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«Financial-Times»-Reporterin Madison Marriage wagte sich an einen «Men-Only-Event». screenshot: youtube/financialtimes

360 reiche Männer treffen auf 130 Hostessen – dann passiert wirklich Unschönes



360 Männer versammelten sich vergangenen Donnerstag im Dorchester Hotel in London zu einem «Men-Only-Event». Eine Spendengala ausschliesslich für Männer. «Presidents Club Charity Dinner», so der Name des Anlasses. 

Ganz ohne weibliche Gesellschaft mussten die Gentlemen aus Politik, Wirtschaft und Unterhaltungsbranche dann aber doch nicht auskommen.

Rund 130 Frauen kümmerten sich um das leibliche Wohl der Gäste. Darunter zwei Journalistinnen der «Financial Times», welche undercover als Hostessen am Event arbeiteten. In einem viel beachteten Artikel beschrieben sie nun, was sie an besagtem Abend erlebten und lösten damit ein kleineres Erdbeben aus.

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Das Video zum Undercover-Einsatz. Video: YouTube/Financial Times

Exakte Kleidervorschriften

Als sich die Journalistinnen bei der Agentur meldeten, die die Hostessen für die Spendengala aufbot, erhielten sie nicht nur die Nachricht, dass sie gross, dünn und hübsch sein sollten, sondern auch gleich noch eine Kleidervorschrift. Die Frauen wurden aufgefordert, knappe schwarze Kleidung, schwarze Unterwäsche und High Heels zu tragen. 

Die Agentur warnte die Frauen, dass einige Gäste durchaus nervig werden könnten oder versuchen könnten, die Hostessen abzufüllen. Laut «Financial Times» meinte die Inhaberin der Agentur: «An diesem Job scheiden sich die Geister. Manche Frauen lieben ihn, für andere ist es der schlimmste Job ihres Lebens, den sie nie wieder machen wollen.» Wenn man mit den nervigen Männern klarkomme, sei der Job aber eigentlich okay.

Begrapscht und belästigt

Als die Hostessen am Tag der Spendengala beim Dorchester Hotel ankamen, mussten sie eine mehrseitige Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Zeit, um sie durchzulesen, blieb keine. 

Gleich zu Beginn des Anlasses zogen die Frauen der Grösse nach aufgereiht in den Saal. Dann begann der Service. Die Aufgabe der Hostessen: Die Männer mit viel Alkohol bei Laune halten.

Was danach folgte, war laut «Financial Times» ziemlich unschön. Mehrere Frauen wurden an ihren Tischen betatscht und belästigt. Eine 28-Jährige berichtete, sie sei an den Beinen, am Po, am Bauch und an der Hüfte angefasst worden. Ein Mann habe sie sogar versucht, zu küssen. Ein weiterer wollte sie aufs Hotelzimmer nehmen. 

Eine 19-Jährige sagte den Journalistinnen, sie sei gefragt worden, ob sie eine Prostituierte sei. Von einem Mann, der wohl gegen die 70 zugegangen sei.

Arbeiten mussten die Frauen bis zwei Uhr morgens. Bis dann dauerte die «After Party». Die Hostessen-Agentur soll einer Mitarbeiterin dabei gesagt haben, dass sie an der Party gerne auch trinken und sich den attraktivsten Mann aussuchen dürfe. Viele der jüngeren Hostessen hätten zu diesem Zeitpunkt bereits völlig erschöpft und verängstigt ausgesehen, berichten die Journalistinnen der «Financial Times». 

Enthüllungen haben Konsequenzen

Die Enthüllungen der Zeitung haben bereits erste Konsequenzen. Seit 33 Jahren ist «Presidents Club Charity Dinner» fester Bestandteil in der Agenda der Londoner «High Society». Doch nun ist die Stimmung komplett gekippt. Mehrere Firmen, die den Event bisher unterstützt haben, zeigen sich in ersten Statements schockiert. Institutionen, die durch die Spendengala Geld bekommen haben, möchten das Geld zurückgeben.

Auch für einen der Organisatoren sind die Enthüllungen folgenschwer. David Meller trat aus dem Beirat des britischen Bildungsministeriums zurück. Gegen Meller wurden zwar keine Belästigungsvorwürfe erhoben, doch das Bildungsministerium in London bezeichnete die Vorkommnisse als «inakzeptabel» und bat ihn zum Rücktritt. 

Auch gegen ein konservatives Parlamentsmitglied, das an der Veranstaltung teilnahm, wurden Vorwürfe laut. Der Mann behauptete jedoch, dass er den Anlass frühzeitig verlassen habe. 

Jo Swinson, Politikerin der Liberal Democrats, zeigte sich auf Twitter schockiert über die Berichte. 

Premierministerin Theresa May äusserte sich ebenfalls zu den Berichten der «Financial Times» und bezeichnete sie als «unangenehm». Der Rücktritt von Meller sei die richtige Entscheidung gewesen. (cma)

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Video: srf

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