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Die Aargauer Regierung will weiter auf Microsoft-Software setzen

Microsoft 365 Symbolbild.
Die riskante Abhängigkeit von US-amerikanischen Techkonzernen ist auch in der Aargauer Politik ein Streitthema. Bild: imago-images.de

Digitale Souveränität? Die Aargauer Regierung will weiter auf Microsoft-Software setzen

Der Regierungsrat lehnt eine überparteiliche Forderung nach einer forcierten Umstellung auf Open-Source-Software und Schweizer Cloud-Lösungen ab. Er unterstützt zwar das Ziel der digitalen Unabhängigkeit – warnt jedoch vor Mehrkosten.
24.02.2026, 11:3124.02.2026, 11:58

Eine breit abgestützte Allianz aus dem Aargauer Kantonsparlament, dem Grossen Rat, macht Druck bei der Digitalisierung. In Vorstössen fordert die politische Allianz, die von der GLP über die SP bis zur SVP reicht, eine stärkere Nutzung von Open-Source-Software und Schweizer Cloud-Lösungen, um die Abhängigkeit von globalen IT-Konzernen wie Microsoft zu verringern.

Trotz geteilter Grundsatzziele lehnt die Aargauer Regierung das Postulat für eine «Open-Source- und Swiss-Cloud-Offensive» ab. Begründung: Eine politische Leitlinie, die frei verfügbare Software «einseitig» bevorzuge, sei nicht das geeignete Instrument.

Im Gegensatz zur Bundesverwaltung und verschiedenen anderen Kantonen will die Aargauer Regierung weiter den Ansatz «Best of Breed» – also die Auswahl der jeweils fachlich und wirtschaftlich besten Lösung, egal ob proprietär oder quelloffen. Zudem warnt der Regierungsrat vor beträchtlichen Mehrkosten.

Die Open-Source-Befürworter sehen dies anders:

Ökonomisch bieten Open-Source-Lösungen langfristig oft geringere Kosten, weniger Lock-ins und höhere Wiederverwendbarkeit. Schweizer Cloud-Lösungen stärken die inländische Wertschöpfung und bieten klare Rechtsbedingungen – ein Vorteil, den globale Anbieter nicht oder nur teilweise bieten können.
Grossrätin Sabine Sutter (Die Mitte)

Als Open-Source wird Software bezeichnet, deren Quelltext öffentlich ist und von Dritten eingesehen, geändert und genutzt werden kann. Open-Source-Software kann unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kostenfrei genutzt und verteilt werden.

Regierungsrat sieht mehrere Probleme

Eine erzwungene Migration würde laut Regierungsrat kurz- und mittelfristig hohe Aufwände für Analysen, Schulungen und die Umgestaltung von Schnittstellen auslösen, während Einsparungen bei Lizenzkosten unsicher seien.

Auch rechtlich sieht der Regierungsrat Probleme, da eine technologische Vorentscheidung gegen das öffentliche Beschaffungsrecht verstossen könnte.

Das Gremium besteht aus einer bürgerlichen Mehrheit (FDP, SVP, Mitte) und einer SP-Vertretung.

Strategie als Kompromiss

Auf mehr Rückhalt gestossen sind die Aargauer Parlamentarierinnen und Parlamentarier bei der strategischen Ausrichtung. Der Regierungsrat ist bereit, das Postulat zur Erarbeitung einer Strategie «Digitale Souveränität Aargau 2030» entgegenzunehmen.

Diese Strategie soll aufzeigen, wie der Kanton seine Handlungsfähigkeit sichert und Abhängigkeiten von Anbietern ausserhalb der Schweiz und der EU reduziert.

Dabei betont die Kantonsregierung, dass sie den Datenstandort bereits heute kenne. Bis auf eine Ausnahme seien alle kantonalen Daten in der Schweiz oder im EU-Raum gespeichert, hiess es.

Quellen

(dsc)

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ch.vogel
24.02.2026 12:40registriert Mai 2014
"da eine technologische Vorentscheidung gegen das öffentliche Beschaffungsrecht verstossen könnte"

OpenSource und Schweizer Cloud sind Spezifikationen/Anforderungen, keine technischen Details. Es steht Microsoft frei, eine Lösung anzubieten, welche diese Anforderungen erfüllt.

"betont die Kantonsregierung, dass sie den Datenstandort bereits heute kenne"
Der Datenstandort ist weniger relevant als die Kontrolle darüber, wer darauf Zugriff hat. Bei US-Firmen haben dank dem "CLOUD Act" auch amerikanische Strafverfolgungsbehörden Zugriff, und das ist ein No-Go.
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saukaibli
24.02.2026 12:38registriert Februar 2014
Immer dieser Schwachsinn von wegen Mehrkosten. Kurzfristig mag das ja noch stimmen, aber langfristig rechnet sich Open Source auf jeden Fall. Wenn die ganzen Regierungen das Geld, was für Microsoft-Lizenzen drauf geht, in die Weiterentwicklung von Open Source stecken würde, könnte Europa innerhalb weniger Jahre unabhängig von amerikanischen Grosskonzernen werden und langfristig massiv Geld sparen. Dann würden auch andere Softwarehersteller Linuxversionen ihrer Software veröffentlichen und Hardware-Hersteller entsprechende Treiber. Davon würden wir schlussendlich alle profitieren.
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Miimiip! aka Roadrunn_er
24.02.2026 12:28registriert Juli 2018
So wie im Moment die USA ticken, gibt eigentlich keine andere Wahl als den Umzug zu Opensource Software und Vorallem, Umzug auf CH Cloud Anbieter.
Die Ausreden vonwegen ‚Lizenzkosten Ersparnis sind unsicher‘ lass ich mal so nicht gelten. MS ist laufend dran frühere Gratis Produkte zu versenken und als Alternative ein Abo von ihren neuen Produkten, die sich in der Azure Cloud befinden, einzusetzen. Bsp. WSUS, Terminal Server, etc. Somit wird man gezwungen sich an MS und ihre Clouddienste zu binden, welche auf Dauer definitiv teurer sind als die bewährten OnPrem Produkte.
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