International
Afghanistan

Afghanistan-Treffen der UN in Doha begonnen – ohne Taliban

FILE - Afghan women wait to receive food rations distributed by a humanitarian aid group, in Kabul, Afghanistan, on May 23, 2023. Afghan women feel scared or unsafe leaving their home alone because of ...
Frauen warten in Kabul auf Essensrationen von einer Hilfsorganisation, aufgenommen am 23. Mai 2023. Afghanische Frauen fühlen sich seit der Machtübernahme der Taliban unsicher, allein das Haus zu verlassen.Bild: keystone

Afghanistan-Treffen der UN in Doha begonnen – ohne Taliban

18.02.2024, 18:29
Mehr «International»

In der katarischen Hauptstadt Doha hat ein hochrangiges Afghanistan-Treffen begonnen. Vertreter der internationalen Staatengemeinschaft kamen am Sonntag bei der Veranstaltung in dem Golfemirat zusammen, wie eine UN-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur sagte. Organisiert wird das zweitägige Treffen von den Vereinten Nationen. Auch UN-Generalsekretär António Guterres nimmt teil.

Bei den Beratungen soll laut der UN unter anderem diskutiert werden, wie internationale Staaten ihre Beziehungen zu den Taliban auf eine koordinierte und strukturierte Weise gestalten können. Bisher hat kein einziges Land weltweit die Taliban-Herrschaft offiziell anerkannt. In einigen Staaten wie China, Russland, Pakistan oder Iran haben jedoch Botschafter der Taliban ihre Arbeit aufgenommen. Bereits in der Vergangenheit war Katar Gastgeber von Afghanistan-Gesprächen.

Kritik im Vorfeld

Menschenrechtler kritisierten die Konferenz vorab und forderten UN-Generalsekretär Guterres dazu auf, Frauenrechte auf die Agenda zu setzen. Die ehemalige Vize-Präsidentin des afghanischen Parlaments, Fausia Kufi, schrieb in einem Meinungsartikel, die Konferenz könne ein Erfolg sein, «wenn ein sinnvoller Dialog zwischen allen Seiten geführt wird». Sie forderte, sämtliche Teile der afghanischen Gesellschaft zu berücksichtigen.

In einem am Freitag veröffentlichten Quartalsbericht der UN hiess es, dass sich mehr als die Hälfte der Afghaninnen unsicher fühle, wenn sie das Haus ohne männlichen Begleiter verliessen. Grund seien vor allem Schikanen seitens der Sicherheitskräfte der Taliban. Rund zwei Drittel der befragten Frauen äusserten zudem die Befürchtung, dass eine internationale Anerkennung der Taliban-Herrschaft ihre Lage weiter verschärfen könnte.

Taliban nehmen nicht teil

Die Taliban lehnten ihre Teilnahme an dem Treffen ab, indem sie erklärten, dass ihre Bedingungen nicht erfüllt worden seien. Wiederholt hatten die Islamisten in der Vergangenheit gefordert, als alleiniger Vertreter Afghanistans anerkannt zu werden. Viele Menschen haben daran aber Zweifel. Im Zuge ihrer Machtübernahme haben die Taliban Frauen- und Freiheitsrechte drastisch eingeschränkt. Ihre Regierung ist äusserst autoritär.

Mitte August 2021 hatten die Taliban noch vor dem vollständigen Abzug der US-Truppen wieder die Macht in Afghanistan an sich gerissen. In den Wochen zuvor hatten sie immer mehr Bezirke des Landes eingenommen. Sie versprachen anfangs, moderater zu regieren, allerdings wurde ihre Herrschaft zuletzt immer dogmatischer. Die humanitäre Lage im Land gilt als prekär. Westliche Botschaften haben Afghanistan verlassen.

(sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Eklat im Trump-Prozess: Richter lässt Saal wegen frechem Zeugen räumen
Da hatte Richter Juan Merchan genug: Weil ein Pro-Trump-Zeuge sich seiner Meinung nach respektlos verhielt, machte er diesen zur Schnecke und liess kurzerhand den Saal räumen.

Der Prozess gegen den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump ist ein historischer, der Vorwurf angeblicher Vertuschung von Schweigegeldzahlungen an eine Pornodarstellerin könnten kaum pikanter sein. Nach mehr als einem Monat mit spektakulären Anschuldigungen und detaillierten Beschreibungen von Trumps Sexleben geriet die Verhandlung am Montag kurzzeitig aus den Fugen: Richter Juan Merchan liess den Saal 1530 des Gerichts in Downtown Manhattan vorübergehend räumen – weil er sich von einem Trump-nahen Entlastungszeugen respektlos behandelt fühlte.

Zur Story