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SP fordert Rückzug der offiziellen Schweiz von X – wer ist noch dort?

Bundesrat Albert Roesti spricht waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 18. Dezember 2025 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Der Schweizer Kommunikationsminister Albert Rösti hat wie drei weitere Bundesratsmitglieder keinen (aktiven) X-Account mehr.Bild: keystone

SP will, dass Politiker X verlassen – ausgerechnet ein eigener Bundesrat ist noch aktiv

Die offizielle Schweiz soll keine Accounts mehr auf Elon Musks Social-Media-Plattform betreiben. Das fordert die SP und droht mit parlamentarischen Vorstössen. Dabei blickt sie auch zu Beat Jans.
20.01.2026, 08:0120.01.2026, 08:57

In einem Schreiben an Bundespräsident Guy Parmelin, Bundeskanzler Viktor Rossi sowie die Präsidenten von National- und Ständerat verlangt die SP den vollständigen Rückzug der offiziellen Schweiz von der US-amerikanischen Social-Media-Plattform X.

Wo ist das Problem?

Auch stärkere Regulierung von Social-Media-Plattformen gefordert

X sei heute «ein Hort von Rechtsextremismus, von Erniedrigung, es ist auch ein Ort geworden, an dem Pädokriminalität völlig normal ist», sagte der SP-Nationalrat und Co-Präsident der Partei, Cédric Wermuth, in der SRF-Sendung «Heute Morgen» vom Dienstag.

Wer weiterhin auf X aktiv sei, mache sich gemäss Wermuth zum Komplizen. «Das hat nichts mehr mit einem normalen sozialen Medium zu tun, es ist wirklich gemeingefährlich geworden.» Bundesrat und Parlament müssten sich deshalb von X zurückziehen.

Grünen-Nationalrat Gerhard Andrey erklärte im «Heute Morgen», ein solcher «Schmuddel-Kanal» sei der Schweizer Eidgenossenschaft nicht würdig. Er forderte den Bundesrat zudem auf, Plattformen wie X stärker zu regulieren und den Jugendschutz zu gewährleisten.

Wer ist denn noch bei X?

Der Bundesrat verfügt als Gesamtgremium über einen Account auf der Plattform von Tech-Milliardär Elon Musk, die zuletzt wegen der vom KI-Bot Grok generierten sexualisierten Deepfake-Bilder in die Kritik geraten war.

Auch einzelne Bundesräte sowie verschiedene Departemente und Bundesämter veröffentlichen weiterhin Informationen und Mitteilungen auf X.

Bundesrätin Karin Keller-Sutter hat die Aktivitäten auf ihrem X-Account Ende 2025 eingestellt.
Sie war nur ein Jahr bei X aktiv.Screenshot: watson

Bundesrätin Karin Keller-Sutter, die 2025 als Schweizer Bundespräsidentin amtete, hat Ende letztes Jahr ihre Aktivitäten auf der Plattform eingestellt.

Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider (SP) hatte ihren X-Account (ehemals Twitter) im Herbst 2024 stillgelegt und kommunizierte weiter über Instagram. So hält es auch Bundesrat Albert Rösti von der SVP.

Aktuell verfügen nur noch drei der sieben Schweizer Bundesratsmitglieder über ein eigenes offizielles Profil auf der Plattform X (ehemals Twitter). Neben dem Aussenminister Ignazio Cassis (FDP) und Guy Parmelin (SVP), der 2026 als Bundespräsident amtet, ist ausgerechnet SP-Bundesrat Beat Jans noch auf X aktiv.

X-Account von Bundesrat Beat Jans (SP), 20. Januar 2026.
Jans neuester X-Post datiert vom 3. Januar 2026.screenshot: x.com

Anzumerken ist, dass die meisten Schweizer Regierungsmitglieder weiterhin über die institutionellen X-Profile ihrer jeweiligen Departemente kommunizieren.

Die Bundeskanzlei führt weiterhin den offiziellen Account des Bundesratssprechers (@BR_Sprecher), um über die Regierungsgeschäfte zu informieren.

Seitens Eidgenössischem Parlament (Nationalrat und Ständerat) betreiben noch zahlreiche Politikerinnen und Politiker diverser Parteien ein X-Profil und sind auf der Plattform mehr oder weniger häufig aktiv.

Wie reagieren bürgerliche Parteien?

FDP und Mitte sind für X

Die bürgerlichen Parteien vertreten eine andere Haltung als Links-Grün: «Persönlich bin ich der Meinung, dass Parteien keine Vorgaben an den Bundesrat oder die Verwaltung machen sollten, auf welchen Plattformen sie sich zu bewegen haben», sagte FDP-Co-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher. Mitte-Präsident Philipp Bregy betonte, es sei falsch, sich einfach aus dem Kommunikationsraum zurückzuziehen und das Feld den anderen zu überlassen. Auch dort müssten Politikerinnen und Politiker klare Positionen beziehen.

Wie geht es weiter?

SP kündigt Vorstösse an

Nationalrat Wermuth, der auch als Co-Präsident der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz amtet, widersprach den Argumenten über den Verlust eines Kommunikationskanals. «Ich glaube, da verliert man gar nichts – man verliert höchstens Glaubwürdigkeit, wenn man dort bleibt», sagte er zu SRF. Die SP habe parlamentarische Vorstösse angekündigt, falls sich der Bund in den kommenden Tagen nicht von X zurückzieht.

Rückzug der SP Schweiz von der Social-Media-Plattform X, angekündigt am 31. Dezember 2024.
Ihren eigenen X-Account haben die Sozialdemokraten Ende 2024 stillgelegt.Screenshot: x.com

Quellen

(dsc)

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29 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Adi53
20.01.2026 09:23registriert August 2014
Überhaupt sollte man kein X, WhatsApp, Facebook usw. mehr benutzen. Aber der Schweizer ist zu bequem, das umzusetzen.
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insert_brain_here
20.01.2026 09:19registriert Oktober 2019
Wermuth hat Recht und dass die SP bei dieser Kritik keine Rücksicht nimmt auf den eigenen Bundesrat, halte ich angesichts eines Zeitgeistes, in dem rein opportunistisches Gruppendenken um sich greift, für vorbildlich.
Es gibt schlicht keinen Grund, warum unsere Regierung die proprietäre Plattform eines durchgedrehten Techmilliardärs nutzen sollte, wenn eine gleichwertige dezentrale Alternative zur Verfügung steht.
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