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Bild: keystone

Autovermieter Hertz bestellt 100'000 Teslas – Aktie geht durch die Decke

26.10.2021, 09:02

Der US-Autovermieter Hertz steckt mit einer Grossbestellung bei Tesla Milliarden in den Ausbau seiner Elektro-Autoflotte. Bis Ende 2022 seien 100'000 Tesla bestellt worden, teilte der Hertz am Montag mit. Zum Vergleich: In den ersten neun Monaten des Jahres lieferte Tesla insgesamt knapp 630'000 Fahrzeuge aus.

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg darüber berichtet und dabei ein Kaufvolumen von rund 4.2 Milliarden US-Dollar genannt. Laut Bloomberg plant Hertz, fast alle seiner rund 500'000 Autos und Transporter zu elektrifizieren, wobei der Tesla-Auftrag einen ersten bedeutenden Teil ausmacht.

Eine erste Tranche der bestellten Model 3 werde ab Anfang November in den wichtigsten US-amerikanischen und europäischen Märkten bei Hertz zu mieten sein, teilte das Unternehmen in einer Presseerklärung mit. Nach der Ankündigung stieg Teslas Wert auf über eine Billion Dollar. Damit spielt die Aktie nun in einer Klasse mit den Technologiegiganten Apple, Microsoft, Alphabet und Amazon.

Das Unternehmen will in den kommenden Jahren weiter kräftig wachsen. Die Tesla-Aktien legten im vorbörslichen US-Handel am Montag um mehr als vier Prozent zu. «Neben dem Knacken der Billionen-Marktwertschwelle gelang damit auch der erstmalige Bruch der 1000-Dollar-Kursmarke», schreibt die FAZ.

Hertz erklärte, man wolle wegen des starken Interesses der Menschen an Elektroautos die grösste E-Auto-Mietflotte in Nordamerika aufbauen. Neben der Bestellung kündigte Hertz an, mehrere tausend Ladestationen zu installieren. Wer einen Tesla bei Hertz mietet, kann schon jetzt das Netz von 3000 Superchargern des Autoherstellers in den USA und Europa nutzen oder auf die Schnellladestationen anderer Anbieter zurückgreifen.

Der Kauf der Fahrzeuge ist die erste grosse Initiative von Hertz, seit das Unternehmen sein Insolvenzverfahren im Juni abgeschlossen hat. Der Autovermieter war in der Corona-Krise in die Insolvenz gerutscht.

Teslas Erfolgswelle trotz Chipkrise

Mit innovativen Produktionstechnologien und neu entwickelten Batterien treibt Tesla die traditionellen Autobauer schon länger vor sich her. Nun wird der Elektroautobauer aus dem Silicon Valley auch beim Gewinn zum Vorbild für die Branche - und das trotz Chipkrise, unter der fast alle anderen Autobauer ächzen.

«Tesla ist die grosse Ausnahme», sagte Frank Schwope von der NordLB. Im dritten Quartal schraubte der Konzern den operativen Gewinn auf zwei Milliarden Dollar hoch, knapp 150 Prozent mehr als vor einem Jahr. Bereinigt um Abschreibungen nähere sich Tesla beim Betriebsgewinn (Ebitda) aufs Jahr gerechnet der Marke von 13 Milliarden Dollar und komme damit in Grössenordnungen wie die US-Platzhirsche General Motors und Ford, schrieben die Analysten von Morgan Stanley. Der Verkauf von CO2-Zertifikaten, aus dem sich lange ein Grosssteil des Gewinns speiste, fällt immer weniger ins Gewicht.

Tesla wächst rasant

Tesla hat sein Produktionsnetz in den vergangenen Jahren ausgebaut und stampft gerade Werke in Grünheide bei Berlin und Texas aus dem Boden. Die im vergangenen Jahr angelaufene Fabrik in Shanghai, die den wichtigen chinesischen Markt beliefert und auch Fahrzeuge nach Europa exportiert, produziert nach Unternehmensangaben inzwischen mehr Autos als das Werk in Fremont im US-Bundesstaat Kalifornien.

Zwar bekam auch Tesla den Gegenwind durch den weltweiten Materialmangel und schwankende Rohstoffpreise zu spüren. Dennoch konnte das Unternehmen die Produktion im Zeitraum Juli bis September steigern und lieferte weltweit gut 241'000 Fahrzeuge aus, 73 Prozent mehr als vor einem Jahr.

In den kommenden Quartalen rechnet das Management um Unternehmensgründer Elon Musk allerdings mit grösseren Belastungen. Zum einem sorgen brüchige Lieferketten zunehmend für Unsicherheit bei den Kosten. Ausserdem bindet der Anlauf der Fabriken im brandenburgischen Grünheide und in Texas Kräfte. «Vor uns liegt noch eine ziemliche Reise, um unsere Ziele umzusetzen», sagte Finanzchef Zachary Kirkhorn mit Blick auf die neuen Werke. Bisher liegt Tesla nach eigenen Angaben gut im Plan, um die Auslieferungen in diesem Jahr konzernweit um 50 Prozent zu steigern.

Neue Akkus sollen Kosten senken

Dass sich der E-Auto-Pionier in der Chipkrise bislang besser geschlagen hat als viele Konkurrenten, führen Analysten darauf zurück, dass das vergleichsweise junge Unternehmen vieles selbst entwickelt und produziert, während traditionelle Hersteller sich auf ein weit verzweigtes Netz an Lieferanten stützen.

Tesla sei wahrscheinlich der am stärksten vertikal integrierte Autobauer der Welt, schrieben die Analysten von Morgan Stanley. Obwohl Tesla kleiner sei als die meisten Konkurrenten, betrachteten viele Lieferanten den Konzern wegen seines starken Wachstums als strategischen Kunden.

Tesla kündigte an, Batterien mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen, die günstiger sind als herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus, bei Einstiegsmodellen ausserhalb von China einzubauen. Analysten gehen davon aus, dass der US-Elektroautobauer damit die Kosten senken und Lieferengpässe bei Akkus verhindern kann.

Musk hatte im vergangenen Jahr angekündigt, die selbst entwickelte Batterietechnologie versetze Tesla in die Lage, in drei Jahren E-Autos zum Preis von 25'000 Dollar anzubieten. Dies würde die Konkurrenz weiter unter Druck setzen.

(oli/awp/sda/reu/dpa)

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