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Kryptokätzchen sind das Beste, was dem wahnsinnigen Kryptomarkt passieren konnte



Deklaration der Interessenbindung

Der Autor dieser Zeilen besitzt Ether und diverse Altcoins.

Die Kryptowelt spielt verrückt. Und seit ein paar Tagen sogar katzenladymässig verrückt. Schuld sind tatsächlich die zweitbeliebtesten Tiere des Internets: Katzen.  

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Zweitbeliebteste? Das Verdikt ist klar: Katzen werden weniger gegoogelt als Hunde. Was aber selbstverständlich auch heissen kann, dass man sie nicht mag. Es heisst ja nicht umsonst: «Kenne deinen Feind». bild: google trends.

Der Grund für die Aufregung in der Kryptoszene heisst Cryptokitties – ein Game basierend auf der Kryptowährung Ethereum.

Ethereum ist die Nummer zwei hinter Bitcoin und in seinen Möglichkeiten einiges umfangreicher. Erfunden wurde Ethereum vom Russokanadier Vitalik Buterin – einem 23-jährigen Computergenie, das schon als Kind doppelt so schnell rechnen konnte wie seine Mitschüler – in der Hochbegabtenklasse.

Buterin bezeichnet sein Konstrukt als das Smartphone unter den Blockchains: Wie beim Telefon können Entwickler auch für Ethereum Apps programmieren – sogenannte DApps.

Die bisher erfolgreichste DApp ist die dezentrale Handelsplattform Etherdelta . Sonst hält sich der Erfolg von DApps in Grenzen und die Ether-Gemeinschaft wartet sehnlichst auf die Killer-DApp – Cryptokitties scheint dies nun in jeder Hinsicht zu sein.

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Süss und süchtig machend: Cryptokitties. screenshot: cryptokitties.io

Seit dem 1. November gibt es die Cryptokitties. Wer mit ETH dafür bezahlt, der kann auf der Blockchain kleine digitale Kätzchen züchten, aufziehen, kaufen und wieder verkaufen. Ein Spielchen auf der Blockchain. Mehr nicht. Aber ein Spielchen mit dem Suchtfaktor unendlich.

In einem Monat wurden bereits über 30'000 virtuelle Kätzchen verkauft. Ether im Wert von über zwei Millionen Franken wechselten den Besitzer. Die bisher kostspieligste Mieze ging für – anschnallen bitte – 117'712 Dollar über den Ladentisch.

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Kosten gleich viel: ein Mercedes-AMG CLS63 S und ein Cryptokitty.

Doch die Cryptokitties sind das Beste, was der Industrie hätte passieren können. Sie sind Türöffner für Leute, die sich sonst nicht für die Blockchain-Technologie interessieren würden: eine Real-World-Anwendung.

Der Grund für den Erfolg von Cryptokitties ist einfach: Jedes Kätzchen gibt es nur genau einmal. Wie ein Fingerabdruck ist jede Mieze absolut individuell. Ein digitales Produkt, das es tatsächlich nur einmal gibt, das nicht kopiert, aber trotzdem gehandelt werden kann. Dies macht die Blockchain-Technologie erst möglich. Cryptokitties sind deshalb Blockchain-Technologie vom Feinsten. 

Die virtuellen Kätzchen sind aber noch aus einem weiteren Grund eine absolute Killer-DApp: Sie killen das System – und legen damit die vielen Hürden offen, welche die Blockchain-Technologie noch überwinden muss, um die momentan sehr hohen Investitionen zu rechtfertigen.

Der Handel der Kätzchen macht mittlerweile über zwölf Prozent des gesamten Handels mit Ether-Smartcontracts aus. Das belastet das Ethereum-System gewaltig – die Klagen häufen sich. Eine Transaktion von der einen zur nächsten Handelsplattform dauerte früher mit Ethereum Sekunden bis maximal ein paar Minuten. Heute wartet man gut ein paar Stunden.

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Cryptokitties breiten sich wie ein Virus über das Ether-Netzwerk aus. bild: screenshot: ETH gas station

watson hat den Test gemacht und um ca. 13.00 Uhr eine Transaktion zwischen den beiden Handelsplattformen Bittrex und Binance getätigt. Auch kurz vor 16.00 ist der Betrag nicht angekommen.

Dass nach dem Bitcoin-Netzwerk nun auch das Ether-Netzwerk an seine Grenzen stösst, sollte als heilsames Zeichen gewertet werden. Die aktuelle Krypto-Realität sieht so aus: Ein simples kleines Game kann das gesamte Netzwerk verstopfen.

Zwar wird sowohl bei Bitcoin als auch bei Ethereum an Lösungen für die Probleme gearbeitet – Microraiden für Ether ist bereits online, wird aber von Cryptokitties nicht unterstützt – bis zur Einführung wird aber noch viel Geduld benötigt. Frühestens im nächsten Jahr sind die ersten Gehversuche eines potenteren Systems zu erwarten.

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In Sachen Transaktionen pro Tag hat Ethereum Bitcoin bereits Mitte Jahr überholt.

Die verstopften Netzwerke der beiden mit Abstand grössten Kryptoprojekte sollten auch den blindwütigen Investoren die Augen öffnen. Mittlerweile haben 18 Kryptoprojekte eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde Dollar erreicht. Die wenigsten davon haben sich bei einem Stresstest bewährt. Zum Teil funktionieren sie noch nicht einmal im Testlabor. Sogar an den Grundlagen, wie einem funktionierenden Wallet, hapert es in gewissen Fällen.

Viele der Projekte sind nette, schöne, interessante Ideen. Ideen mit ein paar Schlagworten: skalierbar, dezentral, blitzschnell, anonym, sicher, fair. Der Weltfrieden ist auch ein nettes Schlagwort. Trotzdem ist er nicht realisierbar und niemand würde auch nur einen Pfifferling darauf verwetten.

Börsenwerte widerspiegeln nie die Gegenwart. Die antizipierte Zukunft wird im Preis berücksichtigt. Im Fall von Krypto hat der Börsenwert den Wert der Technologie bereits derart abgehängt, dass er sie aus dem Blickwinkel verloren hat. Es wird eine Zeit kommen, in der sich Preis und Technologie einander wieder annähern. Mit einer platzenden Blase, mit mehreren platzenden Bläschen, mit einem Preiswinter. Wir werden es sehen.

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Video: watson

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