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Immer mehr Geschäfte akzeptieren Bezahl-Apps wie Twint

So funktioniert das Bezahlen per Twint-Widget
Im Gastgewerbe kann man bei 78 Prozent der Betriebe mit der Handy-App bezahlen.Bild: twint

Immer mehr Geschäfte akzeptieren Bezahl-Apps wie Twint, aber Bargeld verschwindet nicht

23.02.2024, 12:5723.02.2024, 13:08
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Nicht nur bei Privatpersonen, sondern auch bei Unternehmen werden Bezahl-Apps immer beliebter: So akzeptieren mittlerweile 59 Prozent der Unternehmen im Vor-Ort-Geschäft die Bezahlung über eine App. Doch Cash ist immer noch King.

Dies geht aus einer Umfrage der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bei rund 1750 Unternehmen in der Schweiz vom Frühsommer 2023 hervor, die am Freitag veröffentlicht wurde. Bei der ersten Umfrage im Jahre 2021 hatten erst 40 Prozent der Firmen Bezahl-Apps akzeptiert.

Damit haben die Bezahl-Apps die Kredit- (53 Prozent) und Debitkarten (48 Prozent) überflügelt, nachdem sie 2021 noch gleichauf gewesen waren. In Branchen wie dem Gastgewerbe oder dem Detailhandel, wo die Privatpersonen am häufigsten vor Ort bezahlen, ist die Akzeptanz von Bezahl-Apps noch höher als anderswo.

Im Gastgewerbe kann man bei 78 Prozent der Betriebe mit der Handy-App bezahlen, im Detailhandel bei 73 Prozent.

Twint an der Spitze

Die wichtigste Bezahl-App ist Twint. Die Marktanteile von Apple Pay, Google Pay oder Samsung Pay sei schwierig einzuschätzen, sagten SNB-Spezialisten vor den Medien in Zürich. Denn so sei beispielsweise bei Apple Pay eine Debitkarte oder eine Kreditkarte hinterlegt. Damit könne nicht auseinandergehalten werden, ob die Zahlung via Handy-App oder direkt via eine Plastikkarte getätigt wurde.

Der Akzeptanzanstieg von Bezahlungen mit dem Handy kommt wenig überraschend: Die Zahlungsmittelumfrage bei Privatpersonen 2022 hatte bereits gezeigt, dass Bezahl-Apps von der Bevölkerung immer häufiger genutzt werden. «Es darf angenommen werden, dass sich die vermehrte Nutzung positiv auf deren Akzeptanz ausgewirkt hat. Dies zeigt, dass sich die Akzeptanz und die Nutzung von Zahlungsmitteln gegenseitig beeinflussen können», schrieb die SNB.

Zugenommen habe die Akzeptanz auch bei der Überweisung, während sie beim Bezahlen auf Rechnung leicht rückläufig gewesen sei. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass die Unternehmen aufgrund der Corona-Pandemie oder des steilen Anstiegs der Energiepreise in letzten Jahren weniger bereit gewesen seien, ihren Kunden einen «kurzfristigen Kredit» durch den Kauf auf Rechnung zu gewähren, schrieb die SNB.

SNB: Bargeld verschwindet nie

Relativ gut hält sich das Bargeld, das bei Unternehmen mit Präsenzgeschäft mit 92 Prozent das am häufigsten akzeptierte Zahlungsmittel ist. Damit habe die Bedeutung von Bargeld kaum abgenommen, sagte SNB-Vizechef Martin Schlegel. Bei der ersten Umfrage im 2021 hatten noch 94 Prozent der Geschäfte vor Ort Bargeld akzeptiert.

Oberstes Entscheidungskriterium für Unternehmen seien die Bedürfnisse der Kunden, hiess es. Erst an zweiter Stelle kommt die Zuverlässigkeit. Eine grosse Mehrheit der Bevölkerung wolle weiterhin cash bezahlen, sagte Schlegel: «Wir denken, dass Cash nie verschwinden wird.»

Man höre immer wieder, dass immer weniger Geschäfte Bargeld akzeptieren würden, sagte Schlegel: «Diesen subjektiven Eindruck können wir aus unterer Umfrage nicht bestätigen.»

Insgesamt planen nur wenige Unternehmen, die Akzeptanz von Bargeld anzupassen. Rund 7 Prozent aller Unternehmen mit Präsenzgeschäft geben an, in den nächsten zwei Jahren die Bargeldakzeptanz einschränken zu wollen. Hingegen planen 6 Prozent der Unternehmen eine Ausweitung der Bargeldakzeptanz.

Negativspirale möglich

Allerdings hänge viel an der Bargeldinfrastruktur. Ein Abbau von Geldautomaten sowie Bankfilialen und Poststellen würde die Bargeldversorgung für einen Grossteil der Unternehmen verschlechtern. Ein Viertel der Firmen würde dann die Bargeldnutzung reduzieren.

Damit könnte eine Negativspirale in Gang kommen. Denn eine geringere Akzeptanz senke die Nutzung von Bargeld bei Privatkunden, was wiederum die Akzeptanz bei Unternehmen schrumpfen lasse. «Wenn die Spirale in Gang kommen würde, würden wir Massnahmen ergreifen», sagte Schlegel, ohne konkrete Details zu nennen.

Im vergangenen Oktober habe die Nationalbank mit der Eidgenössischen Finanzverwaltung an anderen Akteuren in der Bargeldversorgung wie Banken oder Detailhändlern einen runden Tisch organisiert, um Massnahmen zu prüfen. Eine Expertengruppe soll jetzt ermitteln, welche Herausforderungen es beim Bargeldzugang gibt. «Wir werden nach Lösungen suchen», versicherten die SNB-Experten.

(sda/awp)

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