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Rot sehen sollte man mit der neuen SBB-App nur beim erstmaligen Starten.
Rot sehen sollte man mit der neuen SBB-App nur beim erstmaligen Starten.
bild: watson

Die SBB-App versteht neu Mundart und bietet eine Reklamier-Funktion

Verstopfte Billettautomaten, verdreckte Abteile, kaputte Steckdosen: Solche Mängel können SBB-Nutzer nun bequem mit dem iPhone oder Android-Handy melden. Wir haben alle neuen Features der Mobile-Preview-App ausprobiert ...
13.06.2017, 07:5313.06.2017, 15:57

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die SBB lancieren für ihre iPhone-  und Android-App eine «Defekt melden»-Funktion. ÖV-Nutzer sollen Schäden an der Infrastruktur mit ihrem Smartphone melden.
  • Die Reklamier-Funktion gibt es vorläufig noch nicht in der offizielle SBB-App, sondern in der öffentlich verfügbaren Testversion, Mobile Preview genannt.
  • Das Update für die iOS-App ist seit Montag in Apples App Store verfügbar. Und auch die neue Android-Version kann nun im Google Play Store bezogen werden.
  • Erst nach einer viermonatigen Testphase entscheiden die Verantwortlichen, ob das neue Feature definitiv eingeführt, also in die offizielle SBB-App übernommen wird.
  • Bereites Ende Mai wurden drei andere neue Features für die Mobile-Preview-App angekündigt, die nun ebenfalls verfügbar sind: Ein digitaler App-Assistent, der ÖV-Nutzer beim Billettkauf unterstützen soll. Dann das Reisecockpit, das personalisierte Tipps und Statistiken bietet, sowie der Voice-Fahrplan, der Eingaben auf Schweizerdeutsch versteht.
Ausprobieren und mitreden
Alle Informationen zur SBB Mobile Preview App (für iOS und Android) sind unter sbb.ch/preview zu finden. Dort wird erklärt, wie sich die User für die Community einfach registrieren und die Mobile-Preview-App herunterladen können. Wer mitmacht, kann Fehler melden, Verbesserungsvorschläge einbringen und über neue App-Funktionen abstimmen.

Nachfolgend stellen wir die neuen Features im Detail vor. Doch zunächst gibt's die ersten Eindrücke in der Bildstrecke ...

Die besten neuen Features der SBB-App

1 / 28
Die neusten Features der SBB-App
quelle: keystone / gaetan bally
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Reklamieren Mängel und Defekte melden

screenshot: sbb

Die SBB beschreiben das neue Feature wie folgt:

«Mit wenigen Klicks können Defekte oder ausserordentliche Verschmutzungen am Bahnhof oder im Zug online gemeldet werden. Dabei kann es sich um die unterschiedlichsten Mängel handeln wie etwa um ein beschädigtes Sitzpolster, eine defekte Steckdose, eine Störung am Bilettautomaten oder an der Abfahrtsanzeige.»

Die von den ÖV-Nutzern abgeschickten Meldungen werden SBB-intern an die zuständige Stelle weitergeleitet. Ziel sei, den Mangel so rasch wie möglich zu beheben, «damit die Kunden von einwandfreien und sauberen Bahnhöfen und Zügen profitieren».

Wunder sollte man nicht erwarten: Wenn etwa Littering oder ein Vandalenakt in einem Bahnwagen gemeldet wird, dürfte es seine Zeit dauern, bis das SBB-Personal reagieren kann.

Ein Fall für die Mobile-Preview-App ...

Schäden an der Infrastruktur lassen sich nun einfach melden.
Schäden an der Infrastruktur lassen sich nun einfach melden.
bild: watson
screenshot: mobile-preview-app iphone

Zur genauen Lokalisierung von Problemen in Zügen sollen die App-User jeweils die Wagennummer übermitteln. Und auch bei Billettautomaten gibt's zur Identifizierung eine Nummer.

Erstmals wird in diesem Bereich die optische Erkennung von Nummern an Billettautomaten und Zugswagen über die Handykamera eingesetzt. Meldungen können so bequemer gemacht werden, die Defekte werden schneller repariert, Verschmutzungen rascher gereinigt.

Nutzer der Android-Version müssen lediglich das Smartphone zücken und auf die entsprechende Nummer richten, den Rest soll die Software erledigen. Für iPhone-Nutzer ist die automatische Erkennung von Wagen- oder Billettautomaten-Nummern mittels Handykamera hingegen noch nicht verfügbar.

Die 12-stellige Wagennummer findet man auf einer Tafel im Eingangsbereich

screenshot: sbb

In der (Zürcher) S-Bahn prangt die Wagennummer über der Tür

bild: watson

Die Funktionen bei der iOS-Version seien abgesehen von der automatischen Erfassung von Nummern per Scanning mit der Kamera dieselben, teilt Mediensprecher Reto Schärli mit.

«Beim Aussteigen dürfte man sich im Pendlerverkehr keine Freunde machen, wenn man im Türbereich fotografiert.»

Fraglich bleibt, ob die App-Nutzer die beim Reisen entdeckten Mängel auch wirklich melden. Ein Haupthinderungsgrund dürfte das relativ aufwändige Erfassen der Nummer sein. Wer will schon im Zug den Platz erfassen, um sie zu scannen. Und beim Aussteigen dürfte man sich im Pendlerverkehr keine Freunde machen, wenn man im Türbereich stehenbleibt, um zu fotografieren.

Nach einer viermonatigen Testphase werde das Feedback aus der SBB-Preview-Community ausgewertet und über eine definitive Einführung in der SBB-Mobile-App entschieden.

So erklären die SBB die «Defekt melden»-Funktion im Video

Crowdsourcing spart Zeit und Geld (für die SBB)

Crowdsourcing bezeichnet die Auslagerung unternehmensinterner Aufgaben an eine Gruppe freiwilliger User. Dass die SBB die eigenen Kundinnen und Kunden einspannen will, um Missstände schneller zu beheben, wissen wir schon länger. Im August 2016 berichtete 20 Minuten über eine «Reklamier-App», die von SBB-Angestellten getestet wurde, aber Schwächen aufwies.

Im Oktober hält das Feature vielleicht Einzug in die App. Dafür spricht einiges, denn die Sauberkeit ist ein wichtiges Kriterium, das in Kundenbefragungen immer wieder betont wird.

Eine hohe Kundenzufriedenheit ist denn auch das wichtigste Unternehmensziel, das sich die SBB gesetzt haben.

Für Schlagzeilen sorgten das im Frühjahr abgeschlossene «Service Scouts»-Projekt. Einflussreiche Social-Media-Nutzer waren im Auftrag der SBB im ganzen Land unterwegs, regten zur Kommunikation über die Bundesbahnen an und wurden mit einem Generalabonnement und Spesen entschädigt.

Das «Influencer»-Programm soll im Sommer weitergeführt werden, wobei sich dieses Mal alle Interessierten als «Kunden-Journalisten» bewerben können. Die Belohnung falle weg, heisst es.

In eigener Sache: Der ehemalige watson-Redaktor Philipp Meier war einer der #SBBServiceScouts.

Bleibt anzumerken, dass Mängel-Meldungs-Apps keine neue Idee sind. Mehrere Städte und Gemeinden bieten Einwohnern und Besuchern einen solchen Feedback-Kanal, um Schäden an der Infrastruktur melden. Praktisch ist, dass die Meldungen mit GPS-Positionsangaben versehen werden können. Zu den ersten Anbietern zählt das 2013 lancierte «Züri wie neu».

@RailService dürfte wichtig bleiben

screenshot: twitter

Über den Twitter-Account @RailService nehmen die SBB Reklamationen und Verbesserungsvorschläge entgegen. Wer unverschuldet einen wichtigen Zug verpasst und seinem Ärger öffentlich Luft verschaffen will, greift weiterhin zu 140 Zeichen ...

Damit kommen wir zu den übrigen Neuerungen der App ...

Der Voice-Fahrplan versteht Schweizerdeutsch

Eintippen war gestern, versprechen die SBB. Neu können die App-User das Reiseziel ins Handy-Mikrofon sprechen. Die Voice-Fahrplan-Funktion, die in Zusammenarbeit mit der Schweizer Firma Spitch entwickelt wurde, versteht tatsächlich auch Mundart.

In der Medienmitteilung heisst es:

«Mittels Spracheingabe kann der Kunde seine Reiseziele eingeben und erhält die gewünschten Verbindungen aufgelistet. Diese Funktion ist in einem ersten Schritt auf Deutsch für alle Deutschschweizer Haltestellen verfügbar. Der Sprach-Fahrplan erkennt auch Anfragen in allen Deutschschweizer Dialekten.»
screenshot: mobile-preview-app / watson

Erstes Fazit: Vor der iPhone-Assistentin Siri braucht sich der SBB-Sprachassistent nicht zu verstecken. Wobei dies nicht unbedingt für eine allmächtige Spracherkennung spricht. 😒

Einfache «Von XY nach Z»-Angaben werden bei unseren ersten Versuchen problemlos verstanden. Und zwar auch dann, wenn man beispielsweise statt Zürich «Tsüri» sagt.

Nicht verstanden werden Via-Angaben. Und auch bei den internationalen Destinationen ist Schluss. Wer nach Mailand fahren will und dies artikuliert, überfordert den Assistenten.

Dies sollte sich mit zukünftigen Versionen ändern. Die Schweizer Firma Spitch, die die Sprachanalyse-Software entwickelt hat, schreibt in einer aktuellen Medienmitteilung:

«Während sechs Monaten können User ihr Feedback zur Funktionalität geben, um damit die Erkennungsrate ständig nach oben zu verbessern. Wird die Funktion in diesen sechs Monaten rege genutzt, soll die Spracheingabe auch in Französisch, Italienisch und Englisch lanciert werden. Ebenso sollen weitere Eingabemuster dazukommen wie z.B. Zürich-Bern, Zürich-Bern via Lenzburg, letzter Zug von Zürich nach Bern, etc. Zu einem späteren Zeitpunkt ist auch denkbar, dass ein Billett direkt via Spracherkennung gelöst werden kann.»

Der App-Assistent chattet mit Hilfesuchenden

Der digitale Assistent (ein anderes Wort für einen Bot) wurde laut Swisscom in Zusammenarbeit mit Microsoft entwickelt. Er soll Fragen zum Billettkauf oder zur Bedienung der App beantworten, versteht aber (vorläufig) nur Hochdeutsch.

Ein Hinweis: Der Assistent versteckt sich ... – man findet ihn über die Menüpunkte «Hilfe zur App» > «Support-Chat».

screenshot: mobile-preview-app iphone / watson

Das Reise-Cockpit

Als letzte Neuerung gibt's das personalisierte Reise-Cockpit: «Auf Basis von markierten Reisen oder gekauften Billetten erhalten Kunden auf sie zugeschnittene Reisetipps und profitieren von einer persönlichen Reisestatistik, die sowohl CO2-Einsparungen als auch Reisezeiten dokumentiert.»

Das Reise-Cockpit macht einen aufgeräumten Eindruck, ist allerdings nur für iOS-Nutzer in allen Sprachen verfügbar.

Was hältst du von den neuen Features der SBB-App?

Was hältst du von den Features? Sind es sinnvolle Verbesserungen oder wo siehst du dringenden Handlungsbedarf?

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