DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Das Referendums-Komitee hatte im März zu feiern, als die private E-ID vom Stimmvolk abgelehnt wurde. Nun geht es darum, eine staatliche Lösung zu erarbeiten.
Das Referendums-Komitee hatte im März zu feiern, als die private E-ID vom Stimmvolk abgelehnt wurde. Nun geht es darum, eine staatliche Lösung zu erarbeiten.
Bild: keystone

Das Nein zur privaten E-ID wird zum Glücksfall – in diese Richtung soll es nun gehen

Die Schweiz kann neue Entwicklungen in der Corona-Pandemie aufnehmen: Datenschutz, Datensparsamkeit – und autonome User.
29.09.2021, 15:15
Othmar von Matt / ch media

Am 7. März sagte die Schweiz mit 64.4 Prozent Nein zur elektronischen Identität (E-ID). Es war eine unerwartet deutliche Schlappe für eine E-ID mit privaten Betreibern.

Das Nein entwickelt sich zum grossen Glücksfall. Das verdeutlichte das öffentliche Hearing der parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit (Parldigi) vom Dienstag (siehe Quellen, unten).

Der bei YouTube übertragene Anlass beschäftigte sich mit dem Diskussionspapier «Zielbild E-ID». Das Bundesamt für Justiz hat es nach dem Nein erarbeitet und nun in eine öffentliche Anhörung geschickt. Im Zentrum stehen diese Fragen:

Welchen Nutzen soll eine E-ID haben? Und welche Anwendungen gibt es?
Die Bevölkerung soll einen digitalen Ausweis erhalten. Die angestrebte Lösung ist nicht mit der privaten, bereits verfügbaren «SwissID» zu verwechseln.
Die Bevölkerung soll einen digitalen Ausweis erhalten. Die angestrebte Lösung ist nicht mit der privaten, bereits verfügbaren «SwissID» zu verwechseln.
bild: watson

«Die Zusatzschlaufe hat sich gelohnt», sagt SP-Nationalrätin Edith-Graf Litscher. Als Co-Präsidentin von Parldigi hat sie den Anlass initiiert. Nun seien die wesentlichen Akteure involviert. «Und es steht kein betriebstechnisches Modell im Vordergrund, sondern der Nutzen für Bevölkerung und Wirtschaft.»

Im Vordergrund steht die selbstbestimmte Identität

Seit der Abstimmung kam es zu einem massiven Paradigmenwechsel: Neu soll die E-ID nicht mehr nur ein Log-in sein, sondern ein digitaler Ausweis. Er soll Basisbaustein sein für eine breit nutzbare digitale Infrastruktur der Schweiz, die offen ist und dynamisch erweitert werden kann. Darin spielt der Staat eine zentrale Rolle.

Technisch gesehen gibt es zwar drei Varianten. Doch es steht damit eindeutig eine Lösung mit der Self Sovereign Identity (SSI) im Vordergrund, der selbstbestimmten Identität. Das zeigte die Anhörung von Parldigi.

Die Schweiz müsse eine staatlich betriebene digitale Vertrauensinfrastruktur über SSI aufbauen, sagte Christoph Graf, Programmleiter der Switch edu-ID, einem Bildungs-Log-in im Hochschulbereich. «Dann geht die Post ab, dann kann etwas Grosses geschehen.»

Die Hoheit über ihre Daten bleibt bei den Nutzern

SSI ist dezentral. Nutzerinnen und Nutzer sind nicht von einem zentralen Identitätsdienstleister abhängig, sie verwalten ihre Identitäten selbst. Ähnlich wie bei der SwissCovid-App bleibt damit die Hoheit über die Daten bei den Nutzern.

Persönliche Identitätsmerkmale wie Name, Vorname oder Geburtsdatum werden in einer elektronischen Brieftasche («Wallet») auf dem Handy hinterlegt. Der Staat bestätigt sie. Das sind dann «Verified Credentials». SSI ist datensparsam und erfüllt den Grundsatz «Privacy by Design»: Der Datenschutz wird schon bei der technischen Lösung berücksichtigt.

Bildung und Gesundheit können integriert werden

Mit SSI könnten diverse Bereiche modulartig integriert werden. Zum Beispiel der gesamte Hochschulbildungsbereich mit 560'000 Identitäten und 1'400 Diensten, die der Switch edu-ID angeschlossen sind.

Oder der Gesundheitsbereich. So hält heute die Health Info Net AG (Hin) die Hin eID, die am weitesten verbreitete elektronische Identität im Gesundheits- und Sozialwesen. «Wir arbeiten heute schon mit SSI-Strukturen», sagte Urs Fischer, Leiter Business Development und Innovation.

«Hin begrüsst eine SSI-Lösung.»

Damit könnte sich die Digitalisierung auch auf Seite der Patienten mit dem elektronischen Patientendossier massiv beschleunigen, liess Fischer durchblicken.

Christoph Graf glaubt, dass auch der öffentliche Verkehr mit dem Swiss Pass Teil dieser Infrastruktur werden könnte. «Je mehr Organisationen wir in eine solche Struktur reinbringen, desto stärker können die Fantasien der Anwenderinnen und Anwender beflügelt werden.»

Quellen

Das öffentliche Hearing als YouTube-Stream zum Anschauen:

Die Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit (Parldigi) hielt am 28. September 2021 ein «Open Hearing» zur Neuauflage der Schweizer E-ID ab, das via YouTube übertragen wurde. Dabei stellten Fachleute die geplante Architektur vor und Experten aus dem Gesundheits- und Bildungssektor zeigten den Nutzen in der Praxis auf.

(aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Historische Hochwasser in der Schweiz

1 / 29
Historische Hochwasser in der Schweiz
quelle: keystone
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Wir erklären dir das Gesetz zur E-ID – in 90 Sekunden

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Deshalb ist die Zertifikatspflicht nicht diskriminierend

Ein ETH-Doktorand hat den Tatbestand der Diskriminierung analysiert. Es gebe Diskriminierung in der Schweiz, sagt er. Aber die Zertifikatspflicht gehöre nicht dazu. Denn anders als etwa seine Rasse oder das Geschlecht, kann man seinen Impfstatus frei wählen.

Zertifikatsgegner, die uneingeschränkte Grundrechte einfordern, vernachlässigen, dass ihre Freiheit, sich überall ohne Zertifikat zu bewegen, die Freiheit aller anderen tangiert. «Ich sage es mit Daniel Koch, dem ehemaligen Beamten des …

Artikel lesen
Link zum Artikel