Social-Media-Verbot in Australien: Jugendliche tricksen Altersprüfung aus
Mit einem weltweit beachteten Gesetz hatte Australien im vergangenen Dezember ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren eingeführt. Anfang Jahr zog die zuständige Internet-Aufsichtsbehörde eSafety ein erstes Fazit: 4,7 Millionen Accounts von Kindern und Jugendlichen wurden bis dahin deaktiviert oder gelöscht.
Nun liegt ein erster Untersuchungsbericht vor. Insgesamt wurden seit der Einführung des Gesetzes fünf Millionen Accounts gelöscht, 310'000 Registrierungen wurden zudem verhindert, berichtet ZDFheute. Trotzdem hätten 300 von 900 befragten Eltern angegeben, dass ihre Kinder noch mindestens ein Social-Media-Konto hätten. Vor der Einführung sagte dies die Hälfte aus. Fast 70 Prozent der unter 16-Jährigen könnten noch immer auf ihr Nutzerkonto zugreifen.
Tricksen bei der Gesichtserkennung oder falsche Altersangabe
Die Aufsichtsbehörde wirft Facebook, Instagram, TikTok, Snapchat und YouTube vor, die Altersbeschränkungen nicht konsequent umzusetzen, teilte Kommunikationsministerin Anika Wells mit. Der erste Bericht der Behörde zu dem Verbot habe «inakzeptable Systeme» offengelegt, die von grossen Technologiekonzernen eingesetzt würden – darunter die Möglichkeit für Nutzer, wiederholt zu versuchen, Altersverifikationsprüfungen zu überbrücken. Teilweise könnten sie dies so lange versuchen, bis sie schliesslich Zugang bekämen.
«Die Art von Taktiken, die wir bei Social-Media-Plattformen sehen, um Australiens weltweit führendes Gesetz zu unterlaufen, stammen direkt aus dem Drehbuch der Big-Tech-Konzerne», betonte Wells in einer Erklärung. Der eSafety-Bericht zeige, dass die Konzerne offenbar versuchten, «mit dem absolut Nötigsten davonzukommen».
Gemäss «ZDFheute» ist im Gesetz nicht vorgeschrieben, wie die Konzerne die Einhaltung der Altersgrenze sicherstellen müssen. Viel Aufwand brauchen die Jugendlichen offenbar nicht: Teilweise würden die Kinder nicht einmal aufgefordert, ihr Alter zu verifizieren. Und wenn, könnten sie die Altersprüfung mehrmals durchmachen, bis es klappt. So würden sie beispielsweise einfach ein falsches Alter angeben, sich älter schminken oder ältere Personen die Gesichtserkennung durchführen lassen.
Strafe wird geprüft
Unternehmen drohen bei einer Verletzung des Gesetzes Geldstrafen von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar (rund 27 Millionen Franken). Dabei handelt es sich nicht um eine Einmalzahlung, sondern um die Maximalstrafe pro festgestelltem systematischen Verstoss gegen Compliance-Pflichten. Derzeit fallen zehn Plattformen unter das Gesetz, etwa auch Reddit und X.
Die zuständige eSafety-Kommissarin Julie Inman Grant untersucht nun mögliche Verstösse. Falls die Plattformen ihre gesetzlichen Verpflichtungen systematisch verletzt hätten, müsse mit aller Härte gegen sie vorgegangen werden, forderte Wells. Derzeit werde Beweismaterial gesammelt, berichtet ZDF. Danach soll entschieden werden, ob Bussen verhängt werden.
Eltern berichten auch Positives
Australien hatte am 10. Dezember 2025 als erstes Land der Welt ein generelles Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige eingeführt. Damit wolle man Kindern ihre Kindheit zurückgeben, hatte die Regierung ihren bahnbrechenden Schritt begründet – und sie zudem vor Cyber-Mobbing und dem Konsum verstörender Inhalte schützen.
Mittlerweile wollen immer mehr europäische Länder dem Beispiel folgen. Australische Eltern berichten denn auch von Erfolgserlebnissen: Mit dem Verbot hätten sie nun ein handfestes Argument, den Wunsch ihrer Kinder nach einem Social-Media-Konto abzuschlagen. (vro/sda/dpa)
