Mercedes' neuer Elektro-Van will den Markt aufmischen
Seit fast 30 Jahren gehört die V-Klasse zum Programm von Mercedes. Doch trotz mehrerer Modellgenerationen blieb der grosse Van immer auch ein naher Verwandter der Transporter der Marke. Mit dem neuen VLE will Mercedes diese Nähe nun auflösen: Der Nachfolger basiert auf einer neuen Plattform und soll sich deutlich stärker an den Personenwagen der Marke orientieren.
Der VLE entsteht erstmals als eigenständig entwickeltes Pkw-Modell und nicht mehr als Ableger eines Nutzfahrzeugs. Mercedes stattet den Van unter anderem mit Luftfederung, Hinterachslenkung und den aktuellen Assistenzsystemen der Marke aus.
Mehr Variabilität im Innenraum
Im Innenraum will Mercedes vor allem bei Variabilität und Komfort zulegen. Die Sitze sind leichter geworden und lassen sich auf integrierten Rollen einfacher verschieben oder ausbauen. Je nach Ausstattung stehen unterschiedliche Einzelsitze und Sitzbänke zur Wahl, darunter auch Varianten mit Liegefunktion für den Fond.
Neu sind ausserdem die Schiebetüren mit vollständig versenkbaren Fenstern. Damit reagiert Mercedes auf einen Kritikpunkt der bisherigen V-Klasse, bei der sich die Scheiben hinten nicht öffnen liessen. Serienmässig hat der VLE zwei elektrische Schiebetüren, die Heckscheibe lässt sich weiterhin separat öffnen.
Auch digital rückt der Van näher an die Pkw der Marke. Im Cockpit kann sich optional der sogenannte MBUX Superscreen mit drei Displays über die gesamte Breite des Armaturenbretts erstrecken. Für die Passagiere im Fond lässt sich zusätzlich ein grosser Bildschirm aus dem Dachhimmel ausklappen, der etwa für Filme, Videokonferenzen oder Spiele genutzt werden kann. Damit wollen die Schwaben auch bei der chinesischen Kundschaft punkten, die sich meist im Fond sitzend durch die Staus der Metropolen chauffieren lässt.
Der VLE misst 5,31 Meter in der Länge (Vorgänger: 4,90 bis 5,37 Meter) und bietet bei einem Radstand von 3,34 Metern Platz für bis zu acht Personen. Je nach Sitzkonfiguration fasst der Kofferraum zwischen 795 und über 4000 Liter Gepäck. Auch eine längere Variante ist geplant.
Elektrisch zum Start
Zunächst kommen die elektrischen Versionen auf den Markt. Den Einstieg bildet der VLE 300 mit 200 kW Leistung und Hinterradantrieb. Seine Batterie hat eine Kapazität von 115 Kilowattstunden und soll eine Reichweite von mehr als 700 Kilometern ermöglichen. Geladen wird mit bis zu 300 Kilowatt – unter optimalen Bedingungen soll Strom für rund 320 Kilometer in etwa 15 Minuten nachgeladen sein.
Im Sommer folgt mit dem VLE 400 4MATIC eine stärkere Variante mit zwei Elektromotoren und Allradantrieb. Weitere Versionen mit kleinerer Batterie sollen später folgen, ebenso Varianten mit Verbrennungsmotor.
Auch eine Luxusversion ist geplant
Mit dem Modell richtet sich Mercedes an unterschiedliche Kundengruppen – von Familien über Freizeitnutzer bis zu Shuttle-Diensten. Gleichzeitig soll der Van stärker im Premiumsegment positioniert werden als die bisherige V-Klasse. Im Markt trifft der VLE unter anderem auf den elektrischen Volkswagen ID. Buzz, der allerdings kürzer ausfällt. In China konkurriert das Modell zudem mit luxuriösen Grossraumvans wie dem Lexus LM oder dem Denza D9.
Der VLE markiert dabei erst den Anfang der neuen Van-Generation bei Mercedes. Auf derselben Basis plant der Hersteller eine noch stärker auf Komfort ausgerichtete Variante mit der Bezeichnung VLS. Sie soll ab 2027 auf Basis der langen Version entstehen und den Van in puncto Komfort auf das Niveau der S-Klasse bringen.
Marktstart und Preis
Der elektrische Mercedes-Van VLE soll ab Sommer 2026 zu den Kunden rollen. Die Preise starten vorerst bei rund 88'000 Euro für das Modell mit dem grossen Akku. Das Basismodell mit dem kleineren 80-kWh-Akku (LFP) folgt später mit Preisen ab rund 68'000 Euro (Schweizer Preise sind noch nicht bekannt).

