Wie sich Elon Musk auf die Seite der Ukraine schlug
Von einer Wende im Krieg in der Ukraine mag niemand sprechen. Doch die ukrainische Offensive in der Gegend von Dnipropetrowsk ist einer der ersten Lichtblicke für das angegriffene Land seit über eineinhalb Jahren. Wie das Institute for the Study of War in seiner Tagesanalyse schreibt, zwingt der ukrainische Vormarsch die russische Armee zu Umgruppierungen und dem Abschwächen eigener Angriffsbemühungen.
Zu diesem Erfolg trägt zweifellos das weiterhin bestehende Kommunikationschaos hinter den russischen Linien bei. Und hinter diesem steht wiederum ein Name: Elon Musk. Seit der reichste Mann der Welt den Russen weitgehend die Nutzung seines Starlink-Satellitensystems entzogen hat, tappen diese bei der Gefechtsführung und dem Drohneneinsatz im Dunklen.
Musks Kehrtwende ist umso bemerkenswerter, als sein ehemaliger bester Freund im Oval Office weiterhin alles daran setzt, Russland zu unterstützen und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in den Senkel zu stellen.
Erst am Wochenende wertete Donald Trump ukrainische Unterstützung bei der Drohnenabwehr im Iran-Krieg als «unnötig» ab. In der republikanischen Partei regt sich gegen diese fortgesetzte Diffamierung kaum je Widerstand. Da stellt sich schon die Frage, was Elon Musk zu seinem Gesinnungswandel bewogen hat.
Licht ins Dunkel bringt ein Interview mit Pawel Jelisarow, dem stellvertretenden Kommandeur der ukrainischen Luftwaffe: Es war ein persönliches Gespräch zwischen Elon Musk und dem damaligen ukrainischen Digitalminister Michajlo Fedorow, das laut Jelisarow zum entscheidenden Durchbruch führte.
«Musk war offenbar in guter Stimmung», erzählt der Luftwaffenoffizier über das Telefonat. Die beiden hätten per Video miteinander gesprochen und sich schnell verständigt. In der Folge seien die bisherigen Einstellungen am Starlink-System rasch geändert worden.
Eigentlich ging es zunächst nur um Gleichbehandlung
Das Verrückte daran ist: Eigentlich wollten die Ukrainer vom Tech-Milliardär ursprünglich bloss die Gleichbehandlung bei der Starlink-Nutzung erreichen. Nach Jelisarows Darstellung litt die Ukraine zunehmend unter einer technischen Innovation des Feindes.
Mit Starlink-Terminals ausgerüstete russische Drohnen, die über ukrainisches Gebiet flogen, übertrugen Video- und Zieldaten in Echtzeit – ein enormer Vorteil im elektronischen Krieg. Die Terminals hatte Putins Armee auf dem Graumarkt und via Vereinte Arabische Emirate beschafft; also ausgerechnet aus der Gegend, die jetzt unter dem Drohnenbeschuss des Russland-Verbündeten Iran leidet.
Gleichzeitig konnten ukrainische Drohnen auf russischem Territorium die Satellitenverbindung nicht nutzen, da das System dort ursprünglich nicht freigeschaltet war. In der ukrainischen Regierung entstand daraufhin die Idee, Starlink auch über Russland zu öffnen, um gleiche Einsatzbedingungen zu schaffen. Der ukrainische Digitalminister Michajlo Fedorow nahm zu diesem Zweck persönlich Kontakt zu Elon Musk auf.
Russische Militärblogger klagen über massive Probleme
Offenbar beeindruckt von Fedorows Ausführungen sorgte der Starlink-Besitzer nicht nur für gleich lange Spiesse, sondern schloss die russischen Nutzer mittels einer von der Ukraine erstellten «White List» aus.
Aus Sicht des ukrainischen Offiziers war die Intervention Fedorows entscheidend. «Er verdient eigentlich ein Denkmal, solange er noch lebt», sagt Jelisarow. Oft werde in Kiew Kritik laut, wenn Probleme auftauchten, während erfolgreiche Lösungen kaum Beachtung fänden, betont er gegenüber dem Substack-Kanal «Russia Analyzed». Dieser Durchbruch dürfte auch massgeblich zu Fedorows inzwischen erfolgter Berufung zum Verteidigungsminister beigetragen haben.
Russische Militärblogger klagen ihrerseits über die weiterhin bestehenden massiven Kommunikationsprobleme an der Front. Daten des Internetanalyse-Dienstes Cloudflare Radar zeigen, dass das Volumen des satellitengestützten Datenverkehrs im Kriegsgebiet zuletzt um mehr als die Hälfte eingebrochen ist.
Wie das Fachportal «Militär Aktuell» berichtet, greifen russische Einheiten als Ersatz häufig auf Richtfunkverbindungen zurück. Dafür müssen Antennen auf hohe Infrastruktur wie Strommasten installiert werden. Diese improvisierten Kommunikationspunkte sind jedoch verwundbar: Ukrainische Drohnenpiloten greifen solche Anlagen inzwischen gezielt an, wodurch Reparatur- oder Installationsarbeiten für russische Soldaten zunehmend zur tödlichen Falle werden können.
(fwa)

