Digital
Social Media

Taylor Swift droht Student mit Klage, weil er Privatjetflüge zeigt

Taylor Swift droht Student mit Klage, weil er die (vielen) Flüge ihres Privatjets zeigt

Der US-Student Jack Sweeney hat erneut Ärger, weil er die Privatflüge von Superreichen quasi in Echtzeit im Internet dokumentiert.
07.02.2024, 14:0007.02.2024, 19:19
Mehr «Digital»

Techmilliardäre und Superstars fliegen bevorzugt mit dem Privatjet, wollen aber nicht, dass die Öffentlichkeit ihr umweltschädliches Reiseverhalten mitbekommt.

Wie die «Washington Post» berichtet, haben nun die Anwälte von Taylor Swift mit rechtlichen Schritten gegen einen Studenten gedroht, der Privatflüge von Prominenten visualisiert. Es handelt sich um Jack Sweeney aus Florida. Also um den jungen Mann, der schon mit Elon Musk Ärger hatte.

Taylor Swift habe «keine andere Wahl, als alle rechtlichen Schritte einzuleiten», falls Sweeney nicht mit seinem «Stalking- und Belästigungsverhalten» aufhöre, liess die vom Superstar beauftragte Anwaltskanzlei verlauten.

Öffentlich verfügbare Daten

Zur Erinnerung: Sweeney tut nichts Illegales. Er nimmt öffentlich verfügbare Daten zum privaten Flugverkehr und füttert damit ein selbstgeschriebenes Programm.

Der Student zapft eine Website namens ADS-B Exchange an, die 2016 von einem IT-Fachmann lanciert wurde, um registrierte Privatjets zu verfolgen, und ein Bot lädt die Flüge automatisch auf seine Social-Media-Profile hoch.

Privatjets werden regelmässig wegen ihrer «unverhältnismässig hohen» Auswirkungen auf den Klimawandel kritisiert, ruft die «Washington Post» in Erinnerung. Und Sweeneys Berichte seien oft dazu verwendet worden, die berühmtesten Passagiere zu benennen und an den Pranger zu stellen.

Vom «Forbes»-Magazin ist Sweeney Ende 2023 in eine Liste mit einflussreichen jungen Techunternehmern aufgenommen worden. Zur Begründung hiess es:

«Jack Sweeney hat Bots entwickelt, die die Privatjets der Reichen und Berühmten aufspüren, darunter Mark Cuban, Taylor Swift und verschiedene russische Oligarchen, und hat Journalisten, Forschern und Hobbyisten geholfen, Flugzeuge über Social Media zu verfolgen.»
quelle: forbes.com (übersetzt mit deepl)

Taylor Swifts Anwälte argumentieren, der Popstar sei regelmässig mit Stalkern konfrontiert worden, die vor ihren Häusern auftauchten. Und gemäss Darstellung der Sprecherin von Swift lasse der Zeitpunkt des Stalking auf einen Zusammenhang mit Sweeneys Flug-Tracker schliessen. Zu laufenden polizeilichen Ermittlungen könne man sich nicht äussern.

Wenn Facebook plötzlich mit Datenschutz-Bedenken argumentiert

Swifts Argumentation wirft Fragen auf. Schon 2022 hatte ein Sprecher darauf hingewiesen, dass der Superstar den eigenen Privatjet regelmässig an Dritte ausleihe. Was als Argument gedacht war, um die klimaschädlichen Folgen der eigenen Reiseaktivitäten herunterzuspielen, kann auch anders verstanden werden: Niemand weiss anhand der Flugdaten, ob tatsächlich ein Promi drinsitzt und vor allem welcher.

Der 21-jährige Sweeney erklärt denn auch, seine Karten böten nur einen unvollständigen Überblick darüber, in welchen Städten sich Swift möglicherweise aufhalte, «ähnlich wie die öffentlichen Termine für ihre Konzerte oder NFL-Spiele, an denen sie teilnehmen könnte». Die Briefe, in denen ihm Swifts Anwälte mit Konsequenzen drohten, seien ihm just zu jener Zeit geschickt worden, als Swift wegen der Umweltauswirkungen ihrer Privatflüge öffentlich kritisiert wurde.

Ungefähr zum Zeitpunkt des Schreibens im Dezember 2023 hätten Facebook und Instagram Sweeneys Profile deaktiviert, die er erstellt hatte, um Swifts Privatflüge nachzuzeichnen. Dies angeblich mit der Begründung, sie hätten gegen die Datenschutzbestimmungen der Plattformen verstossen.

Wie zu erwarten, meldete sich Elon Musk nach dem Bericht der «Washington Post» zu Wort und kritisierte Sweeney auf seiner eigenen Social-Media-Plattform X (Twitter). Dort hat er alle Privatjet-Tracker bereits sperren lassen.

Anzumerken bleibt, dass sehr viele Leute auf die oben erwähnten Flugdaten zugreifen, um die Flugbewegungen der Privatjets öffentlich zu dokumentieren. Die Website celebrityprivatejettracker.com beispielsweise listet auch die Maschinen von Bill Gates, Mark Zuckerberg und Co. auf.

Quellen

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die kleinen Freuden des Flugzeug-Reisens – in 12 Memes
1 / 14
Die kleinen Freuden des Flugzeug-Reisens – in 12 Memes
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Besitzer von Privatjet-Flotte packt aus
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
57 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
sweeneytodd
07.02.2024 14:23registriert September 2018
Schon witzig, gegen etwas klagen, was für jeden öffentlich einsehbar ist. Ich persönlich finde die Arbeit meines Namensvetters gut, gerade Promis schwingen oft und gerne mit der Moralkeule für einen stärkeren Umweltschutz (was ja eigentlich schon gut ist), obwohl sie zu den grössten Verschmutzern dieses Planeten gehören.
25815
Melden
Zum Kommentar
avatar
John H.
07.02.2024 14:40registriert April 2019
Sie sollte gelegentlich mit Barbra Streisand reden.
17012
Melden
Zum Kommentar
avatar
Rhabarber
07.02.2024 18:23registriert Dezember 2023
Das hat so gar nichts mit Stalking zu tun. Swift und Musk hassen es nur, dass sie von diesem jungen Studenten laufend als die Umweltvernichter entlarvt werden, die sie sind.
Ich hoffe, diese beiden scheinheiligen Promis kommen mit der Klage nicht durch. Der Student hat ja nichts Illegales getan.
12210
Melden
Zum Kommentar
57
Darum klopft der Datenschützer des Bundes Digitec Galaxus auf die Finger

Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte (Edöb) kritisiert den grössten Schweizer Online-Händler Digitec Galaxus wegen dessen Umgang mit Kundendaten. Unter anderem verletzte das Unternehmen mit dem Zwang, ein Kundenkonto anzulegen, den Grundsatz der Verhältnismässigkeit.

Zur Story