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Beim grössten Schweizer Onlinehändler kann man neu mit Kryptos bezahlen. bild: zvg

Digitec Galaxus akzeptiert ab sofort Bitcoin und Co. – das musst du wissen

Paukenschlag im Schweizer E-Commerce: Der grösste Onlinehändler des Landes führt Kryptowährungen als Zahlungsmittel ein – und macht sie damit massentauglich. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.



Was ist passiert?

Kunden von Digitec und Galaxus können beim Online-Shopping ab sofort mit Kryptowährungen (Kryptos) bezahlen. Neben Bitcoin akzeptiert der grösste Schweizer Onlinehändler eine Reihe sogenannter Altcoins. Dazu gleich mehr.

Welche Produkte kann man bei Digitec Galaxus mit Kryptos bezahlen?

Alle, die die Migros-Tochter im Sortiment führt. Das sind gemäss eigenen Angaben rund 2,7 Millionen Artikel; vom Schuhlöffel über Weizenbier bis zum Gaming-PC.

Warum ist das wichtig?

Digitec Galaxus ist der grösste Onlinehändler der Schweiz. Wenn der Marktführer im hiesigen E-Commerce einen solchen Schritt macht, werden dies die Konkurrenten genau registrieren und allenfalls nachziehen.

Sicher ist: Damit werden Kryptos als Zahlungsmittel in der Schweiz endgültig massentauglich.

Bislang konnte man unter anderem schon Bitcoins an den SBB-Billettautomaten kaufen und bei verschiedenen kleineren Unternehmen damit bezahlen. Die Bundesbahnen kooperieren seit 2017 mit der in Zug angesiedelten Firma Sweepay. Allerdings wurde das Angebot in Medienberichten als teuer und intransparent kritisiert.

Digitec Galaxus begeht diese Fehler nicht. Für die Zahlungsabwicklung hat man einen anderen international tätigen Partner gewählt und macht die Umrechnungskurse transparent.

Wer hats erfunden?

Ein Team von Software-Ingenieuren bei Digitec Galaxus, das sich Team Spectre nennt.

Die neue Zahlungsoption sei im Rahmen eines Pilotprojekts zusammen mit dem Schweizer E-Payment-Spezialisten Datatrans AG zustande gekommen. Für die Abwicklung der Transaktionen wird mit dem Krypto-Zahlungsabwickler Coinify zusammengearbeitet. Das in Dänemark beheimatete Fintech-Unternehmen ist weltweit tätig.

Was ist der Mindestbetrag, um mit Kryptos zu bezahlen?

200 Franken.

Mit diesem Mindestbestellwert werde die Wahrscheinlichkeit einer schnellen Zahlungsbestätigung erhöht, sagt Digitec-Galaxus-Sprecher Alex Hämmerli.

Und der Maximalbetrag?*

Abgesehen von der Option «Bezahlen per Rechnung» gibt es bei Digitec Galaxus keine maximalen Kaufbeträge – auch nicht bei Kryptowährungen.

*Update: Bei Coinify gibt es laut Digitec-Galaxus-Sprecher Alex Hämmerli eine Obergrenze für Zahlungen von 10'000 Euro oder mehr. «Wir werden die Zahlungsoption voraussichtlich für Beträge ab 10'000 Franken deaktivieren.»

Welche Kryptowährungen werden akzeptiert?

Neben dem bekanntesten wird eine ganze Reihe sogenannter Altcoins akzeptiert:

Warum soll ich mit Bitcoin und Co. bezahlen?

Dazu Oliver Herren, Digitec-Mitgründer und Chief Innovation Officer:

«Weil du welche hast und sie auch mal nutzen möchtest? Oder weil du sie nicht in echtes Geld umwandeln kannst, da deine Bank das Geld nicht annimmt? Einfach so, weil du es kannst? Oder weil du gerne neue Dinge ausprobierst?»

Bleibt anzumerken, dass es natürlich auch finanziell interessant sein kann, mit Kryptos reale Waren zu bezahlen. Das hängt natürlich von der Kursentwicklung ab.

Oliver Herren, Digitec-Mitgründer

«Wir wollten das schon lange umsetzen, aber der Aufwand war lange Zeit zu gross», sagt Digitec-Mitgründer Oliver Herren. Bild: zvg

Was passiert bei massiven Kursschwankungen?

Wenn man etwas bei Digitec oder Galaxus kauft, gibt es einen fixen Wechselkurs für 15 Minuten. Das heisst, man muss als Käufer keine bösen Überraschungen befürchten.

Bekanntlich ist der Bitcoin-Kurs extrem volatil. Sprich: Der Preis, den man für diese und andere Kryptowährungen bezahlt, kann nur schon an einem Tag stark variieren. In Ausnahmefällen kann es zu einem Absturz oder im Gegenteil zu explodierenden Kursen kommen. Etwa dann, wenn irgendwo auf der Welt etwas passiert, das die Besitzer von Kryptowährungen nervös macht – oder die Nachfrage antreibt. Es sind die gleichen, zum Teil unerklärlichen Phänomene zu beobachten wie beim Handel mit Aktien und Wertpapieren.

Ist das überhaupt sicher?

Ja. So sicher wie Online-Transaktionen sein können.

Warum tut Digitec das?

Es ist in erster Linie ein PR-Coup. Der grösste Schweizer Onlinehändler kann so bei einer jüngeren, technikaffinen Kundschaft punkten und sich als fortschrittlich präsentieren.

Mit dem Akzeptieren von Kryptos als Zahlungsmittel sind für das Unternehmen keine finanziellen Risiken verbunden. Die Abwicklung der Transaktionen übernimmt ein externer Dienstleister. Das heisst, der Schweizer Onlinehändler geht kein Währungsrisiko ein, sondern bekommt von Coinify den jeweils aktuellen Frankenbetrag ausbezahlt.

Dazu Digitec-Mitgründer Oliver Herren:

«Kryptowährungen faszinieren und könnten im E-Commerce zu einem relevanten Zahlungsmittel werden – diese Entwicklung wollen wir gerne unterstützen.»

Bleibt anzumerken, dass Digitec auch am Verkauf von Produkten rund um Kryptowährungen profitieren kann. Im Angebot sind etwa Krypto-Wallets zu finden, das sind physische Datenträger, die quasi als Tresor für Kryptos dienen.

Was ist mit Schwarzgeld und Geldwäscherei?

Dass Darknet-Drogenhändler versuchen, ihre mit illegalen Aktivitäten gewonnenen Kryptos in reale Ware umzutauschen, ist nicht auszuschliessen. Ganz grundsätzlich gilt aber, dass Kryptowährungen nur eine vermeintliche Anonymität gewährleisten. Alle Transaktionen sind öffentlich und können zurückverfolgt werden. Zudem dürften Kriminelle in erster Linie an Bargeld interessiert sein und nicht an Waren.

Alex Hämmerli, Sprecher von Digitec Galaxus, betont:

«Anonyme Bestellungen sind bei uns nicht möglich. Das schreckt ab. Ausserdem wenden wir alle Sicherheitsmassnahmen an, die wir auch bei anderen Zahlungsmitteln anwenden. Verdachtsfälle melden wir den zuständigen Behörden. Erhärtet sich der Verdacht, blockieren wir betroffene Konten und unterstützen die Behörden in ihrer Arbeit.»

Wie einfach bezahlt man mit Bitcoin und Co.?

Das Vorgehen ist relativ einfach und schnell erklärt:

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screenshot: digitec

Wie hoch sind die Gebühren?

Coinify verrechnet via Umrechnungskurs eine Gebühr von 1,5 Prozent des Kaufbetrags. Digitec Galaxus verlangt für Zahlungen mit Kryptowährungen keine Gebühren.

Zum Vergleich: PayPal sei mit 2 Prozent Gebühren ein teurer Anbieter für die Online-Shopper, hält der Kommunikationschef von Digitec Galaxus, Tobias Billeter, fest. Twint dagegen sei diesbezüglich viel attraktiver, weil kostenlos.

Entsprechend werde Twint bei den Kunden immer beliebter, während sich PayPal rückläufig entwickle. Dass Digitec Galaxus dennoch PayPal als digitale Bezahllösung anbiete, habe historische Gründe: «PayPal war der erste Anbieter.»

Was ist mit Apple Pay und Samsung Pay?

Dazu teilt Tobias Billeter mit:

«Wir beobachten genau, was unsere Kunden für weitere Bezahloptionen wünschen. Stellen wir fest, dass die Nachfrage nach Apple Pay, Samsung Pay oder anderen Anbietern gross ist, werden wir weitere Bezahllösungen implementieren.»

Kann man auch in den Digitec-Läden mit Kryptos bezahlen?

Vorläufig nicht. «Aktuell bieten wir diese Option nur in unseren beiden Onlineshops an», sagt der Mediensprecher.

Können auch deutsche Kunden mit Kryptos bezahlen?

Noch nicht. Dazu der Digitec-Galaxus-Sprecher: «Die Option haben wir erst einmal für unsere Kunden in der Schweiz freigeschaltet.» Wenn das Angebot in der Schweiz ein Erfolg sei, wolle man dieses auch auf Deutschland ausweiten.

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