Diese 400-Franken-Handys zeigen perfekt, warum 1000-Franken-Smartphones Quatsch sind
Das Londoner Start-up Nothing ist für seine ausgefallenen Schöpfungen bekannt – und auch die neuen Smartphones ziehen alle Blicke auf sich. «Ist das so fertig?», fragt der Bürokollege, als er die transparente Rückseite des Nothing Phone 4a erspäht. Ja, das Design ist gewöhnungsbedürftig und polarisiert: «Super-hässlich» oder «erfrischend anders»? Das darf jede(r) für sich selbst beantworten.
Unbestritten ist: Nothing kann mehr als kontroverses Design. Das 2020 gegründete Unternehmen hat sich rasch einen Ruf als Hersteller guter und gleichwohl bezahlbarer Mittelklasse-Smartphones erarbeitet.
Werden auch die neuen Geräte diesen Vorschusslorbeeren gerecht?
Das Wichtigste (fast) in Kürze
Wie bei Samsung und Google steht das «a» für Mittelklasse. Das Nothing Phone 4a ist ab 329 Franken seit dem 13. März im Verkauf, das 4a Pro ab 429 Franken seit dem 27. März. Eines vorweg: Beide Preise sind dem Gebotenen angemessen. Ein neues Oberklasse-Modell soll erst im nächsten Jahr folgen.
- Nothing Phone 4a:
- 8+128 GB: 329 Franken
- 12+256 GB: 409 Franken
- Farben: Schwarz, Weiss (Pink und Blau nur mit 256-GB-Variante) - Nothing Phone 4a Pro:
- 8+128 GB: 429 Franken
- 12+256 GB: 499 Franken
- Farben: Schwarz, Silber (Pink nur mit 256-GB-Variante)
Ich testete beide Modelle in den vergangenen Wochen ausgiebig im Alltag und kann sagen, die Unterschiede sind subtil: Display, Performance und Kamera überzeugen bei beiden Geräten – jeweils mit kaum wahrnehmbaren Vorteilen für das Pro-Modell. Auch die Akkulaufzeit und Ladegeschwindigkeit – beide grundsolide – sind identisch. Kabelloses Laden fehlt bei beiden Modellen, sie können lediglich Strom via Kabel abgeben, also als «Powerbank» andere Geräte laden.
Die Differenzen liegen in den Details, die trotzdem für manche entscheidend sind: Obwohl beide Smartphones gleich gross und tadellos verarbeitet sind, fühlt sich das Pro-Modell hochwertiger an. Es hat zudem etwas dünnere Displayränder und dem Basismodell fehlt der eSIM-Support. Auch der Schutz gegen Wasser ist beim Pro-Modell minim besser, wobei beide Geräte problemlos im Regen genutzt werden können, aber nicht länger als 20 Minuten untertauchen sollten. Staubdicht sind beide.
Nothing Phone 4a und 4a Pro erhalten drei Jahre Android-Updates und sechs Jahre Sicherheits-Updates. Das können andere Hersteller besser.
Alle Spezifikationen im Detail findest du hier.
Design und Display
Nothing Phone 4a und 4a Pro haben rund 6,8 Zoll grosse OLED-Displays, die gegenüber mehr als doppelt so teuren Smartphones wenig abfallen. Sie sind gestochen scharf, bieten eine schöne Farbdarstellung und geschmeidige Bildwiederholrate. Im Freien drehen beide Modelle die maximale Helligkeit so weit hoch, dass sie auch in der Sonne ablesbar bleiben.
Laut Hersteller halten die Displays einen Sturz aus einem Meter aus. Ich habe das unfreiwillig getestet und kann bestätigen, dass das Display den Aufprall auf einen Asphaltboden ohne Kratzer überlebte – na ja, vielleicht hatte ich einfach Glück. Denn Nothing nutzt nicht das bestmögliche, aber immerhin eines der robusteren Display-Gläser.
Beide 4a-Modelle sind ähnlich lang wie ein iPhone 17 Pro Max oder Samsung Galaxy S26 Ultra, aber etwas schmaler. Das Pro-Modell hat ein Unibody-Gehäuse aus Metall, beim normalen 4a haben wir eine Mischung aus mattem Kunststoffrahmen mit einer transparenten Rückseite aus gehärtetem Glas. Beide Geräte liegen angenehm in der Hand, aber das Pro-Modell ist rutschiger. Eine durchsichtige Schutzhülle wird löblicherweise bei beiden mitgeliefert.
Bei einem Defekt sind beide Geräte laut dem EU-Reparaturindex «befriedigend reparierbar». Sie erreichen die Reparierbarkeitsklasse C, wobei A für «ausgezeichnet reparierbar» und E für «schwer bis gar nicht reparierbar» steht. Ein Akku- oder Display-Wechsel ist grundsätzlich möglich, aber weit schwieriger als bei einem Fairphone.
Spannend wird es auf der Rückseite
Die Kamerainsel des Nothing Phone 4a Pro beherbergt ein rundes Zusatzdisplay im pixeligen Retrolook. Man kann es beispielsweise verwenden, um anhand vorgegebener oder selbst erstellter Pixel-Symbole zu erkennen, wer anruft, welche App eine Benachrichtigung geschickt hat oder um einfach die Uhr oder den Akkustand anzuzeigen. Es soll helfen, dass das Smartphone seltener aktiviert wird und somit Ablenkungen reduziert werden.
Abseits der pseudo-transparenten Kamerainsel ist das Design für ein Nothing Phone fast schon konservativ, da der Hersteller für einmal auf eine durchgängig transparente Rückseite verzichtet.
Beim günstigeren 4a finden wir das für die Marke charakteristische transparente Design wieder auf der gesamten Rückseite. Statt des kleinen Zusatzdisplays gibt es nur einen LED-Leuchtbalken. Er signalisiert mit individuell auswählbaren Lichtsequenzen, welcher Kontakt anruft oder er kann als Timer genutzt werden. Wenn ein im Kalender eingetragenes Meeting ansteht, füllt sich der Balken wie eine Fortschrittsanzeige. Das ist ein nettes Gimmick, aber sicher kein Kaufgrund.
Performance
Beide Testgeräte mit jeweils 12 GB Arbeitsspeicher (RAM) laufen durchwegs flüssig, Apps starten ohne Verzögerung. Im Alltag gibt es zwischen 4a und 4a Pro keinen spürbaren Leistungsunterschied, da der Prozessor (Snapdragon 7 Gen 4) im Pro-Modell nur geringfügig schneller ist. Lediglich bei grafikintensiven Aufgaben wie 4K-Videobearbeitung oder neuen 3D-Games zieht das 4a Pro davon.
Aktuelle Spiele laufen auf beiden Modellen, aber wer die höchste Auflösung und beste Grafik möchte, muss zu einem schnelleren Gerät greifen. Alltagsanwendungen wie Chat-Apps, Streaming, Browser etc. performen hingegen selbst mit dem normalen 4a nicht merklich schlechter als mit 1000 Franken teuren Smartphones.
Um den Einstiegspreis in Zeiten steigender RAM-Preise in vernünftigen Bahnen zu halten, bietet Nothing beide Geräte wahlweise mit nur 8 GB Arbeitsspeicher an. Erfahrungsgemäss ist das für viele User ausreichend, sofern sie lokale KI-Anwendungen, Gaming und Video-Editing nur gelegentlich nutzen.
Software und Updates
Nothing Phone 4a und 4a Pro kommen mit Nothing OS 4.1 basierend auf Android 16. Bei der Software spielt Nothing seine Klasse aus. Die Oberfläche wirkt aufgeräumt und als Nutzer eines Pixel-Handys von Google fühlt man sich sofort heimisch. Nothing OS ist wie Googles Android, einfach im charmanten Nothing-Look. Wie gewohnt kann man jederzeit zwischen Googles Standard-App-Symbolen und dem monochromen Nothing-Design wechseln.
Was besonders auffällt, ist die reichhaltige Auswahl an Widgets für die Homescreens und den Sperrbildschirm. Diese werden teils von der Nothing-Usercommunity erstellt.
Vom Sperrbildschirm bis zum Ordnerlayout (grosse Ordner) lässt sich alles personalisieren. Aber während viele Smartphone-Hersteller Apples iOS nacheifern, hat man hier ein richtiges Android-Erlebnis – und das ist gut so.
Zwei Kritikpunkte: Ab Werk sind Facebook, Instagram, Fitbit und TikTok installiert. Wie andere Hersteller lässt sich nun auch Nothing für die Vorabinstallation bezahlen. Immerhin kann man den Krempel problemlos deinstallieren. Interessierte sollten aber wissen, dass sie zwar sechs Jahre Sicherheits-Updates, aber nur drei Jahre Android-Updates erhalten. Vielen, die ihr Handy eh nur zwei, drei Jahre nutzen, mag das genügen, zeitgemäss ist es sicher nicht mehr.
Akku und Kamera
Der Akku hat mit 5080 Milliamperestunden in beiden Modellen eine für diese Gerätegrösse durchschnittliche Kapazität. Dank des nicht übermässig schnellen, aber modernen und effizienten Snapdragon-Chips und eines geringen Standby-Verbrauchs sind bei moderater Nutzung 1,5 bis 2 Tage Laufzeit realistisch.
Auch die Ladgeschwindigkeit mit bis zu 50 Watt geht in Ordnung. Damit ist der Akku beider Handys nach 30 Minuten zu 60 Prozent geladen. Nach gut einer Stunde sind sie vollständig gefüllt. Nothing verspricht, dass nach 1200 Ladezyklen über 90 Prozent der Kapazität erhalten bleiben. Auf kabelloses Laden muss man verzichten.
Eine Schönwetter-Kamera
Nicht verzichten muss man auf eine ordentliche Kamera, die bei Phone 4a und Phone 4a Pro fast identisch ist. Die Testfotos sind so ähnlich, dass ich sie von blossem Auge kaum auseinanderhalten kann.
Nothing Phone 4a (links) und Phone 4a Pro
Bei Tageslicht oder ausreichend Kunstlicht liefern beide Hauptkameras überzeugende Resultate. Sie lösen flink aus und die Farbwiedergabe stimmt grösstenteils. Für Landschaftsaufnahmen oder typische Ferienfotos sind Nothing Phone 4a und 4a Pro völlig okay.
Bei schwierigen Lichtbedingungen beginnen erwartungsgemäss die Probleme: Schnappschüsse enden oft in verschwommenen Fotos. Wer mit dem Handy primär sich bewegende Sujets wie herumtollende Kinder oder Haustiere knipsen möchte, wird nicht glücklich und sollte zu den Top-Modellen von Google, Samsung oder Apple greifen. Diese liefern selbst in schummrigen Innenräumen oft noch ansehnliche Fotos. Insbesondere Nothings Ultraweitwinkel-Kamera schwächelt in der Dunkelheit.
Das Highlight beider Modelle ist die Periskop-Telekamera (3,5 x optischer Zoom), die bis etwa 10-facher Vergrösserung einen guten Zoom ermöglicht, wie es sonst nur in weit teureren Flaggschiffmodellen üblich ist. Nothing zielt auf jene Kunden ab, die von anderen Marken enttäuscht sind, die einen anständigen Zoom den teuren Top-Modellen vorbehalten.
Die Telekamera kommt auch für Porträtaufnahmen zum Zug. Zumindest bei gutem Tageslicht gelingen so hübsche Aufnahmen. In Innenräumen mit Kunstlicht leiden die Porträts unter einem leichten Gelbstich. Es ist zu hoffen, dass Nothing mit einem Update nachbessert.
Insgesamt sind die Fotos für Mittelklasse-Smartphones erfreulich gut, aber wenn dir die Kamera sehr wichtig und das Budget knapp ist, würde ich eher zu einem Pixel 9a von Google raten. Das macht in neun von zehn Situationen die gleich guten oder besseren Fotos, lediglich beim Zoom sind Nothings 4a-Modelle weit überlegen.
Zuletzt sei gesagt, dass man dank optischer Bildstabilisierung auch eine brauchbare Videokamera erhält, die allerdings im 4K-Modus auf 30 Bilder pro Sekunde begrenzt ist. Für Hobbyfilmer ist das in aller Regel kein Problem.
Nothing Phone 4a (oben) und 4a Pro
Fazit: Nothing Phone 4a oder 4a Pro?
Wer nicht das Allerbeste vom Besten braucht und nicht bereit ist, über 500 Franken für ein Handy auszugeben, aber trotzdem ein modernes Smartphone möchte, dem sei das Nothing Phone 4a oder 4a Pro empfohlen. Beide Modelle überzeugen in den zentralen Kategorien Display, Performance, Akku und mit geringen Abstrichen auch bei der Kamera.
Für das Pro-Modell spricht die edlere Haptik, die etwas bessere Grafikleistung des Prozessors (wichtig für aufwendige Games und Videobearbeitung) sowie das nützlichere Pixel-Display auf der Rückseite.
Wer auf die eSIM-Unterstützung des 4a Pro verzichten kann, ist auch mit dem Basismodell 4a mehr als gut bedient. Die kleinen Abstriche machen in der Praxis kaum einen Unterschied. Während des Tests nutzte ich beide Geräte parallel und verwechselte sie öfters, weil die Unterschiede im Alltag schlicht nicht auffallen.
Sofern man die wenigen Zusatz-Features des Pro-Modells nicht benötigt, investiert man das Geld allenfalls besser in das normale 4a und gönnt sich dafür die grössere Speicherausstattung.
Ob Phone 4a oder 4a Pro: Die neuen Nothing-Phones sind in keinem Bereich Klassenbeste, leisten sich aber auch keine gravierenden Schwächen. Der Hersteller spart grösstenteils dort, wo es die meisten User kaum bemerken: nicht der allerneuste WLAN-Standard, 4K-Video ohne 60-FPS-Modus, schwächere Ultraweitwinkelkamera. Am meisten ins Gewicht fällt wohl fehlendes kabelloses Laden.
Für alle Alltagsanwendungen und Casual Gaming reichen diese Smartphones aber locker aus. Beide punkten darüber hinaus mit einer hübschen, schlanken und flüssigen Android-Benutzeroberfläche, wobei Sicherheits-Updates nach sechs Jahren, aber Betriebssystem-Updates viel zu früh nach drei Jahren enden.
Pro und Kontra Nothing Phone 4a
- Solide Kamera, insbesondere Zoom
- Gute Akkulaufzeit
- Ausreichend schnell
- Hübsche, schlanke Software
- Sechs Jahre Sicherheits-Updates
- Fairer Preis
- Keine eSIM-Unterstützung
- Nur drei Jahre Android-Updates
Pro und Kontra Nothing Phone 4a Pro
- Solide Kamera, insbesondere Zoom
- Gute Akkulaufzeit
- Mehr als ausreichend schnell
- Hübsche, schlanke Software
- Sechs Jahre Sicherheits-Updates
- Nur drei Jahre Android-Updates
Auch die neuen Nothing-Smartphones sind eine gute Wahl, wenn du es ausgefallen magst. Mögliche Alternativen sind Nothings letztjährige 3a-Modelle, Googles Pixel 9a und Pixel 10a, Samsungs Galaxy S25 FE sowie die brandneuen Galaxy A57 und Galaxy A37.
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