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Apples Macbook Air mit M2-Chip im Test: Der fast perfekte Begleiter

Das Macbook Air mit M2-Chip (2022)
Das mitternachtsblaue neue Macbook Air. Was es mit den Plastikhandschuhen auf sich hat, erfährst du im watson-Video (weiter unten).Bild: watson
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Apples Macbook Air mit M2-Chip im Test: Darum ist es der fast perfekte Begleiter

watson konnte den neusten Apple-Laptop vor dem Verkaufsstart testen. Hier sind die ersten Eindrücke und eine persönliche Einschätzung.
14.07.2022, 18:2014.07.2022, 20:53
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Mit dem Macbook Air lehrte Apple die PC-Konkurrenz ab 2008 das Fürchten. Steve Jobs zauberte es aus einem Couvert und pries es als das dünnste Notebook der Welt an.

Das war ein schlauer Marketing-Trick und die perfekte Ablenkung von der grössten Schwäche des «Ultrabooks»: Es war nicht nur dünn, sondern hatte auch kaum «Ausdauer».

Die Kundinnen und Kunden kümmerte die Akkuleistung wenig und der damals günstigste tragbare Mac wurde zum Verkaufsschlager, ja zu Apples meistverkauftem Laptop.

Umso gespannter durfte man nun auf das Redesign sein, das die Kalifornier ihrem neusten Air verpasst haben. Es ist bereits die zweite Generation, die von «Apple Silicon» angetrieben wird – nach dem Modell mit M1-Chip (Ende 2020).

Das ist ein Express-Review – für richtig ausgiebiges Testen hat die Zeit (noch) nicht gereicht. Am letzten Dienstag brachte mir der Kurier das neue Macbook Air mit M2-Chip. Diesen Freitag (15. Juli) kommt es offiziell in den Verkauf.

Im Folgenden fasse ich meine ersten Eindrücke zusammen und vergleiche das neue «Leichtgewicht» hauptsächlich mit seinem direkten Vorgänger. Denn auch das Macbook Air mit M1-Chip führt Apple weiterhin im Sortiment. Zu einem deutlich günstigeren Preis (etwas mehr als 1000 Fr.).

Wir müssen aber auch über das aktualisierte Macbook Pro (mit M2-Chip) sprechen. Denn auch da gibt es ziemlich grosse Ähnlichkeiten, ja eine enge Verwandtschaft, wie die Nachfolgerin von Chefdesigner Jony Ive erklärt.

Spoiler: 14 Jahre nach der Lancierung des allerersten Macbook Air muss sich die Apple-Konkurrenz erneut auf etwas gefasst machen: Es gibt aus meiner Sicht (fast) keinen praktischen Grund mehr, das neue Air nicht zu kaufen.

Für eilige User (tl;dr)

Das Macbook Air mit M2-Chip (2022) ist nach persönlicher Einschätzung des watson-Redaktors ein aussichtsreicher Kandidat für den Titel «Consumer-Laptop des Jahres».

Der von Apple angesetzte Einstiegspreis ist mit knapp 1390 Franken relativ hoch, doch bietet das 13,6-Zoll-Gerät ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Es deckt die Bedürfnisse der allermeisten Nutzerinnen und Nutzer ab, sei dies in Beruf, Privatleben oder während der Ausbildung, und ist wegen der Chip-Eigenentwicklung zukunftssicher.

Pro und Contra

+ Sehr leistungsfähiger M2-Chip
+ Energieeffizient und ausdauernd
+ Modernes Industrie-Design
+ Leicht, dünn, portabel
+ Helleres, grösseres LCD-Display
+ «MagSafe» (unfallsicheres Aufladen)
+ Gute Webcam (1080p)
– Teurer als frühere MacBook-Air-Modelle
– Einkerbung am oberen Display-Rand («Notch») wie beim iPhone
– Unterstützt nur 1 externen Monitor
– kein HDMI-Anschluss, kein SD-Karten-Slot
– Schnellladen kostet extra

Für wen ist es?

Das Macbook Air mit M2-Chip eignet sich für alle Nutzerinnen und Nutzer, die ein höchst portables Notebook suchen und dabei Wert auf ein Rundum-sorglos-Paket legen. Das weniger als 1,3 Kilogramm schwere leichte Mobilgerät bietet interessierten PC-Usern eine hervorragende Gelegenheit, sich über den Windows-Tellerrand hinaus zu wagen. Und falls es gar nicht anders geht, läuft darauf sogar Windows 11.

Look & Feel

Wer das neue Air zum ersten Mal in die Hand nimmt, wird unweigerlich überrascht sein. Es ist ein sehr dünnes und leichtes Notebook, das trotz des kantigen Designs angenehm in der Hand liegt. Es wirkt in etwa wie ein (grosses) iPad Pro, natürlich ohne Touch-Screen! Ein haptisches Vergnügen der Extraklasse bietet dafür das Trackpad mit seiner Gestensteuerung. Hier kann man nach Herzenslust streiche(l)n, wischen und drücken und damit schnell und präzise navigieren.

Das Unibody-Gehäuse aus 100 Prozent rezykliertem Aluminium wirkt gerade bei sommerlich heissen Temperaturen angenehm kühl, wenn man es auf dem Schoss liegen hat.

Damit sind wir bei der Gehäusefarbe. Und da bietet der Hersteller neben den langweiligen herkömmlichen Farben Silber und Spacegrau neu auch «Mitternacht» – ein dunkler Blauton – sowie «Polarstern» – eine Art Beige – zur Wahl an.

Das Macbook Air mit M2-Chip (2022)
Das Mitternachts-Blau ist optisch tatsächlich eine Wucht. Je nach Lichteinfall und Helligkeit variiert der Farbton. Er ist übrigens von dem Vulkangestein Basalt inspiriert, wie Evans Hankey, Vice President of Industrial Design bei Apple verraten hat. Zu ihr erfährst du gleich mehr.Bild: watson

Das Macbook Air M2 setzt im Gegensatz zum aktualisierten 13-Zoll-Macbook-Pro (mit M2) die moderne Designsprache von Apple um. Diese kannten wir bislang von den 14- und 16-Zoll-Macbook-Pro-Modellen. Die Display-Ränder sind viel dünner, dafür steckt die Frontkamera in einer auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftigen Einkerbung (Notch). Wie schon beim iPhone stellt sich aber relativ schnell ein Gewöhnungseffekt ein und man achtet nicht mehr darauf.

Das neue Air im Video

«Hands-on» und Einschätzung zum Macbook Air (2022):

Video: watson

Im neuen Air steckt viel Frauen-Power 💪

Wie die «New York Times» diese Woche berichtete, trennt sich Apple endgültig vom langjährigen Chefdesigner Jony Ive. Der Brite prägte jahrzehntelang das Produkte-Design. Doch seit 2019 führt eine Frau das «Industrial Design»-Team.

Ives Nachfolgerin heisst Evans Hankey und ist genau so medienscheu wie ihr berühmter Vorgänger mit dem «Sir»-Titel. Es existieren nur wenig Fotografien von Hankey – ihr Arbeitgeber Apple stellt im «Newsroom» leider keins zur Verfügung.

Auch bei LinkedIn gibt die langjährige Apple-Angestellte, die an der Standford University studierte, wenig preis. Hier sehen wir sie in einem Ausschnitt eines bei Twitter veröffentlichten Fotos. Sie h ...
Auch bei LinkedIn gibt die langjährige Apple-Angestellte, die an der Standford University studierte, wenig preis. Hier sehen wir sie in einem Ausschnitt eines bei Twitter veröffentlichten Fotos. Sie hat beim Design vieler ikonischer Apple-Produkte mitgewirkt und ist in Hunderten von Patentanmeldungen als Erfinderin verewigt. screenshot: twitter

Nachdem Ive das Unternehmen 2019 verlassen hatte, übernahm Hankey die Verantwortung für das Produktdesign und ist seitdem für das Erscheinungsbild aller seiner Geräte verantwortlich – vom iPhone bis zu den AirPods.

Ihr jüngstes «Kind»: das neue Macbook Air.

Diesen Mittwoch hat GQ, «das Männermagazin für Mode, Technik und Unterhaltung» einen Beitrag zu den starken Frauen in Apples Produkte-Design-Team publiziert. Dabei geht es selbstverständlich auch um PR für das neue Gerät.

Im lesenswerten Artikel (siehe Quellen) lässt uns Hankey auch ein wenig hinter die Kulissen blicken. Sie verrät:

«Es war das erste Mal, dass wir uns vorgenommen haben, gemeinsam eine Produktfamilie zu entwickeln. Wir haben das Air nicht isoliert entworfen, sondern zusammen mit dem MacBook Pro.»

Apple hört auf die User

Der unfallsichere MagSafe-Ladeanschluss, den Apple während vielen Jahren bei Macbooks verbaut hat, ist zurück. Das heisst, auch übervorsichtige User müssen nicht mehr befürchten, dass jemand Schusseliges ins eingesteckte Ladekabel läuft und dabei gleich das Gerät vom Tisch reisst.

MagSafe-Ladeanschluss beim Macbook Air mit M2-Chip (2022)
Der MagSafe-Ladeanschluss mit farblich passendem Kabel, daneben die USB-C-Anschlüsse.Bild: watson

Erfreulich ist auch die Verbesserung bei der in den oberen Bereich des Displays integrierten Webcam. Sie löst nun endlich mit 1080p auf und genügt damit den in Pandemie-Zeiten gestiegenen Ansprüchen bezüglich Videokonferenzen. Und sie vermag auch bei schlechteren Lichtverhältnissen zu überzeugen, wie die ersten praktischen Versuche ergaben.

Kraft und Ausdauer

In meinem Review zum Vorgängermodell, dem Macbook Air mit M1-Chip, schrieb ich Ende 2020:

Die Leistungsfähigkeit von Laptops- und Desktop-Rechern muss neu nicht mehr über schwer verdauliche Kennzahlen wie Prozessor-Taktraten «erraten» werden. Und die Grösse des Arbeitsspeichers (RAM) wird zur Marginalie. Dafür rücken echte Kundenbedürfnisse wie die Geräte-Ausdauer und die benutzerfreundliche Software immer stärker ins Zentrum.
quelle: watson.ch

An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Im Gegenteil. Mit jeder neuen Chip-Generation – aktuell nun der M2 – zeigt sich der technische Vorsprung des Unternehmens. Es geht nicht nur um rohe «Rechen-Power», sondern um intelligenten, energieeffizienten Ressourcen-Einsatz.

Daraus resultiert ein ausdauernder und gleichzeitig leistungsfähiger Laptop, bei dem sich die allermeisten Nutzerinnen und Nutzer keine Gedanken zur Konfiguration machen müssen. Selbst das Basismodell deckt ihre Bedürfnisse ab. Und Profi-Anwender mit hohen oder höchsten Ansprüchen werden sich ohnehin den «Pro»-Geräten zuwenden.

Flüsterleise, aber...

Das MacBook Air ist weiterhin passiv gekühlt, während beim MacBook Pro (M2) ein aktiver Lüfter verbaut ist.

Wenn man das Air über mehrere Minuten hinweg rechnerisch stark belastet, zum Beispiel durch Video-Schnitt-Software, dann kann die Leistung automatisch etwas gedrosselt werden, damit sich das Gerät nicht überhitzt. In meinen ersten Versuchen machte sich dies allerdings nicht bemerkbar. Hier gilt es die bestimmt folgenden Tests durch Dritte abzuwarten.

Was fehlt?

Leidenschaftliche Fotografen und Videofilmer dürften den fehlenden SD-Karten-Slot vermissen. Den behält Apple den kostspieligeren Macbook-Pro-Modellen vor.

Leider unterstützt das neue MacBook Air auch nicht mehr als einen externen Monitor gleichzeitig. Aber auch dies dürften 99 Prozent der Käuferinnen und Käufer problemlos verschmerzen respektive in Kauf nehmen. Das wichtigste Kriterium bei Apples Einsteiger-Laptop war immer die Portabilität. Und da legen die Kalifornier erneut die Latte höher.

Das oben Geschriebene gilt auch für HDMI.

Was ich in den ersten Tagen mit dem neuen Macbook Air überhaupt nicht vermisst habe, ist die «Touch Bar», also das berührungsempfindliche Bedienelement, das Apple bei Pro-Modellen im obersten Tastatur-Bereich anbietet. Beim M2-Air prangen dort traditionelle Funktionstasten, die im Vergleich mit dem Vorgängermodell deutlich grösser sind.

Mein persönliches Fazit: Das neue Air mit M2-Chip ist seit Langem das erste Mobilgerät, das ich erfahrenen Apple-Usern und neugierige Umsteigern wärmstens empfehlen kann.

Was meinen andere Apple-Kenner?

Am Donnerstagnachmittag, kurz vor dem offiziellen Verkaufsstart (am 15. Juli 2022), endete die von Apple verfügte Sperrfrist für die ausgewählten Medienleute und Blogger, die das Macbook Air bereits ausprobieren konnten. Nachfolgend verlinken wir auf interessante Reviews und Videos.

The Verge (Review):

CNET (Review)

Tech-YouTuber Dave2D

Die Spezifikationen
(Macbook Air M2)​

  • Preis: ab 1385 Franken,
    für Studierende ab 1275 Franken.
  • Chip: Apple M2
  • Sensoren: TouchID (Finger-Scanner)
  • Abmessungen: 30,4 x 21,5 cm, 1,13 cm dick
  • Gewicht: 1240 Gramm
  • Display: 13,6 Zoll LCD («Liquid Retina») mit 2560 x 1664 Pixel Auflösung und bis zu 500 Nits Helligkeit
  • Akkulaufzeit: bis zu 18 Stunden
    (bei Videowiedergabe, laut Hersteller)
  • Aufladen: mit beiliegendem MagSafe-Kabel oder über ein USB-C-Kabel mit Adapter (bis zu 67 Watt)
  • Schnellladen: Ja, gegen Aufpreis. Das Basismodell kommt mit einem 30-Watt-Ladegerät, teureren Modellen liegt wahlweise ein Dual-USB-C-Ladegerät (35 Watt) oder ein 67-Watt-Ladegerät bei. Schnellladen mit 67 Watt unterstützt auch die günstigste Variante (80 Prozent in 20 Minuten).
  • Arbeitsspeicher: 8 bis 24 GB (gegen Aufpreis)
  • Interner Speicher (SSD): 256 GB bis 2 TB (optional)
  • Webcam: 1080p
  • Anschlüsse: 2 x USB-C (Thunderbolt), 3,5mm-Kopfhörerbuchse

Quellen

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35 Kommentare
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LURCH
14.07.2022 23:38registriert November 2019
Jep, MacSchurter hat es gemacht!
Das einzige was mich irritiert, ist das martialische Tool zum Öffnen des nicht Apple-konformen Paketes, das ja sonst nur zum Ausweiden von Tieren zur Anwendung kommt.
Ausserdem müssen deine Mitmenschen ja ihre helle Freude an deinem Putzfimmel haben, aber dafür gibt es ja inzwischen auch Therapien.
Bei mir würde im Fall auch noch das einte oder andere verstaubte Gerät herumliegen.
Ansonsten danke für deine Präsentation. War ja auch schon von Anfang an mein Favorit.
Apples Macbook Air mit M2-Chip im Test: Darum ist es der fast perfekte Begleiter\nJep, MacSchurter hat es gemacht!
Das einzige was mich irritiert ist das martialische Tool zum öffnen des nicht Apple- ...
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