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Studenten der ETH und ZHdK mit Adero, dem «coolsten Lieferroboter der Schweiz». bild: © adero

Schweizer Studis enthüllen Lieferroboter der Zukunft – und das kann Adero

Nach neun Monaten Entwicklungszeit wird heute der Lieferroboter Adero an der ETH präsentiert. Anders als Paket-Drohnen soll er nicht im Freien, sondern in weitläufigen Einkaufszentren zum Einsatz kommen.



Die Roboter kommen. Anders als in so vielen Büchern und Filmen wollen sie die Menschheit nicht ausrotten, sondern uns zur Hand gehen – und zwar wortwörtlich. Dies gilt zumindest für Adero: ein schnuck­liger Lieferroboter, der von 15 angehenden Ingenieuren der ETH Zürich und Design-Studierenden der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) entwickelt wurde.

Konkret soll Adero in weitläufigen Einkaufshäusern online bestellte Waren selbständig vom Lager zu einem Pickup-Point bringen. «Nach der Bestellung wird der Roboter von einem Mitarbeiter beladen und auf seine Reise geschickt», sagt Kira Erb, Maschinenbau-Studentin an der ETH Zürich.

Am vorbestimmten Abholort wartet Adero, bis der Kunde die Bestellung abholt. Dieser bekommt bei der Bestellung einen QR-Code zugeschickt, mit dem sich der Roboter öffnen lässt. Den Weg zurück ins Warenlager findet Adero ebenfalls selbständig.

Am Dienstag hat das 15-köpfige Adero-Team ihren finalen Prototyp präsentiert.

So funktioniert der autonome Lieferroboter Adero:

Ein Robo, der Zeit und Nerven spart?

Jelmoli hat das Studenten-Projekt finanziell unterstützt. Mit der neuen Filiale am Flughafen Zürich, die 2020 eröffnet wird, prüft das Warenhaus auch einen autonomen Lieferservice. «Das Ziel ist es, dass der Roboter im Sommer 2020 in Zusammenarbeit mit Jelmoli autonom Waren am Flughafen ausliefert», sagt Erb.

Für Warenhäuser sind autonome Lieferroboter ein zusätzlicher und vermutlich relativ kostengünstiger Vertriebskanal. Aber was hat der Kunde davon? Dieser erspare sich «unangenehmes Einkaufen in einem übervollen Einkaufszentrum und anstrengendes Schleppen der schweren Einkaufstaschen», glaubt Erb. Wer an einer Shopping-Mall-Phobie leidet, dürfte den Lieferservice zu schätzen wissen.

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Adero fährt im Schritttempo von 5 km/h, hat ein Fassungsvolumen von 75 Litern, kann zehn Kilogramm tragen und ist mit einer Batterieladung maximal zwei Stunden in Betrieb. bild: © adero

Das macht den neuen Roboter speziell

Adero verwendet ein kamerabasiertes Lokalisierungssystem des ETH-Spin-offs Sevensense. Das heisst: «Adero erkennt Personen und Objekte und umfährt diese eigenständig in sicherer Distanz», sagt Erb. Das unterscheide ihn von anderen Lieferrobotern. Ob dies auch in überfüllten Einkaufszentren funktioniert, muss die Praxis zeigen. Kommt er den Menschen in die Quere, ist Adero eben nicht der «coolste Lieferroboter der Schweiz», wie die Studenten glauben, sondern eher ein rollendes Ärgernis.

Die Studenten sind zuversichtlich: «Anders als bisherige Lieferroboter fährt er nicht auf vier Rädern, er balanciert vielmehr auf zwei Rädern», sagt Erb. So sei er viel wendiger. «Ähnlich wie wir Menschen orientiert er sich im Raum und kann sich durch Gewichtsverlagerungen selbst stabilisieren», erklärt die Maschinenbaustudentin.

Einfach wird es trotzdem nicht: Die Post hat ihr Lieferroboter-Projekt Anfang März dieses Jahres abgebrochen. Grund ist laut des Unternehmens das Gesetz, wonach die Roboter nur in Begleitung eines menschlichen Aufpassers durch die Stadt fahren dürfen. Das Problem: Die Post-Roboter konnten ohne Hilfe teilweise die Strasse nicht rechtzeitig überqueren. Adero hingegen ist ausschliesslich für Innenräume wie Einkaufszentren ausgelegt. Zu gefährlichen Situationen mit Autos auf Strassen kann es also von vornherein nicht kommen.

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An Adero haben 15 Studenten und Studentinnen unterschiedlicher Studienrichtungen zusammen gearbeitet: von der Maschinenbauerin bis zum Designer. bild: © adero

«In den letzten neun Monaten haben wir uns rund um die Uhr engagiert und unser Team ist zur Familie geworden», sagt Erb. Klingt gut, aber sind Reibereien nicht unvermeidbar, wenn so unterschiedliche Charaktere kooperieren müssen? «Ja schon, die Zusammenarbeit zwischen Ingenieuren und Designern ist nicht immer leicht, aber sie bringt am Ende ein perfektes Gesamtprodukt», sagt ihr Mitstudent Vincent Schorp.

Ein Beispiel: Ingenieure möchten ein technisch perfektes Produkt, Interaction Designer hingegen konzentrieren sich auf die User Experience, sprich Nutzererfahrung. «Die Sicht des Kunden muss immer wieder miteinbezogen werden, neben der technischen», sagt Randy Chen. Er und weitere Produktgestalter im Team kümmerten sich beispielsweise darum, dass Adero einfach und intuitiv bedienbar ist. Die ETH-Studenten wiederum programmierten Adero so, dass er allen Hindernissen ausweichen kann. Dies bringt jedoch nichts, wenn die Kunden den Roboter nicht akzeptieren. Hier kommen die Studierenden der Abteilung Industrial Design der ZHdK ins Spiel, die dem Lieferroboter ein vertrauenswürdiges Aussehen spendierten. Adero erscheint dementsprechend sympathisch, mit Licht- und Tonsignalen kommuniziert er mit seiner Umwelt.

Ob autonome Lieferroboter eine Erfolgsstory werden, muss die Zukunft zeigen. Der kleine Roboter zeigt indes heute schon, was in kurzer Zeit möglich ist, wenn Produktgestalter, Interaction Designer, Maschinenbau und Elektrotechnikingenieure zusammenarbeiten: Innovation dank Interdisziplinarität eben.

Weitere Informationen: http://adero.ethz.ch/

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