Digital
Wirtschaft

Facebook-Konzern stoppt Umsatzschwund – doch ein Problem bleibt

Facebook-Konzern stoppt Umsatzschwund – doch ein Problem bleibt

27.04.2023, 06:27
Mehr «Digital»

Im vergangenen Jahr geriet der Facebook-Konzern Meta unter Druck: Sinkende Erlöse, Milliarden-Kosten für Mark Zuckerbergs Traum vom Metaverse, Konkurrenz durch Tiktok. Doch nun steigt der Umsatz wieder und auch der hauseigene Tiktok-Nachbau trägt Früchte.

epa10581101 People gather in front of the Meta sign outside Meta corporate headquarters in Menlo Park, California, USA, 19 April 2023. According to media reports, thousands of workers are going to los ...
Hat Meta den Turnaround geschafft? Bild: keystone

Für den Facebook-Konzern Meta geht es nach neun Monaten mit Rückgängen wieder aufwärts. Im vergangenen Quartal gab es ein Umsatzplus von drei Prozent, während Analysten einen Rückgang erwartet hatten. Auch für das laufende Vierteljahr rechnet Meta mit einem Plus. Gründer und Chef Mark Zuckerberg sieht in Software mit Künstlicher Intelligenz einen Wachstumstreiber. Zugleich verschlingt seine Zukunftsvision von virtuellen Welten weiter Milliarden – bleibt aber ein Nischengeschäft, das zuletzt schrumpfte.

Mitten im Hype um den Chatbot ChatGPT kommt derzeit kein Tech-Unternehmen bei der Vorlage von Quartalszahlen ohne Erwähnung Künstlicher Intelligenz aus – und Meta war keine Ausnahme. Zuckerberg stellte am Mittwoch Unterhaltungen mit Software in Metas Chatdiensten WhatsApp und Messenger sowie KI-Werkzeuge zum Erzeugen von Bildern bei Facebook und Instagram in Aussicht. Künstliche Intelligenz werde alle Apps und Dienste des Konzerns beeinflussen.

Weiter fokusiert auf Metaverse

Zugleich betonte Zuckerberg, dass dies keine Abkehr von seiner Vision für das sogenannte Metaverse bedeute, eine digitale Welt als künftige Online-Plattform. Zuckerberg hatte das Unternehmen 2021 darauf ausgerichtet – und auch den Konzernnamen von Facebook in Meta ändern lassen, um den neuen Fokus zu unterstreichen. Investoren zeigten sich besorgt über die hohen Ausgaben für die Metaverse-Entwicklung, während Zuckerberg sie als Investition in die Zukunft verteidigt.

Bei der Sparte Reality Labs, in der digitale Welten und die Spezialbrillen für virtuelle Realität entwickelt werden, stieg der operative Verlust auf knapp vier Milliarden Dollar von 2,96 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Der Anstieg gehe hauptsächlich auf Personalkosten und Abfindungen für Entlassungen zurück, sagte Finanzchefin Susan Li. Für das laufende Jahr rechnet Meta weiterhin mit steigenden Verlusten bei den Reality Labs.

Dabei brachte die Sparte im vergangenen Quartal nur Erlöse von 339 Millionen Dollar ein. Auslöser für den deutlichen Rückgang im Vergleich zu den 695 Millionen Dollar Umsatz ein Jahr zuvor seien schlechtere Verkäufe der VR-Brille Quest 2 gewesen, sagte Li. Das App-Geschäft erlöste in dieser Zeit 28,3 Milliarden Dollar und brachte einen operativen Gewinn von 11,2 Milliarden Dollar ein.

Erfolgreiche Antwort auf Konkurrenz

In den vergangenen Monaten bekam Meta auch die Konkurrenz der Video-App Tiktok zu spüren, die vor allem bei jungen Nutzern populär ist und zunehmend Werbedollar anlockt. Meta konterte mit dem Kurzvideo-Format Reels, bei dem die Clips genauso wie bei Tiktok Nutzern von Software empfohlen werden. Dadurch sei die Zeit, die Nutzer bei Instagram verbringen, um 24 Prozent gestiegen, sagte Zuckerberg.

Für die Einnahmen von Meta ist das noch keine gute Nachricht: Denn Anzeigen in Reels sind günstiger als bei anderen Formaten wie Newsfeeds und Stories. Damit kostet die Popularität von Reels Meta Umsatz. Das werde sich erst Ende dieses Jahres oder Anfang 2024 ändern, sagte Li. Im vergangenen Quartal legte der Konzernumsatz auf 28,6 Milliarden Dollar zu.

Turbulente Zeiten

In den Monaten davor hatten Meta ein allgemeiner Rückgang der Online-Werbeausgaben sowie Probleme mit Anzeigenmodellen nach Apples Massnahmen zum stärkeren Schutz der Privatsphäre auf dem iPhone zu schaffen gemacht. Schon im Schlussquartal 2022 übertraf der Facebook-Konzern allerdings trotz eines erneuten Umsatzrückgangs die Analystenprognosen. Am Mittwoch legte die Aktie im nachbörslichen US-Handel um mehr als elf Prozent zu.

Der Quartalsgewinn sank unterdessen um 24 Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar (5,08 Mrd Franken), wie Meta nach US-Börsenschluss mitteilte. Der Konzern leitete jüngst bereits die zweite Runde von Entlassungen nach einem deutlichen Job-Aufbau in der Pandemie ein. Im Mai sollen die Streichungen von insgesamt mehr als 20'000 Jobs abgeschlossen werden.

Sorgen bereitet dem Konzern die Unsicherheit rund um die Datenübermittlung aus der Europäischen Union in die USA. Derzeit läuft das Verfahren für einen neuen Rechtsrahmen dafür, nachdem das Vorgängermodell «Privacy Shield» vom Europäischen Gerichtshof gekippt wurde. Facebook erwirtschafte rund zehn Prozent seiner Werbeerlöse mit Anzeigen in EU-Ländern, sagte Li.

Meta hat eine gewaltige Reichweite unter den Online-Plattformen und wächst noch weiter. Die Zahl der täglich aktiven Facebook-Nutzer erreichte 2,04 Milliarden nach 2 Milliarden drei Monate zuvor. Auf mindestens eine App des Konzerns griffen jeden Tag 3,02 Milliarden Nutzer zu. Ende 2022 waren es noch 2,96 Milliarden. Zu Meta gehören auch Instagram und die Chatdienste WhatsApp und Messenger. Auf Monatsbasis waren 3,81 Milliarden Nutzer in mindestens einer Meta-App aktiv. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Grosse Ballade im kleinsten Rüümli, mit Cachita – hör rein!
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die Angst vor der Einheitskasse macht den Versicherern Beine
Die grössten Krankenkassen der Schweiz wollen einen neuen Branchenverband gründen. Ein wichtiger Grund dafür wird fast nirgends erwähnt: Sie fürchten um ihr Geschäftsmodell.

Damit hatte kaum jemand gerechnet: Am Donnerstag kündigten die 13 grössten Krankenversicherer der Schweiz die Gründung eines neuen Branchenverbands an. Er soll die zerstrittenen Verbände Santésuisse und Curafutura ablösen und Anfang 2025 den Betrieb aufnehmen. Dabei gibt es bislang weder einen Namen noch eine Geschäftsstelle.

Zur Story