinen Briefkasten lag.

    Aber die Demo vor nem knappen Monat war schon ganz nett, da dürfte die Vollversion kaum schlechter sein.
  • w'ever 24.05.2018 16:16
    Highlight Highlight hab mir gerade die ersten walkthroughs angesehen. sieht fantastisch aus. interessantes konzept. aber könnte ein wenig langatmig werden
  • Pana 24.05.2018 16:12
    Highlight Highlight Für interaktive Thriller empfehle ich die Tex Murphy Serie.

Warum ich von «Control» (zuerst) enttäuscht wurde

Der neue Mystery-Thriller aus dem Hause Remedy ist verwirrend, nervenaufreibend und oft einfach nur hässlich unfair. Doch je länger man sich in dieser verschachtelten Welt aufhält, desto mehr darf man «Control» geniessen.

Was habe ich mich auf «Control» gefreut. Ich war voller Zuversicht. «Alan Wake» aus dem Jahr 2010 war für mich ein Meisterwerk und hat mich in eine Welt gesogen, die mir unvergessliche Erlebnisse bescherte. Als «Quantum Break» 2016 auf uns losgelassen wurde, war die Vorfreude ebenfalls gross. Doch so ganz konnte diese Mischung aus Videospiel und TV-Serie nicht überzeugen. Das Ganze war unterhaltend, ohne aber irgendwelche grossen Fussabdrücke zu hinterlassen.

«Control» ist da wieder …

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